SpOn 27.11.2025
00:31 Uhr

Hongkong: Feuer in Hochhaus-Komplex - Zahl der Todesopfer steigt, Berichte über drei Festnahmen


Auch in der Nacht kämpft die Feuerwehr in Hongkong gegen die Flammen in einem Hochhauskomplex – und macht Fortschritte. Die Polizei hat inzwischen drei Mitarbeiter der Baufirma festgenommen.

Hongkong: Feuer in Hochhaus-Komplex - Zahl der Todesopfer steigt, Berichte über drei Festnahmen

Die Zahl der Opfer nach dem verheerenden Großbrand in einem Wohnhochhauskomplex in Hongkong steigt weiter deutlich an: Jüngsten Angaben zufolge sind mindestens 44 Menschen ums Leben gekommen. 45 weitere Personen befinden sich nach Angaben der Behörden in kritischem Zustand.

Zudem werden noch immer 279 Menschen vermisst, wie Hongkongs Regierungschef John Lee in der chinesischen Sonderverwaltungsregion sagte.

Das Feuer war am Mittwoch in der Wohnanlage Wang Fuk Court im Stadtteil Tai Po ausgebrochen und hatte sich rasch über mehrere eingerüstete Hochhäuser ausgebreitet. Die Behörden riefen Alarmstufe fünf aus, das ist die höchste Kategorie. Die Feuerwehr berichtete von extremen Temperaturen in den oberen Stockwerken und schwierigen Bedingungen bei der Brandbekämpfung.

Polizei berichtet von drei Festnahmen

Zur Brandursache gibt es weiter keine offiziellen Angaben, eine Untersuchung wurde eingeleitet. Dabei sollen unter anderem die Sicherheitsstandards des Bambus-Baugerüsts und der daran befestigten grünen Netze überprüft werden.

Inzwischen wurden drei Männer wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung festgenommen, wie die Polizei in der Stadt erklärte. Es handle sich um Mitarbeiter der Baufirma. »Wir haben Grund zu der Annahme, dass die Verantwortlichen des Unternehmens grob fahrlässig gehandelt haben, was zu diesem Unfall geführt und die unkontrollierte Ausbreitung des Feuers verursacht hat«, sagte Eileen Chung von der Polizei.

Medienberichten zufolge fanden Ermittler mit Polystyrolplatten – einem leicht entflammbaren Kunststoff, der häufig als Dämmmaterial verwendet wird – verbaute und teils blockierte Fenster sowie mutmaßlich minderwertige Baumaterialien. Beides könnte dazu beigetragen haben, dass sich das Feuer so schnell ausbreitete, hieß es.

Laut Berichten unter Berufung auf die Feuerwehr erfassten die Flammen sieben Wohnblöcke der Anlage. Sie besteht aus acht Wohnhäusern mit je 32 Stockwerken und insgesamt knapp 2000 Wohnungen. Die Gebäude waren demnach alle für Renovierungsarbeiten mit dem Baugerüst eingefasst.

Fotos und Videos vom Einsatzort zeigten große Rauchschwaden, die aus den eingerüsteten Wohnhochhäusern aufstiegen. Auch war zu sehen, wie die Fassadengerüste über mehrere Stockwerke hinweg in Flammen standen und brennende Teile zu Boden stürzten. Zudem waren im Inneren einzelner Wohnungen Feuerherde zu erkennen.

DER SPIEGEL

Die Löscharbeiten dauerten auch in der Nacht an. In vier der acht Wohnblöcke war das Feuer mittlerweile unter Kontrolle. Laut »South China Morning Post« waren mehr als 800 Feuerwehrleute und Sanitäter mit über 140 Fahrzeugen im Einsatz. Rund 900 Menschen suchten bis zum späten Abend (Ortszeit) Unterschlupf in den von der Stadt eingerichteten Unterkünften.

Reaktionen aus dem Ausland

Der chinesische Staats- und Regierungschef Xi Jinping sprach den Opfern des Feuers sein Beileid aus, wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete. Zudem soll er der Sonderverwaltungsregion seine Unterstützung zugesagt haben.

Das britische Generalkonsulat erklärte: »Wir stehen hinter den Menschen in Hongkong und würdigen die Stärke der Gemeinschaft und all diejenigen, die in dieser schwierigen Zeit Hilfe leisten.« Hongkong war bis 1997 britische Kronkolonie.

Das US-Generalkonsulat zeigte sich tief getroffen: »Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und all jenen, die von dem verheerenden Feuer betroffen sind.«

aar/dpa/Reuters