Mehrere Tausend Menschen haben sich am Nachmittag an Protesten gegen einen Auftritt des Thüringer AfD-Landeschefs Björn Höcke im Dortmunder Rathaus beteiligt. Die Polizei sprach von gut 3300 Teilnehmern an den Gegendemonstrationen. Die Veranstalter hatten ursprünglich nur mit 600 Menschen auf dem Friedensplatz vor dem Rathaus gerechnet. Auch der Dortmunder Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) nahm am Protest teil.
Höcke ist Gastredner beim Neujahrsempfang der AfD-Fraktion. »Die Stadt Dortmund hat juristisch nichts unversucht gelassen, diese Veranstaltung zu verhindern«, betonte ein Sprecher der Stadt. Sie war damit aber in einem Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gescheitert. Die Stadt hatte daraufhin am Samstagmorgen Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht in Münster eingereicht, das sich aber am Wochenende nicht mehr mit dem Fall beschäftigt hatte.
Die AfD-Ratsfraktion lud zu ihrem Neujahresempfang nach eigenen Angaben 280 Gäste ein, Höcke sollte zu kommunalpolitischen Themen reden. Der Thüringer AfD-Chef wurde zweimal wegen der Verwendung einer verbotenen Nazi-Parole rechtskräftig verurteilt. In Thüringen wird die AfD vom dortigen Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet.
Höcke besuchte auch rechtsextremen Kultort
Höcke hatte am Mittag bereits mit mehreren nordrhein-westfälischen AfD-Politikern die Externsteine im Teutoburger Wald besucht. Ursprünglich sollte das Treffen am nahegelegenen Hermannsdenkmal stattfinden. Dort hatten sich rund 350 Gegendemonstranten versammelt. Sowohl das Hermannsdenkmal als auch die Externsteine bekamen im Nationalsozialismus eine propagandistische Bedeutung. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe als Betreiber der beiden Ausflugsziele kämpft seit Jahren gegen die Vereinnahmung der Orte durch Rechtsextreme.
Noch größere Proteste werden an diesem Montag im nahegelegenen Düsseldorf erwartet. Dort rechnet ein Bündnis aus Bürgerinitiativen, Kirche und Zivilgesellschaft mit deutlich mehr als 5000 Teilnehmern bei Demonstrationen gegen einen abendlichen Auftritt von Höcke bei einer AfD-Veranstaltung.
