SpOn 09.12.2025
11:33 Uhr

Hochschulen: Je höher die Karrierestufe, desto weniger Frauen


Der Anteil von Professorinnen an deutschen Hochschulen hat sich in den vergangenen 20 Jahren zwar deutlich erhöht. Insgesamt sind sie allerdings noch immer deutlich in der Minderheit.

Hochschulen: Je höher die Karrierestufe, desto weniger Frauen

Der Frauenanteil an Professuren in Deutschland hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Laut Statistischem Bundesamt waren 30 Prozent der 52.100 hauptberuflichen Professorinnen und Professoren an Hochschulen in Deutschland zum Jahresende 2024 weiblich. 2004 hatte der Frauenanteil den Statistikern zufolge noch bei 14 Prozent gelegen, 2014 bei 22 Prozent. Auch gegenüber dem Vorjahreswert (29 Prozent) hat er sich 2024 leicht erhöht.

Trotz des Anstiegs in den vergangenen 20 Jahren liegt der Frauenanteil bei Professuren als der höchsten akademischen Karrierestufe weit hinter dem Frauenanteil zum Studienbeginn zurück. So war im Wintersemester 2024/2025 mit 52 Prozent eine Mehrheit der Erstsemester weiblich.

Unterschiede in den Fächergruppen

Auch unter den erfolgreichen Studienabsolventinnen und -absolventen waren mit 53 Prozent überwiegend Frauen. Aber je höher die Stufe der akademischen Karriereleiter, desto niedriger ist der Anteil an Frauen: Bei den abgeschlossenen Promotionen lag er im Prüfungsjahr 2024 bei 46 Prozent. Bei Habilitationen, also der Anerkennung der Lehrbefähigung an einer Hochschule, betrug er 36 Prozent.

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Der Anteil der mit Frauen besetzten hauptberuflichen Professuren unterscheidet sich dem Bundesamt zufolge zwischen den Fächergruppen deutlich. Am höchsten war er Ende 2024 demnach mit 44 Prozent in den Geisteswissenschaften, gefolgt von den Kunstwissenschaften mit 39 Prozent. Den niedrigsten Frauenanteil gab es in den Ingenieurwissenschaften (17 Prozent).

Arbeitsanforderungen kollidieren mit Sorgearbeit

Das Wissenschaftssystem behindere die Aufstiegsmöglichkeiten von Frauen, kritisiert Professorin Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Das Problem sei, dass die Zeit nach der Doktorarbeit bei vielen Menschen mit der Familiengründung zusammenfalle. »Für Frauen, die immer noch den Großteil der Sorgearbeit leisten, ist das in dieser Lebensphase oft schlicht nicht zu leisten«, so Kohlrausch. Denn in der Post-Doc-Phase werde »ein enormes Maß an Mobilität und Arbeitseinsatz bei gleichzeitig befristeten und unsicheren Beschäftigungsverhältnissen erwartet«.

Um dem Problem entgegenzuwirken, brauche es »sichere Arbeitsplätze auch im Mittelbau und mehr Arbeitszeitsouveränität für die Beschäftigten«, sagt Kohlrausch.

sun/dpa