SpOn 29.05.2026
10:43 Uhr

Hitzewelle mit ersten Todesopfern – Die Uno erwartet Rekordjahre zwischen 2026 und 2030


Selbst Tennisprofis kollabieren in der Hitzewelle, die sich derzeit über Europa legt. Die Uno warnt vor neuen Temperaturrekorden in den kommenden Jahren. Höchste Zeit, sich vorzubereiten.

Hitzewelle mit ersten Todesopfern – Die Uno erwartet Rekordjahre zwischen 2026 und 2030
Klimakrise

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Über Pfingsten freuten sich noch viele Menschen in Deutschland über das »schöne Wetter«. Mittlerweile zeigen sich in ganz Mitteleuropa die dramatischen Folgen der hochsommerlichen Temperaturen. So raten bei über 30 Grad Mediziner dringend von Sport im Freien ab. Doch Tennisprofis konnten sich das in dieser Woche der French Open nicht aussuchen: Nach einem 4:41-Stunden-Marathon in der Pariser Hitze (31 Grad) brach der Tscheche Jakub Mensik auf dem Platz zusammen – offenbar von Krämpfen geplagt. Auch der Italiener Jannik Sinner  konnte nicht mehr. Der große Turnierfavorit wankte bedenklich auf dem Court Philippe-Chatrier, geschüttelt von körperlichen Problemen. »Mir ist sehr schwindelig«, sagte der Weltranglistenerste aus Südtirol.

Ungünstiger Stadionbau: Spieler wurden »gekocht«

Ungünstiger Stadionbau: Spieler wurden »gekocht«

Foto: Aurelien Morissard / AP / dpa

Die US-Zeitung »The Athletic« titelt daher folgerichtig: »Jannik Sinner mag zwar ein Hitzeproblem haben, aber im Tennis gibt es ein viel größeres« und beschreibt, dass es auf dem Gelände wenig Schatten gab, zu wenig Eis und das Wasser in den Kühlschränken am Spielfeldrand nicht so kalt war wie gewohnt. Zudem hätte es nur wenige klimatisierte Räume gegeben. Durch die ungünstige Bebauung seien die Spieler regelrecht »gekocht« worden. Was weniger Schlagzeilen machte: Zwei andere Menschen starben in diesen Tagen bei anderen Sportveranstaltungen in Paris und im Großraum Lyon.

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Dass Architekten und Städteplaner Hitze nicht einpreisen, mussten auch die Schüler einer Grundschule in Soustons (Südwestfrankreich) erleben. Sie bekamen das mit voller Wucht zu spüren: Der Achtzigerjahrebau ihres Schulgebäudes hat ein Glasdach, unter dem in den vergangenen Tagen bereits am Vormittag bis zu 53 Grad (nein, kein Zahlendreher) gemessen wurden. Laut dem Schulbeauftragten wurde ein Kind ohnmächtig, mehrere erbrachen sich.

Hitze ist gefährlich. Was für die einen Eisschlecken und Badespaß bedeutet, kann für die anderen den körperlichen Kollaps zur Folge haben. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kranke und Kinder. Weil die Opfer von Hitzewellen kaum öffentliche Aufmerksamkeit bekommen, sprechen Fachleute von einem »lautlosen Killer«. Studien aus dem vergangenen Jahr belegen, dass Hitzewellen weit mehr Todesfälle verursachen als andere Naturkatastrophen. Wo Klimaforscherinnen und Klimaforscher solche Ereignisse untersuchen, zeigt sich stets: Mittlerweile geht ein großer Teil der Toten auf den menschengemachten Klimawandel zurück (lesen Sie hier eine Studie vom vergangenen Sommer). Der macht solche Wetterlagen wahrscheinlicher und intensiver. Seit den Neunzigerjahren ist die Zahl hitzebedingter Todesfälle laut einem Bericht in »The Lancet«  weltweit um 23 Prozent gestiegen, auf jährlich durchschnittlich etwa 546.000 im Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2021. In Deutschland starben vergangenen Sommer (bis Ende August 2025) laut Robert Koch-Institut (RKI) rund 2600 Menschen an den Folgen von Hitze.

Erste Hitzeglocke des Jahres

Die erste europäische Hitzewelle dieses Sommers ist keinesfalls »normal«: Die Temperaturen liegen in Frankreich derzeit zwischen zehn und 15 Grad über den für die Jahreszeit üblichen Temperaturen. In unserem Nachbarland gilt derzeit wegen der Hitze der Ausnahmezustand, es gab am Donnerstag eine Krisensitzung der französischen Regierung. In der Landeshauptstadt werden noch bis Sonntag 35 Grad erwartet, im Süden des Landes sogar 39 Grad. Neue Temperaturrekorde gab es auch in Portugal. Dort wurden an manchen Orten bereits bis zu 40,3 Grad Celsius gemessen – so warm war es dort im Mai noch nie.

Es handelt sich laut dem Deutschen Wetterdienst um eine riesige Hitzeglocke, die Sonne heizt die Luft durch einen weitgehend wolkenfreien Himmel immer weiter auf. Zudem sei heiße und trockene Luft unterwegs, die mit Saharastaub aus Nordafrika angereichert sei.

Für den Uno-Klimachef Simon Stiell ist das ein Warnsignal. Die für Mai extrem hohen Temperaturen seien »eine brutale Erinnerung an die sich verschärfenden Folgen der Klimakrise«, erklärte Stiell am Mittwoch.

Es wird noch heißer

Dass die aktuelle Hitze nur ein Vorgeschmack auf noch heißere Sommer ist, legt ein neuer Uno-Bericht nahe. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) und das britische Met Office  gehen davon aus, dass die globale Durchschnittstemperatur zwischen 2026 und 2030 mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit im Mittel mehr als 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegt. Für mindestens ein einzelnes Jahr in diesem Zeitraum beziffern sie die Chance, dass die 1,5-Grad-Marke geknackt wird, sogar auf 91 Prozent. Und mit 86 Prozent Wahrscheinlichkeit fällt in diesen fünf Jahren auch der bisherige Hitzerekord – den der am Mittwoch veröffentlichte Bericht im Jahr 2024 verortet.

Abkühlung in Paris: Hitzewellen werden in den kommenden Jahren noch brutaler

Abkühlung in Paris: Hitzewellen werden in den kommenden Jahren noch brutaler

Foto: Aurelien Morissard / AP / dpa

Verstärkt wird das durch ein altbekanntes Klimaphänomen: El Niño, eine ungewöhnliche Erwärmung des tropischen Pazifiks, die Dürren, Starkregen und Überschwemmungen begünstigt und die globalen Temperaturen zusätzlich nach oben treibt. Laut WMO könnte dieses Ereignis bis Ende 2026 eintreten und das kommende Jahr zum neuen Rekordjahr machen (lesen Sie hier mehr zum erwarteten Super-El Niño ).

Die 1,5-Grad-Marke sei dabei keine Klippe, an der »alles kippt«, sagt Mitautorin Melissa Seabrook – aber jedes weitere Zehntel Grad mache die Folgen spürbar schlimmer.

Höchste Zeit also, über die eigene Kühlung nachzudenken. Bevor Sie teure Klimaanlagen bestellen, versuchen Sie es doch erst mal mit diesen Tipps , um sich vor einem Hitzekollaps zu schützen. Hier können Sie auch nachlesen, wie Sie Ihre Wohnung hitzefest  machen.

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Die SPIEGEL-Beiträge zur Klimakrise:

Bleiben Sie zuversichtlich!

Ihre Susanne Götze
Redakteurin Wissenschaft

Eine Korrektur zum in der vergangenen Woche versendeten Newsletter: In einer früheren Version stimmte dort ein Bezug nicht: Die Kritik aus den eigenen Reihen der Union richtete sich gegen das neue Heizungsgesetz – und nicht die Klimapolitik der Regierung insgesamt. Wir haben das in der Webversion präzisiert.