Schauspieler Henry Hübchen, 78, hadert mit seiner Heimatstadt Berlin. »Berlin ist mit sich selbst überfordert«, sagte Hübchen dem »Berliner Kurier«. Ob Infrastruktur, Wohnungsbau, Integration, Schulen, nicht erreichbare Ämter: Jeden Tag kämen neue Baustellen hinzu. »Die Welt steht kopf und Berlin ist verwahrlost«, so Hübchen. Inzwischen lebe er die meiste Zeit des Jahres an der Ostsee.
»Ich verbringe hier Zeit mit mir und meiner Familie«, sagte er. Er sei ein Freund des Müßiggangs. »Nichtstun kann sehr produktiv sein. Aber ich drehe auch mal einen kleinen Low-Budget-Film mit meinen Freunden vom Surfcenter Wustrow« auf der Halbinsel Darß.
In Berlin erlebe er »eine aggressive Grundstimmung in den öffentlichen Räumen, besonders wenn Fahrrad-, Roller- und Autofahrer sich begegnen«, sagte der Schauspieler. Zudem ärgern ihn »mit Betonschwellen markierte Fahrradwege, die zum Auf-die-Schnauze-Fallen und zu gebrochenen Autofelgen einladen«.
Hübchen wurde 1947 in Berlin-Charlottenburg geboren. Als er zwei Jahre alt war, siedelte seine Familie in den sowjetischen Sektor der Stadt über. Er erlebte die DDR von der Gründung bis zum Mauerfall. Von 1974 bis 2002 gehörte Hübchen zum Theaterensemble der Volksbühne. Der Charakterdarsteller spielte in den vergangenen sechzig Jahren in mehr als 100 Kino- und Fernsehfilmen mit. Bekannt ist er unter anderem für seine Hauptrolle in der Komödie »Alles auf Zucker!« von 2004.
