SpOn 09.12.2025
17:36 Uhr

Heidenheim: Maschinenbauer Voith will bis zu 2.500 Stellen streichen


Die Krise in der Branche setzt sich fort: Beim schwäbischen Maschinenbauer Voith könnte gut ein Zehntel der Mitarbeiter den Job verlieren. Bis zu 2500 Stellen sollen abgebaut werden, teilte das Unternehmen mit.

Heidenheim: Maschinenbauer Voith will bis zu 2.500 Stellen streichen

Der Maschinen- und Anlagenbauer Voith aus dem schwäbischen Heidenheim hat »Anpassungen zur Stärkung seiner langfristigen Wettbewerbsfähigkeit« angekündigt. »Im Rahmen der Anpassungen wird eine Reduzierung von bis zu 2500 Stellen erwartet«, heißt es in einer Mitteilung der Firma . Das bedeutet, dass gut ein Zehntel der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Job verlieren könnten.

Konkrete Entscheidungen zu Standorten oder Bereichen liegen den Angaben zufolge noch nicht vor. In den kommenden Wochen prüfe man Optionen, die gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern diskutiert und bewertet werden sollen. Der erwartete Stellenabbau beschreibe »einen globalen Rahmen und stellt keine Aussage über bestimmte Standorte, Bereiche oder Funktionen dar«. Er sei Teil von »Anpassungen bei Organisationsstrukturen und Belegschaft im Rahmen einer strategischen Weiterentwicklung«.

Deutschland nehme bei den Überlegungen eine Schlüsselrolle ein, teilte der Technologiekonzern aus dem Osten Baden-Württembergs mit. Zwar verfüge der Standort über technologische Kompetenz und Innovationskraft, gleichzeitig gebe es strukturelle Probleme. Genannt wurden insbesondere hohe Energie- und Arbeitskosten, komplexe regulatorische Anforderungen und ein hoher bürokratischer Aufwand. Konzernchef Dirk Hoke verwies auf einen zunehmenden Wettbewerbsdruck.

Mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz, aber rote Zahlen im Geschäftsjahr 2023/24

Voith hat seinen Stammsitz im schwäbischen Heidenheim an der Brenz. Im Stammland hat der Konzern noch weitere Werke. Ferner ist Voith in Bayern, NRW, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Sachsen mit Standorten vertreten. Für den Mittelständler arbeiten weltweit rund 22.000 Menschen in mehr als 60 Ländern.

Das 1867 gegründete Unternehmen liefert Maschinen, Anlagen und technische Systeme für gleich mehrere Industriebranchen. Voith produziert unter anderem Turbinen, Generatoren und digitale Steuerungstechnik für Wasserkraftwerke. Ein weiterer traditioneller Schwerpunkt liegt auf Papiermaschinen und Anlagen zur Aufbereitung von Altpapier. Zusätzlich ist Voith im Bereich der Antriebs- und Industrietechnik aktiv. Dazu gehören unter anderem Getriebe und Kupplungen für Züge, Schiffe und industrielle Anwendungen.

Der Konzern mit seinen drei Bereichen Hydro, Paper und Turbo hatte zuletzt wegen der Konjunkturflaute rote Zahlen geschrieben. Im Geschäftsjahr 2023/24 sackte das Konzernergebnis auf minus 247 Millionen Euro ab. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 73 Millionen Euro verzeichnet. Der Umsatz fiel auf 5,23 Milliarden Euro. Die Zahlen für das im September abgelaufene Geschäftsjahr 2024/25 liegen bislang nicht vor. Vor einem Jahr hatte der Technologiekonzern noch mit einer Verbesserung bei Umsatz und Gewinn gerechnet.

Schwierige Phase für den Maschinenbau

Der angekündigte Stellenabbau fällt in eine für den deutschen Maschinenbau äußerst schwierige Phase. Die Branche schrumpft 2025 nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) bereits das dritte Jahr in Folge. Es wird erneut mit einem Produktionsrückgang von fünf Prozent gerechnet. Seit Anfang 2023 befindet sich die Produktion demnach im Sinkflug – inzwischen seit zwölf Quartalen in Folge. Die Auslastung der Fabriken liegt mit 78,3 Prozent deutlich unter dem langjährigen Mittel von rund 85 Prozent. Erst 2026 erwartet der Verband ein leichtes Plus.

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Die schlechte Lage hinterlässt dem Verband zufolge immer deutlichere Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Beschäftigung um 2,4 Prozent auf gut eine Million Menschen zurückgegangen. In den Betrieben werde häufiger Kurzarbeit angewandt. Neben hohen Steuern und unnötiger Bürokratie belasten nach Angaben von VDMA-Präsident Bertram Kawlath insbesondere die US-Strafzölle das Geschäft der Unternehmen.

mgo/dpa