SpOn 27.01.2026
05:33 Uhr

Hebammen: Bundesregierung sieht Probleme bei Geburtshilfe – Grüne kritisieren Untätigkeit


Fast jede zweite Hebamme denkt laut einer Studie darüber nach, den Beruf aufzugeben. Nach SPIEGEL-Informationen kennt die Bundesregierung die Lage. Doch sie tue nichts dagegen, sagen die Grünen.

Hebammen: Bundesregierung sieht Probleme bei Geburtshilfe – Grüne kritisieren Untätigkeit

Die Grünen werfen der Bundesregierung Untätigkeit bei Missständen in der Geburtshilfe vor. Die Regierung beschreibe die Lage »erstaunlich präzise – vom Hebammenmangel bis zu gravierenden Versorgungslücken bei Frauen mit geringem Einkommen oder Sprachbarrieren«, sagte Kirsten Kappert-Gonther, Obfrau der Grünen im Gesundheitsausschuss, dem SPIEGEL. »Doch aus klarer Analyse folgt kein Handeln.«

Kappert-Gonther verweist auf eine Studie der Zukunftsstiftung aus dem vergangenen Jahr. Demnach denke fast jede zweite Hebamme über einen Berufsausstieg nach. Dies führen die Forscher vor allem auf hohe Arbeitsbelastung, Bürokratie und Personalmangel zurück. Die Grünen haben der Bundesregierung 51 Fragen zu Geburtshilfe und Hebammenversorgung in Deutschland gestellt. Die Antworten des Gesundheitsministeriums liegen dem SPIEGEL vor.

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Bei Fragen zur Hebammenversorgung verweist das Ministerium von Nina Warken (CDU) auf ein Gutachten der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Demnach gebe es einen »partiellen Versorgungsmangel mit Hebammenhilfe vor allem für Frauen mit niedrigem Bildungsstand, niedrigen Einkommen und für nicht deutschsprachige Frauen«. Von Hebammen werde zudem »teilweise ein Nachfrageüberhang berichtet«.

Die Grünenpolitikerin Kappert-Gonther kritisiert, Warken plane keine Maßnahmen, um das Ziel »Gesundheit rund um die Geburt« umzusetzen und keine Änderung, um die Vertretung der Hebammen in den Vertragsverhandlungen mit den Krankenkassen sicherzustellen. »Wer den Handlungsbedarf erkennt, aber untätig bleibt, nimmt eine mangelhafte Versorgung rund um Schwangerschaft und Geburt bewusst in Kauf«, sagte Kappert-Gonther.

Grünenabgeordnete Kappert-Gonther: »Die Bundesregierung entzieht sich der Verantwortung«

Grünenabgeordnete Kappert-Gonther: »Die Bundesregierung entzieht sich der Verantwortung«

Foto: dts-Agentur / picture alliance

Sie betonte, gute Geburtshilfe brauche Kontinuität und enge Zusammenarbeit zwischen Hebammen, Ärztinnen und Ärzten. »Dazu müssen die Kompetenzen von Hebammen gestärkt und ihre Einrichtungen endlich fest ins Gesundheitssystem integriert werden.«

Kappert-Gonther wirft der Bundesregierung zudem vor, keine Erkenntnisse über den Versorgungsbedarf bei psychischen Erkrankungen zu haben, die vor und nach Geburt eines Kindes auftreten. Diese Erkrankungen gehörten zu den »häufigsten Komplikationen rund um Schwangerschaft und Geburt«, sagte Kappert-Gonther, die selbst Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist. »Statt ein flächendeckendes Screening auf den Weg zu bringen, entzieht die Bundesregierung sich der Verantwortung.«