Komiker und Schauspieler Hape Kerkeling, 61, vermisst bei einigen Menschen die Kompromissbereitschaft. »Unsere Gesellschaft läuft Gefahr, dass jeder seine Meinung als absolut durchsetzen will«, sagte er der »Apotheken-Umschau« . »Es laufen zu viele kleine Trumps herum.«
Charakterliche Schwächen hätten alle, meint Kerkeling. »Wir sehen sie nicht bei uns selbst oder wollen sie nicht sehen, und manchmal verschaffen sie sich Raum.« Es gehe darum, sich zu fragen: Wo liege ich möglicherweise falsch? »Im Moment irren mehr Menschen, als sie recht haben«, so der Komiker.
Sein Psychologielehrer habe ihm in der letzten Stunde vor dem Abitur einen Rat gegeben, der in ähnlichen Situationen helfe: sich nicht anbrüllen zu lassen. »Das wirkt Wunder. Ich musste den Satz oft sagen, und er war immer sehr hilfreich.« Jeder müsse sich »an der einen oder anderen Stelle zurücknehmen, sonst eskaliert es.«
Darum gehe es auch in seinem neuen Film »Extrawurst«, der im Januar in die Kinos kommt. Er sei eine Parabel auf die Realität, sagt Kerkeling. Auch die bekannte Kunstfigur Horst Schlämmer kehrt dann auf die Leinwand zurück.
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In einer Umfrage hatte 2009 fast jeder fünfte Befragte angegeben, sich Horst Schlämmer als Kanzler vorstellen zu können. »Ich dachte, das sei aus Jux geantwortet«, erinnert sich Kerkeling im Interview. Bis ihn der damalige Bundespräsident Horst Köhler zu einem Gespräch gebeten habe. »Er fragte: ›Ist Ihnen klar, was Sie damit losgetreten haben? Sie haben die Blaupause geliefert für so manchen Trittbrettfahrer, der jetzt aufs Tableau kommt.‹«
Das habe er für eine Übertreibung gehalten, erzählt Kerkeling. Bis 2024: »Dann kam das Bündnis Sahra Wagenknecht.«
In Deutschland seien die Menschen »zu weit entfernt voneinander«, sagte Kerkeling dem SPIEGEL. Möglichkeiten, das zu stoppen, seien nicht ergriffen worden. Lesen Sie hier das ganze Gespräch.
