Terrorismus, Spionage, Organisierte Kriminalität, Wirtschaftsverbrechen: Mit dieser Art Vorwürfen sieht man sich normalerweise konfrontiert, wenn der US-Inlandsgeheimdienst FBI gegen einen ermittelt. Was genau der »Washington Post«-Journalistin Hannah Natanson vorgeworfen wird, ist offiziell nicht bekannt. Fest steht: FBI-Agenten durchsuchten ihr Haus.
Wie die »New York Times« unter Berufung auf mit dem Fall vertraute Personen berichtet , waren die Beamten wegen des Verdachts auf mögliche Weitergabe von Regierungsgeheimnissen bei Natanson im Einsatz. Die Journalistin hatte unter anderem über US-Präsident Donald Trump und seine Initiative berichtet, Hunderttausende von Bundesangestellten zu entlassen. Sie veröffentlichte kürzlich einen Artikel, in dem sie beschrieb, wie sie Hunderte Mitarbeitende und Insider als Informanten gewinnen konnte. Ein Kollege bezeichnete sie deshalb als »die Flüsterin der Regierung«.
Natanson offenbar nicht im Zentrum der Ermittlungen
Natanson war für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen. Bei ihrem Arbeitgeber prüfe und beobachte man die Situation, teilte ein Sprecher der »Washington Post« mit. Auf X schrieb die Zeitung, die Ermittler hätten Natanson gesagt, »dass sie nicht im Mittelpunkt der Ermittlungen stehe.« Offenbar geht es stattdessen um einen »Systemadministrator in Maryland, der beschuldigt wird, geheime Geheimdienstberichte mit nach Hause genommen zu haben.«
Investigators told the reporter that she is not the focus of the probe.
— The Washington Post (@washingtonpost) January 14, 2026
The warrant said law enforcement was investigating a system administrator in Maryland who has been accused of taking home classified intelligence reports. https://t.co/2nNkqXT3QQ pic.twitter.com/L0Mrsn7cr6
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Der Mann wurde Anfang des Monats wegen unrechtmäßigen Besitzes von Informationen zur nationalen Verteidigung angeklagt, wie aus Gerichtsakten hervorgeht, die die Nachrichtenagentur AP einsehen konnte. Er soll demnach über die höchste Sicherheitsfreigabe verfügt haben. Den Anschuldigungen nach druckte er am Arbeitsplatz vertrauliche und sensible Berichte aus. Bei einer Durchsuchung seines Hauses und seines Autos in Maryland vor wenigen Tagen fanden die Behörden laut Gerichtsakten Dokumente mit der Kennzeichnung »GEHEIM«, darunter eines in einer Brotdose.
Wie es in einem Artikel der »Washington Post« über die Durchsuchung heißt, war Natanson bei dem Einsatz anwesend. Die Ermittler sollen demnach mehrere Geräte der Journalistin durchsucht und teilweise beschlagnahmt haben.
Justizministerin Bondi bestätigt Einsatz
US-Justizministerin Pam Bondi bestätigte den Einsatz bei einem Reporter oder einer Reporterin der »Washington Post« in einem Beitrag auf X. Darin hieß es, das Justizministerium und das FBI hätten den Durchsuchungsbefehl vollstreckt im Auftrag des Verteidigungsministeriums. Die Ermittlungen richteten sich im Kern gegen eine Person, »die geheime und illegal durchgesickerte Informationen von einem Auftragnehmer des Pentagon erhalten und darüber berichtet hatte.«
This past week, at the request of the Department of War, the Department of Justice and FBI executed a search warrant at the home of a Washington Post journalist who was obtaining and reporting classified and illegally leaked information from a Pentagon contractor. The leaker is…
— Attorney General Pamela Bondi (@AGPamBondi) January 14, 2026
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Der Einsatz habe demnach bereits in der vergangenen Woche stattgefunden und »die Person, die die Informationen weitergegeben hat«, befinde sich in Haft. In dem Beitrag nannte sie weder den Namen der Journalistin noch gab sie an, ob geheime Dokumente gefunden wurden.
Mehr über den Kahlschlag in der öffentlichen Verwaltung der USA, den maßgeblich Trumps einstiger Kumpel Elon Musk vorantrieb, lesen Sie hier: E-Mail von Musk, Teil II .
