DEIN SPIEGEL: Warum trägst du die Nummer vier auf dem Trikot?
Grijseels: Die habe ich schon, seit ich mit dem Sport angefangen habe. Sie liegt in meiner Familie. Mein Papa, der Rollhockey gespielt hat, trug ebenfalls die Vier. Und mein Opa, der Handballer war, auch.
DEIN SPIEGEL: Hat dein Opa dich zum Handball gebracht?
Grijseels: Nein, eher meine Mama. Früher habe ich sie häufig in die Halle begleitet. Ich war noch ein kleines Kind, als ich zum ersten Mal einen Handball in der Hand hatte.
DEIN SPIEGEL: Hast du auch andere Sportarten ausprobiert?
Grijseels: Ja, Leichtathletik, Turnen und Fußball zum Beispiel. Am Ende war es eine Entscheidung zwischen Fußball und Handball. Ich habe das dann davon abhängig gemacht, ob ich es beim Handball in die Jugendauswahl schaffe. Wäre mir das nicht gelungen, wäre ich zum Fußball gegangen.
DEIN SPIEGEL: Wie schafft man es, Profi zu werden?
Grijseels: Man sollte natürlich ehrgeizig und diszipliniert sein, aber am wichtigsten ist es, Spaß zu haben. Ich habe mich früher immer darauf gefreut, zum Training zu gehen, mit den Mädels in der Halle zu stehen und einfach eine schöne Zeit zu haben. Außerdem wollte ich unbedingt Dinge nachmachen, die ich bei den Profis im Fernsehen gesehen habe. Dafür habe ich jede Menge trainiert.
DEIN SPIEGEL: Du bist Rückraumspielerin. Worauf kommt es bei dieser Position an?
Grijseels: Vor allem auf eine gute Übersicht. Im Rückraum geht es darum, Struktur ins Spiel zu bringen und gleichzeitig Torgefahr auszustrahlen.
DEIN SPIEGEL: Wie schaffst du es, beim Werfen eines Siebenmeters entspannt zu bleiben?
Grijseels: Indem ich möglichst wenig nachdenke – egal welche Torhüterin vor mir steht. Das klappt leider nicht immer. Wenn das Spiel eng ist, bekomme ich den Kopf manchmal nicht ausgeschaltet.
DEIN SPIEGEL: Hast du Rituale, die du vor einem Spiel durchziehst?
Grijseels: Ich ziehe meine Socken und Schuhe immer in einer bestimmten Reihenfolge an. Sie geht so: rechter Socken, linker Socken, linker Schuh, rechter Schuh. Aber insgesamt verfalle ich nicht in Panik, wenn vor einem Spiel mal etwas anders läuft als sonst.
DEIN SPIEGEL: Du spielst seit vergangenem Jahr wieder beim BVB in Dortmund. Davor warst du in Rumänien und Frankreich aktiv. Wie unterscheidet sich der Handballsport dort?
Grijseels: Die rumänische Liga ist körperlicher, weil die meisten Spielerinnen recht kraftvoll sind. Dagegen geht es in Frankreich sehr athletisch zu, der Handball dort ist schnell, technisch, und es gibt gute 1-gegen-1-Spielerinnen. In Deutschland ist es ein Mix aus beidem, hier wird viel spielerisch gelöst.
Die einen mögen »Tatort«, die anderen »Drei Fragezeichen« oder Sherlock Holmes – fiktive Kriminalgeschichten sind bei jungen und älteren Menschen beliebt. Doch wie läuft die Jagd nach Verbrechern in Wirklichkeit ab? In der neuen Ausgabe von DEIN SPIEGEL, dem Nachrichtenmagazin für Kinder, geht es um die Arbeit von Kriminalkommissaren, Spurensicherinnen und Super Recognizern. Außerdem im Heft: Handball-Nationalspielerin Alina Grijseels spricht über die anstehende Weltmeisterschaft. DEIN SPIEGEL gibt es am Kiosk, ausgewählte Artikel online. Erwachsene können das Heft auch hier kaufen:
DEIN SPIEGEL: Was hat dir am besten daran gefallen, im Ausland zu spielen?
Grijseels: Ich fand es super, andere Kulturen und Sprachen kennenzulernen. Und es hat mich beeindruckt, wie anerkannt Handball in Rumänien und Frankreich ist. Die Zuschauerzahlen sind höher, und es ist ganz normal, dass die Spiele im Fernsehen übertragen werden.
DEIN SPIEGEL: Wir haben gelesen, dass du dich dafür einsetzt, dass Frauenhandball in Deutschland mehr Aufmerksamkeit bekommt.
Grijseels: Stimmt. Ich finde, dass Frauensport generell mehr Aufmerksamkeit verdient. Am Ende trainieren und leisten wir genauso viel wie die Männer. Also sollten wir genauso wahrgenommen werden und den gleichen Respekt erhalten.
DEIN SPIEGEL: Wie kann das klappen?
Grijseels: Beim Handball wäre ein Anfang, dass unsere Spiele im TV übertragen werden. Außerdem sollten die Frauen davon leben können, wenn sie in der ersten Liga spielen. Noch ist es so, dass viele nebenbei arbeiten müssen. Sie können sich nicht voll auf den Sport konzentrieren.
DEIN SPIEGEL: Musst du neben dem Handballspielen noch arbeiten?
Grijseels: Nein, zum Glück nicht. Aber ich studiere Sportmanagement an einer Fernuniversität. Es ist mir wichtig, dass ich für die Zeit nach meiner Profikarriere einen Plan habe.
DEIN SPIEGEL: Welcher war der bisher schönste Moment deiner Karriere?
Grijseels: Da muss ich zwei nennen. Zum einen war es ein Traum, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Paris dabei gewesen zu sein. So was sieht man sonst nur im Fernsehen. Und der zweite Moment war die deutsche Meisterschaft mit Dortmund, mein erster großer Titel. Auf den habe ich mit dem BVB lange hingespielt.
DEIN SPIEGEL: Ende November beginnt die Handball-WM. Worauf freust du dich am meisten?
Grijseels: Auf die Kulisse mit den Heimfans. Zuerst spielen wir in Stuttgart. Dort sind die Hallen bereits ausverkauft. Ich glaube, die Stimmung wird richtig gut sein.
DEIN SPIEGEL: Die WM findet nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden statt. Du hast deutsch-niederländische Wurzeln. Ist das Turnier deswegen besonders für dich?
Grijseels: Ja, schon. Ich habe eine Verbindung zu dem Land, weil mein Papa Niederländer ist und ich dort Familie habe. Ich hoffe, dass wir es mindestens ins Halbfinale schaffen. Denn das wird in Rotterdam ausgetragen.
DEIN SPIEGEL: Wie schätzt du die Chancen von Deutschland ein?
Grijseels: Ich glaube, dass wir ein gutes Team haben. Aber in den vergangenen Jahren sind wir bei Turnieren meist Sechster, Siebter oder Achter geworden. Es sind uns also noch ein paar Mannschaften überlegen. Mit den deutschen Fans im Rücken können wir aber für eine Überraschung sorgen.
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