SpOn 29.01.2026
18:06 Uhr

Handball-EM 2026: »Zirkus« – Kroatiens Trainer Dagur Sigurdsson mit Wutrede gegen EHF


Vor dem Halbfinale gegen Deutschland rechnet Kroatiens Trainer Dagur Sigurdsson mit dem europäischen Handball-Verband ab. Er kritisiert die Organisation, Anreise und Show als »Schande« und »Zirkus«. Die Deutschen verstehen die Wut.

Handball-EM 2026: »Zirkus« – Kroatiens Trainer Dagur Sigurdsson mit Wutrede gegen EHF

Dagur Sigurdsson kochte schon im Vorraum der Pressekonferenz. Der Trainer des letzten deutschen Titelgewinns 2016 und heutige Coach der Kroaten betrat das Podium vor dem Halbfinale mit hochrotem Kopf. Dann zürnte er: »Was hier passiert, ist eine absolute Schande. Sie interessieren sich nicht für die (sportliche) Qualität, sondern nur für die Verkäufe. Sie sind wie eine Eventfirma. Wahrscheinlich werden sie viele Tänzer organisieren und eine Show machen, das können sie!«

Sigurdsson meinte damit die europäische Handball-Föderation EHF als Veranstalter. Die Kroaten hatten weniger Verschnaufpause als beispielsweise die Deutschen und mussten in der Hauptrunde zwei Spiele innerhalb von 24 Stunden absolvieren. »Wir hatten zwei Tage Pause, um sieben Spiele zu absolvieren. Das ist verdammt hart.« Sigurdsson weiter: »Sie stellen hier das Motto auf: pure greatness! Ist es das? Es ist eine Schande und schockierend!«

Sorge um Gesundheit der Spieler

Auch die Anreise am Donnerstag nach Dänemark stieß Sigurdsson auf: »Wir mussten vier Stunden von Malmö herfahren. Sie haben uns in einen Bus gesteckt wie gefrorene Hähnchen.« In den sozialen Medien kursieren Bilder, wie die kroatischen Spieler im Bus auf dem Boden schlafen. Danach mussten Sigurdsson und der Spieler Josip Simic zur Pressekonferenz in der Arena in Herning, die entfernt vom Trainingsgelände liegt. »Um sechs bin ich wieder im Hotel und muss schauen, ob meine Spieler gesund sind und dann das Spiel vorbereiten.«

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Die kroatischen Journalisten im Raum sprachen in der Folge sogar noch weitere Gerüchte über die schlechte Verpflegung der Kroaten an und fragten gar, ob es stimme, dass Würmer im Essen gewesen seien. Darüber wollte Sigurdsson aber kein Wort verlieren.

Der Trainer des deutschen Teams Alfreð Gíslason hörte sich die Wutrede seines Kollegen ruhig an. Auf SPIEGEL-Nachfrage sagte er: »Ich kann den Ärger meines Kollegen absolut verstehen.« Zum Fitnesszustand von Abwehrspezialist Tom Kiesler, der sich am Vortag mehrmals übergeben hatte, sagte Gíslason : »Er ist noch immer nicht fit.« Danach herrschte Hektik und Aufbruchstimmung im Medienraum, weil sowohl Sigurdsson als auch Gíslason schnell zu ihren Mannschaften wollten. Sie hatten genug Zeit verloren.