SpOn 24.01.2026
22:04 Uhr

Handball-EM: Andreas Wolff führt Deutschland zum nächsten Sieg


Der Halbfinaltraum der deutschen Handballer lebt weiter: Auch gegen Norwegen gewann das Team von Alfred Gislason und führt die Hauptrundengruppe an. Zu verdanken hatte die Mannschaft dies vor allem ihrem Torwart.

Handball-EM: Andreas Wolff führt Deutschland zum nächsten Sieg

Wolffs Revier: Torwart Andreas Wolff hat schon so oft seine Klasse bewiesen, aber an diesem Abend legte er noch eine Schippe drauf. Er hielt gerade in der Anfangsphase beinahe jeden Ball, hatte seine Hände überall, hatte schon nach fast 20 Minuten zehn Paraden auf dem Zettel. »Ich weiß gar nicht, ob es so etwas schon mal gegeben hat«, war ZDF-Live-Reporter Martin Schneider geradezu ehrfürchtig. Siebenmeter-Spezialist Nils Lichtlein kommentierte kurz und knapp in der Pause: »Er rettet uns immer wieder den Arsch.« Mehr als 20 Paraden standen am Ende zu Buche. Das ist nichts anderes als Weltklasse.

Das Ergebnis des Spiels: Deutschland gewinnt gegen Norwegen 30:28 (15:17) und bleibt in der Hauptgruppe nach wie vor ohne Verlustpunkt. Das Halbfinale ist einen Schritt näher gerückt.

Die lieben Verwandten: Die Partie Deutschland gegen Norwegen wird bei den norwegischen Oftedal-Schwestern schon seit Tagen Thema sein. Beide sind nicht nur ehemalige Handballerinnen, beide sind auch mit männlichen Kollegen liiert: Stine Oftedal ist mit Deutschlands Rune Dahmke verheiratet, ihre Schwester Hanna mit Norwegens Superstar Sander Sagosen. Schon im Vorfeld hieß es: Der Familienchat glüht.

Sander Sagosen scheiterte zunehmend an de deutschen Defensive.

Sander Sagosen scheiterte zunehmend an de deutschen Defensive.

Foto: Eibner-Pressefoto / Marcel von Fehrn / Eibner / IMAGO

Die erste Halbzeit: Durchwachsen aus deutscher Sicht. Das Team machte zwar das erste Tor des Spiels, die nächste Führung für die Gislason-Mannschaft gab es dann aber erst wieder beim 11:10. Dazwischen lag man auch schon mal 3:7 im Rückstand, die Trefferquote lag am Ende der Halbzeit bei mageren 54 Prozent. Dass es nur mit zwei Toren Rückstand 15:17 in die Kabinen ging, lag allein daran, dass der Torwart mal wieder einen Sahnetag erwischt hatte.

Verschleudert: Im siegreichen Duell gegen Portugal am Donnerstag glänzte vor allem einer: der junge Gummersbacher Miro Schluroff. Sein Wurf hat wegen seiner Wucht das Etikett weg: Schluroff-Schleuder. Gegen die Norweger stand er daher in der Startformation, aber er fand überhaupt nicht in die Partie. Die Schluroff-Schleuder war am Samstag keine Waffe. Der Bundestrainer wechselte schnell.

Die Semper-Schleuder: Bisher profitierte das DHB-Team stets davon, dass stets ein anderer Spieler sich zum Matchwinner aufschwang. Diesmal waren es gleich zwei: Franz Semper spielt in der Bundesliga in Leipzig, beim Kellerkind der Liga. Beim Turnier hatte er noch keine großen Momente, gegen Norwegen war er da und traf als einer der wenigen konstant. In der zweiten Halbzeit übernahm dann Marko Grgić diesen Part.

Die zweite Halbzeit: Wolff ging in der Pause gar nicht mit in die Kabine, wahrscheinlich hätte er mit seinem Adrenalin sonst das Mobiliar zerlegt. Der Torwart machte in der zweiten Halbzeit so weiter und brachte die Skandinavier zum Verzweifeln. Sechs weitere Paraden nach sechs Minuten, das ist außergewöhnlich. Seine Vorderleute wussten das aber zunächst nicht zu nutzen – auch weil Norwegens Keeper Torbjörn Bergerud ebenfalls stark hielt. So blieb das Bild: ein überragender und ein starker Torwart und zwei nervöse Wurf-Formationen. Aber so langsam bewegte sich die Waage zugunsten der DHB-Auswahl.

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Gutes Händchen: Der Bundestrainer hatte zur zweiten Hälfte nochmals durchgewechselt, und das zeigte Wirkung. Marko Grgić aus Flensburg und Justus Fischer aus Hannover eröffneten in der zweiten Hälfte, und damit kam mehr Struktur ins Offensivspiel. Aus einem 15:18 machte das DHB-Team einen 26:21-Vorsprung. Das war die Vorentscheidung, auch wenn die Norweger noch einmal näher herankamen. Wolff war inzwischen komplett heißgelaufen. Grgić traf siebenmal.

Wie geht’s weiter? Jetzt warten die ganz großen Fische: Dänemark, der Weltmeister, und Frankreich, der Europameister. Beide Großkopferten gewannen am Samstag ihre Parallelspiele gegen Spanien und Portugal. Wenn man daraus ohne zwei Niederlagen hervorgeht, dann ist das Halbfinale erreicht.