Was ist passiert?
In Hamburg und Griechenland haben Ermittler zwei Männer festgenommen. Sie sollen versucht haben, deutsche Marineschiffe zu beschädigen. Es handelt sich bei den Verdächtigen um einen 37-jährigen Rumänen und einen 54-jährigen Griechen, wie die Generalstaatsanwaltschaft in der Hansestadt mitteilte.
Was werfen die Behörden den Tatverdächtigen vor?
Laut Eingeweihten geht es bei den Ermittlungen um sieben Fälle versuchter Sabotage an fünf verschiedenen Marineschiffen, die auf dem Werksgelände von Bloom + Voss gebaut wurden.
Nach SPIEGEL-Informationen geht es unter anderem um einen Vorfall von Anfang 2025, bei dem 20 Kilogramm Strahlkies in den Motorblock der Korvette »Emden« gelangten. Ein zweiter Fall betrifft die Korvette »Köln«. Hier sollen die Verdächtigen im Juni 2025 einen Hauptschalter umgelegt und so den Strom abgedreht haben.
In weiteren Fällen sollen die Männer Frischwasserleitungen zerstochen sowie Tankdeckel von Treibstofftanks entfernt haben.
Laut Generalstaatsanwaltschaft wurden die Taten rechtzeitig entdeckt und schwere Schäden an den Schiffen damit verhindert.
Was ist über die Tatverdächtigen bekannt?
Nach SPIEGEL-Informationen arbeiteten die beiden Tatverdächtigen mit Projektverträgen bei einem traditionsreichen Hamburger Konzern, der Dienstleistungen etwa im Bereich Oberflächen- und Korrosionsschutz von Schiffen anbietet.
In Hamburg waren die beiden Männer in Monteurswohnungen untergebracht. Auf die Spur kamen die Ermittler den Arbeitern offenbar unter anderem dadurch, dass sich Tatzeiträume und Tatorte immer wieder mit den Arbeitszeiten der Männer überschnitten. Zugang zu den Werften sei für Außenstehende nur schwer möglich, heißt es in Fachkreisen. Von Anfang an seien daher sogenannte Innentäter infrage gekommen.
Auf der »Emden« etwa waren die Männer demnach um die Tatzeit für Sandstrahlarbeiten eingesetzt. Der für die Arbeiten genutzte Strahlkies fand sich später im Motorblock.
Welches Motiv vermuten die Ermittler?
Entscheidend sei nun die Motivation der Tatverdächtigen, sagen Insider. Eine staatliche Steuerung der Beschuldigten als sogenannte Low-Level-Agenten sei eine Arbeitshypothese. Doch bislang sollen keine Verbindungen etwa nach Russland erkennbar gewesen sein. Hoffnung setzen Ermittler nun auf die Auswertung der sichergestellten Beweismittel.
Im Fall des festgenommenen Rumänen rückt nach SPIEGEL-Informationen besonders dessen finanzielle Situation im Heimatland in den Fokus. Der Arbeiter soll dort mehrere Immobilien besitzen, die womöglich nur schwer mit seinem Lohn in Einklang zu bringen seien, heißt es. Ob der Rumäne Geld zum Beispiel als Belohnung für mögliche Sabotagehandlungen von einem Auftraggeber erhielt, sei Gegenstand der Ermittlungen.
Welche Schiffe sollen die Männer mutmaßlich sabotiert haben?
Das Ziel der Saboteure ist für die Marine strategisch äußerst wichtig. So gehören sowohl die »Köln« als auch die »Emden« zu den fünf neuen Korvetten der Klasse K130. Die Bundeswehr hatte die Kriegsschiffe schon 2017 für etwa zwei Milliarden Euro geordert, sie sollen die deutlich in die Jahre gekommene Flotte der Marine moderner und schlagkräftiger machen.
Die Schiffe sind besonders für Operationen in der Ostsee gedacht, wo die Marine wegen der Bedrohung durch Russland ihre Aktivitäten deutlich ausgebaut hat. Die Korvetten sind mit einer Länge von 89 Metern kleiner und wendiger als Fregatten, das macht sie auch agiler bei der Verfolgung von Öltankern, die der russischen Schattenflotte angehören.
Bei der Marine sorgten die Vorfälle in Hamburg und anderswo für eine Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen. So wird mittlerweile deutlich strenger kontrolliert, wer auf Werften tätig ist, die an Marine-Kriegsschiffen arbeiten. Hundertprozentige Sicherheit sei aber allein wegen der hohen Zahl an Arbeitern kaum erreichbar, räumen Marine-Offiziere ein.

