In manchen Wochen ist es einfacher, gute Nachrichten zu finden, in machen schwieriger. Diese Woche fällt in letztere Kategorie, dachte ich – und bin dann doch auf viele gute Nachrichten für Sie gestoßen.
Den Anfang macht die Klasse 10b der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe. Meine Kollegin Sophie Burkhart hat die Schülerinnen und Schüler besucht. Einige von ihnen dürfen am Sonntag das erste Mal wählen.
Vor rund vier Jahren hat der baden-württembergische Landtag das Wahlrecht reformiert und unter anderem das Wahlalter auf 16 Jahre abgesenkt. Nach Bremen, Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern dürfen jetzt auch hier 16- und 17-Jährige bei Landtagswahlen abstimmen. In der 10b sitzen zehn von ihnen, der Rest der 19 Schülerinnen und Schüler ist noch zu jung. Gemeinsam haben sie im Unterricht über die Landtagswahl am Sonntag gesprochen.
»Ich habe die Jugendlichen als sehr politisch interessiert erlebt«, hat mir Sophie berichtet. »Auch die Schülerinnen und Schüler, die am Sonntag noch nicht wählen dürfen, haben mitdiskutiert und waren informiert. In den Vorträgen haben sie sich wirklich differenziert mit den Parteien auseinandergesetzt und ich konnte eine gewisse Meinungsvielfalt beobachten.«
Larissa, Schülerin der 10b, wird am Wahltag 16 Jahre alt
Foto: Sophie Burkhart / DER SPIEGELEin Schüler habe es etwa positiv gefunden, dass CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel mit 37 Jahren vergleichsweise jung sei, und das als Hoffnung gesehen, dass junge Themen mit ihm vielleicht mehr Aufmerksamkeit bekommen. Eine andere Schülerin habe sich über den Plakatslogan der CDU »Politik für ganz normale Leute« geärgert. »Die Klasse hat das sehr gut ausgehalten und die Meinungen akzeptiert«, sagt Sophie.
Der 16-jährige Jonathan findet es gut, dass er wählen darf. Wen er wählen wird? Weiß er noch nicht.
Foto: Sophie Burkhart / DER SPIEGELSie hatte den Eindruck, dass die Schülerinnen und Schüler sich vor einer zunehmenden Polarisierung fürchten, also davor, dass es nur noch rechts und links gibt – und in den Gesprächen aktiv aufeinander eingegangen sind und Unterschiede ausgehalten haben. »Die Schülerinnen und Schüler der 10b wünschen sich vor allem, dass die Parteien mehr auf junge Menschen zugehen und die Themen der Jugendlichen behandeln und ernst nehmen«, sagt Sophie. Die Herabsetzung des Wahlalters hält sie für einen Schritt in die richtige Richtung. Ich empfehle Ihnen ihre Reportage sehr .
Was diese Woche noch gut war – für die Welt:
Overtourism macht sich für Roms Einwohner bezahlt
Schöne Städte haben oft ein Problem: Sie ziehen zu viele Besucher an, die Anwohner leiden darunter. Rom hat mit einer Initiative gezeigt, wie man negative Effekte des Overtourism zumindest zum Teil in etwas Positives verwandeln kann. Seit einem Monat kostet es Eintritt, wenn man den römischen Trevi-Brunnen besuchen möchte. Die Stadt finanziert mit den Einnahmen, im ersten Monat mehr als 400.000 Euro, den kostenfreien Zugang ihrer Einwohner zu städtischen Museen. Mehr lesen Sie hier.
Alles für den Feldhamster
Vor den Toren von Mainz lebt die letzte Feldhamsterpopulation in Rheinland-Pfalz. Feldhamster gehören zu den am stärksten gefährdeten Säugetieren Westeuropas. In einigen Bundesländern gelten sie schon als ausgestorben. Deswegen versucht man, die rheinland-pfälzischen Nager zu schützen. Unter anderem halfen 20 Landwirte, sie schufen etwa Blühstreifen, die den Hamstern Nahrung und Schutz bieten. Die Population hat sich seitdem etwas erholt und kann sich nun langfristig entwickeln: Denn das Projekt wurde bis 2029 verlängert, berichten unter anderem die Kollegen von der »Rheinpfalz« .
Flauschig, scheu und selten: Feldhamster
Foto:Oliver Berg / dpa
Ein »neuer« Rembrandt
Lange war die Urheberschaft des Gemäldes unklar, aber jetzt besteht kein Zweifel mehr: Kunstexperten des Rijksmuseums in Amsterdam konnten das Gemälde »Vision von Zacharias im Tempel« eindeutig dem niederländischen Meister Rembrandt van Rijn zuordnen, dank Scannertechnik und Stilanalysen. Als Langzeitleihgabe soll der »neue« Rembrandt nun ausgestellt werden. Mehr dazu hier.
Eine Forscherin nimmt »Vision von Zacharias im Tempel« ganz genau in Augenschein
Foto: Koen van Weel / EPAKampf gegen Endometriose
Die Zahl der Frauen mit der Diagnose Endometriose in Deutschland hat sich laut dem Barmer-Arztreport binnen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Das ist eine gute Nachricht: Denn diese deutliche Steigerung liegt vor allem daran, dass Endometriose inzwischen deutlich häufiger und deutlich früher festgestellt wird. Und das bedeutet, dass Betroffene früher mit einer Behandlung beginnen können. Hier finden Sie die ganze Meldung.
Sieg gegen Lepra
Ein Programm zur Früherkennung und der universelle Zugang zu medizinischer Versorgung haben zu einem Erfolg in Chile beigetragen: Das Land ist das zweite weltweit, das Lepra eliminiert hat. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gratulierte der Regierung und überreichte ein entsprechendes Zertifikat. Zuvor hatte demnach nur Jordanien diesen Status erreicht. In Chile gab es nach WHO-Angaben seit 1993 keine lokale Lepra-Ansteckung mehr. Die ganze Meldung lesen Sie hier.
Was gut ist – für Sie:
Machen Sie es kurz
Sie wünschen sich Fitness und starke Muskeln, aber der Terminkalender quillt über? Ein Sportwissenschaftler hat für SPIEGEL Extra das optimale Kurz-Work-out zusammengestellt – und das finden Sie hier.
Nase frei
Ich gehöre zu den Menschen, die jedes Frühjahr aufs Neue wieder mit Erschrecken feststellen, dass sie ja Heuschnupfen haben. Die vegetativarmen Wintermonate lassen mich das jedes Jahr wieder verdrängen. Was zu tun ist, wenn die Allergie kickt, weiß meine Kollegin Nina Weber .
Loslaufen
Der Olympiateilnehmer Jeff Galloway hat seit den Siebzigerjahren unzählige Menschen vom Laufen überzeugt. Was Sie von seiner Technik lernen können, egal ob als erfahrene Sportlerin oder Einsteiger, lesen Sie hier .
Die Idee von Galloway ist simpel, aber revolutionär: Joggen mit strategischen Gehpausen
Foto:Hinterhaus Productions / Getty Images
Schlauer essen, nicht weniger
Viele Menschen wissen, wie gesunde Ernährung aussieht, doch sie scheitern im Alltag. Die Diätologin Katharina Miedzinska-Baran verrät die drei größten Fehler. Und wie man sie mit kleinen Tricks umgeht. Das ganze Interview lesen Sie hier .
Besser klarkommen
»Ein Mensch ist heute an einem Tag so vielen Informationen ausgesetzt wie jemand im 15. Jahrhundert in seinem ganzen Leben«, hat mir letztens jemand gesagt. Das stimmt zwar wahrscheinlich nicht ganz, aber das Gefühl der Überforderung angesichts Dutzender Aufgaben und Hunderter Informationen dürfte jeder kennen. Psychologieprofessorin Eva Asselmann verrät, was wir tun können, wenn zu viel unkontrolliert auf uns einprasselt. Hier lesen Sie das Interview .
Und sonst?
... hilft Ihnen mein Kollege Florian Pütz beim Treffen von Entscheidungen. Also nicht er direkt. Aber er hat für Sie bei Schachgroßmeisterin Jennifer Shahade nachgefragt. Die hat zwei Tipps.
Erstens: Wägen Sie verschiedene Optionen ab und suchen Sie am Ende drei heraus, aus denen Sie eine auswählen. Also am Frühstückstisch nicht überlegen, ob Sie noch ein oder kein Croissant essen, sondern noch eine dritte Option hinzuziehen. Wie wär’s mit einem halben Croissant? Oder einer Brezel?
Zweitens: Wir denken meistens zu lange über Entscheidungen nach. Schachspielerinnen haben in einer klassischen Partie im Schnitt pro Zug zwei Minuten Zeit. Das sei für die meisten Entscheidungen im Alltag auch ein guter Richtwert, sagt Shahade.
Schlaue Schachzüge: Alle zwei Minuten eine Entscheidung
Foto: Andrew Holt / The Image Bank RF / Getty ImagesMeinen Lieblingsratschlag verteilt sie am Ende des Interviews: »Entscheidungen zu bereuen, ist wichtig. Das zeigt, dass wir unsere Vergangenheit rational analysieren, um daraus für die Zukunft zu lernen«. Machen Sie sich also nichts draus, wenn Sie die Entscheidung vom Frühstück bereuen – nächstes Mal nehmen Sie wieder das ganze Croissant!
Das ganze Interview lesen Sie hier .
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Herzliche Grüße und bleiben Sie zuversichtlich,
Ihre Nadine Wolter, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL

