Im westafrikanischen Küstenstaat Guinea-Bissau hat das Militär nach eigenen Angaben die Macht übernommen. Präsident Umaro Sissoco Embaló sei abgesetzt, alle Institutionen sowie Land- und Seegrenzen vorläufig geschlossen, hieß es in einer Erklärung einer Gruppe von Offizieren. Die Mitteilung wurde unter anderem über den Facebook-Kanal des staatlichen Senders TGB verbreitet.
Die militärische Machtübernahme sei notwendig gewesen, nachdem das Oberkommando einen Plan zur Wahlmanipulierung und zur Destabilisierung des Landes aufgedeckt habe, sagte der Sprecher der Gruppe, General Denis N’Canha. In den mutmaßlichen Plan seien Politiker sowie ein bekannter Drogenbaron verwickelt gewesen. »Das Oberkommando der Streitkräfte zur Wiederherstellung der nationalen Sicherheit und der öffentlichen Ordnung beschließt, den Präsidenten der Republik unverzüglich abzusetzen«, fügte er hinzu.
Guinea-Bissaus Präsident Umaro Sissoco Embaló, 2025
Foto: Kristina Kormilitsyna / REUTERSDas Militär werde die Staatsgewalt übernehmen, »bis die notwendigen Voraussetzungen für die Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Normalität« gegeben seien, sagte N’Canha weiter. Alle Medienaktivitäten und der laufende Wahlprozess seien »bis auf Weiteres ausgesetzt«. Zudem sei eine nächtliche Ausgangssperre verhängt worden.
Präsident Umaro Sissoco Embaló hatte dem französischen Magazin »Jeune Afrique« zuvor gesagt, er sowie der Innenminister und die Stabschefs der Streitkräfte seien im Präsidentenpalast festgenommen worden. Ihm sei aber keine Gewalt angetan worden. In der Hauptstadt Bissau waren Schüsse zu hören.
Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen für Donnerstag erwartet
Am Sonntag hatten überfällige Präsidentschafts- und Parlamentswahlen stattgefunden. Sowohl Embaló als auch sein aussichtsreichster Herausforderer, Fernando Dias, hatten sich anschließend als Sieger bezeichnet. Offizielle Ergebnisse sollten bis Donnerstag veröffentlicht werden.
Der frühere General Embaló regiert seit 2020 und hatte das Parlament Ende 2023 aufgelöst. Seine Amtszeit ist seit Monaten abgelaufen. Kritiker werfen ihm vor, Oppositionelle, Journalisten und Menschenrechtler zu unterdrücken. Die wichtigste Oppositionspartei war von der Wahl ausgeschlossen und stützte den unabhängigen Kandidaten Dias.
Guinea-Bissau, ein Land mit rund 2,2 Millionen Einwohnern, zählt zu den ärmsten der Welt. Seit der Unabhängigkeit von Portugal 1974 gibt es immer wieder Staatsstreiche. Das Militär spielt traditionell eine starke politische Rolle.
Das Land am Atlantik verfügt über Bodenschätze wie Gold, Gas und Bauxit, lebt aber vor allem von der Landwirtschaft. Zudem hat das kleine Tropenland den Ruf, ein Knotenpunkt für den Kokain-Schmuggel zwischen Lateinamerika und Europa zu sein.
