SpOn 05.02.2026
16:41 Uhr

Großbritannien: Tragödie im Ärmelkanal hätte laut Untersuchungskommission verhindert werden können


Mindestens 27 Menschen ertranken 2021 auf der Flucht nach England. Eine Untersuchungskommission wirft der britischen Regierung nun erhebliche Versäumnisse vor.

Großbritannien: Tragödie im Ärmelkanal hätte laut Untersuchungskommission verhindert werden können

Ein Bootsunglück im Ärmelkanal 2021 kostete mindestens 27 Menschen das Leben, viele hätten jedoch gerettet werden können. Zu diesem Schluss ist eine Untersuchungskommission in Großbritannien gekommen . Der Vorsitzende der Kommission, Ross Cranston, spricht von einem »erheblichen, systematischen Versagen seitens der Regierung«. Cranston ist ehemaliger Labour-Abgeordneter und Juraprofessor an der London School of Economics.

Ein aufblasbares Boot mit mehreren Menschen an Bord hatte am 24. November 2021 bei der Überfahrt von Nordfrankreich nach Großbritannien Luft verloren. Die Menschen stürzten ins Wasser. Ein Fischerboot entdeckte die im Ärmelkanal treibenden Leichen erst einige Stunden später. Nur zwei Menschen überlebten. 27 Leichen konnten identifiziert werden , während vier weitere seither als vermisst gelten. Es gilt als eines der tödlichsten Unglücke an einer Fluchtroute, die immer wieder Menschen das Leben kostet.

Die britische Küstenwache in Dover sei damals in eine »unzumutbare Lage« gebracht worden, heißt es in dem Bericht. Die Menschen im Ärmelkanal hätten auch wegen Personal- und Ressourcenmangel nicht gerettet werden können. Der damaligen konservativen Regierung unter Boris Johnson sei das bekannt gewesen, unternommen worden sei jedoch nichts.

Schlepper hätten das Boot zudem überladen, heißt es.

Zu langsam reagiert?

Die Untersuchungskommission kritisiert auch die Reaktion der französischen Behörden 2021. »Viel mehr und möglicherweise alle Leben« hätten gerettet werden können, wenn ein Schiff der französischen Behörden auf einen abgesetzten Notruf schneller reagiert hätte, sagt Cranston.

Seit Jahren überqueren Menschen von Nordfrankreich aus in kleinen Booten den Ärmelkanal, um Großbritannien zu erreichen. Großbritannien versucht, Menschen auch mit französischer Hilfe davon abzuhalten und zahlt dafür Millionensummen an Paris.

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Die britische Kommission gab in ihrem Bericht Empfehlungen ab, um die Suche und Rettung von kleinen Booten künftig zu verbessern. Die Praxis der Überfahrten mit kleinen Booten müsse jedoch ein Ende finden, sagte Cranston. Nur so könnten weitere Todesfälle verhindert werden.

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jml/dpa