SpOn 06.02.2026
09:44 Uhr

Großbritannien: Starmers Parteifreunde distanzieren sich von Stabschef McSweeney


Der Skandal um die Epstein-Verbindungen des britischen Labour-Politikers Peter Mandelson bringt die Regierung in Bedrängnis. Innerparteilich richet sich die Wut vor allem gegen den engsten Vertrauten des Premiers.

Großbritannien: Starmers Parteifreunde distanzieren sich von Stabschef McSweeney

Der Skandal um die Freundschaft von Labour-Veteran Peter Mandelson zu Jeffrey Epstein hat die britische Regierung in eine tiefe Krise gestürzt.

In der Partei von Premier Keir Starmer mehren sich die Stimmen, die zumindest eine Ablösung seines Stabschefs Morgan McSweeney fordern.

Starmer erscheine »schwach, naiv und leichtgläubig«, sagte die ehemalige stellvertretende Labour-Parteichefin Harriet Harman. Der Premier müsse sein Team umbauen. Falls Starmer nicht die notwendigen Maßnahmen ergreife, werde der Skandal ihn zu Fall bringen.

Offene Kritik kommt bisher vor allem von Hinterbänklern und dem linken Flügel der Partei. Dort ist Starmers Stabschef ohnehin verhasst. »McSweeney muss gehen«, sagte der Abgeordnete Simon Opher dem »New Statesman«. Das »i Paper« zitiert einen weiteren Abgeordneten anonym: Starmers Rechtfertigungsversuche seien eine »komplette Shitshow«. Er habe die Partei noch nie so wütend erlebt.

Mandelson förderte McSweeney

Stabschef McSweeney gilt als engster Vertrauter des Premiers. Mit seinem taktischen Geschick machte er Starmer zum Labour-Vorsitzenden. Später leitete er den erfolgreichen Wahlkampf. Bisher rückt der Premier nicht von ihm ab. Starmer vertraue ihm weiterhin, hieß es am Donnerstag in der Downing Street.

Mandelson, ehemaliger Spindoktor von Tony Blair und ob seiner Arbeitsweise auch »Fürst der Finsternis« genannt, hatte McSweeney einst gefördert. Einem Medienbericht zufolge soll es McSweeney gewesen sein, der Starmer Anfang 2025 überzeugte, Mandelson zum Botschafter in Washington zu machen. Damals war die Verbindung des ehemaligen Ministers und EU-Handelskommissars zu Epstein bereits bekannt – nicht jedoch das Ausmaß ihrer Freundschaft.

Vertrauliche Informationen weitergeleitet

Vergangene Woche veröffentlichte Epstein-Akten zeigen, dass Mandelson in seiner Zeit als britischer Minister offenbar vertrauliche Informationen an Epstein weiterleitete – etwa zur Eurorettung (lesen Sie hier mehr dazu).

Epstein wiederum schickte Geld an Mandelson und dessen Partner. Später agierte der verurteilte Sexualstraftäter zudem als eine Art Karrierecoach – und beriet Mandelson bei dessen Versuch, seine politischen Kontakte in der Privatwirtschaft zu Geld zu machen.

Starmer argumentiert, das Ausmaß der Verbindungen zu Epstein nicht gekannt zu haben, als er ihn zum Botschafter machte. Mandelson habe ihn belogen. Als im September 2025 weitere Hinweise auftauchten, habe er ihn sofort entlassen. Inzwischen ist Mandelson aus der Labour-Partei ausgetreten, auch aus dem House of Lords schied er aus.

Starmer muss nun Dokumente aus dem Ernennungsverfahren veröffentlichen, darunter wohl auch seine persönlichen Nachrichten an Mandelson. Ausgenommen sind nur solche Informationen, die die nationale Sicherheit oder die Beziehungen zu anderen Staaten gefährden könnten.

slü