SpOn 28.05.2026
12:35 Uhr

Großbritannien: Der Riese von Cerne Abbas wird aufgehübscht


Ein berühmtes Kreidebildnis in England, das einen Nackten mit Keule zeigt und Hunderte Jahre alt ist, droht zu verblassen. Jetzt rücken 300 Helfer an, mit 17 Tonnen Material, zur Auffrischung.

Großbritannien: Der Riese von Cerne Abbas wird aufgehübscht

Er ist 55 Meter groß, hat eine Keule in der Hand und ist sichtlich erregt: Der Riese von Cerne Abbas ist ein bekanntes Wahrzeichen Großbritanniens. Nun werden seine Umrisse früher als gewöhnlich nachgezogen. Die Kreidefigur leidet offenbar zunehmend unter den sich verändernden Wetterbedingungen. Deshalb hat der National Trust, eine gemeinnützige Organisation der Denkmalpflege, 17 Tonnen Kreide und ungefähr 300 Helfer in die englische Grafschaft Dorset beordert. Zunächst hatte unter anderem die BBC berichtet .

Die gemeinnützige Organisation zieht die Umrisse der Figur eigentlich alle zehn Jahre nach, um sie vor Unkraut und Erosion zu schützen. Zwischen den Kreideanstrichen sollen Schafe das Gras kurz halten. Jetzt sei aber bereits sieben Jahre nach der letzten Schönheitskur für den Riesen ein neuer Einsatz nötig, teilte der der National Trust mit.

Der Organisation zufolge haben sowohl stärkere Regenfälle als auch heißere Sommer dem Riesen zugesetzt. Die stärkeren Regenfälle in Verbindung mit den häufigen Trockenperioden im Sommer führen demnach dazu, dass das Gras langsamer nachwächst und die Kreidekanten dadurch stärker freigelegt und anfälliger für Erosion werden. Zudem spüle das viele Wasser die Kreide schneller vom Hang.

Schwerstarbeit bei großer Hitze

Schwerstarbeit bei großer Hitze

Foto: Ben Birchall / PA Wire / dpa

Die Neuverkreidung soll bis zu 15 Tage in Anspruch nehmen. Rund 300 Mitarbeiter und Freiwillige des National Trust werden laut der BBC daran beteiligt sein und etwa 17 Tonnen frische Kreide den steilen Hang hinauftragen. Die alte Kreide wird sorgfältig ausgegraben, bevor frisches Material von Hand in die Umrisse des Riesen gepresst wird.

Bekannt ist die Figur mindestens seit 1694, in dem Jahr hatte ein Kirchenvorsteher das Scharrbild erwähnt und es restaurieren lassen. Ursprünglich wurden die Linien wahrscheinlich mit Spitzhacken in den Boden geschlagen und anschließend mit Kreide gefüllt. Dadurch erscheint die Figur leuchtend weiß.

Laut den aktuellen Erkenntnissen ist der Riese irgendwann zwischen 700 und 1100 nach Christus entstanden. Zuvor waren viele Archäologen und Historiker davon ausgegangen, dass das Scharrbild prähistorisch oder nachmittelalterlich ist.

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Es gibt zahlreiche Spekulationen, was das Gebilde darstellen soll: Herkules? Ein Fruchtbarkeitssymbol? Eine weitere These lautet: Im Jahr 987, also in etwa zu der Zeit, als das Bildnis entstanden sein könnte, wurde in unmittelbarer Nähe des Riesen das Kloster von Cerne gegründet. Laut einigen Quellen sollten die dort lebenden Geistlichen die heidnischen Bewohner von ihrem Glauben an einen angelsächsischen Gott namens Heil oder Helith abbringen.

Ist der Riese womöglich die Darstellung dieses Gottes? Aber warum sollte ein reiches und berühmtes Kloster die gigantischen Umrisse eines nackten Mannes akzeptieren, nur wenige Meter von der Abtei entfernt? Viele Fragen zum Ursprung des Riesen sind also unbeantwortet.

svs