Grönland: Diese an Bodenschätze reiche und militärstrategisch wichtig gelegene Insel im hohen Norden will US-Präsident Donald Trump bekanntlich kaufen. Dänemark bekräftigt allerdings seine rechtliche Souveränität über das weltgrößte Eiland. Doch was denken die Menschen vor Ort, etwa in Kapsiliit, östlich der Hauptstadt Nuuk? Für die indigenen Inuit ist bereits die Frage nach dem Besitz von Land falsch gestellt.
»Die Frage sollte lauten, wer für das Land verantwortlich ist. Das Land war schon da, bevor wir kamen. Und es wird auch noch da sein, wenn wir verschwunden sind. Für die Inuit kann man nichts besitzen, zu dem man selbst gehört.«
Fast 90 Prozent der 57.000 Einwohner Grönlands sind Inuit, sie leben hier seit mehr als eintausend Jahren. Trumps Wunsch, die Insel zu kaufen, erscheint ihnen äußerst seltsam. Denn für ihre Identität ist ein Grundsatz von zentraler Bedeutung: Alles gehört allen.
»Seit meiner Kindheit bin ich daran gewöhnt, dass man Land nicht besitzt, sondern nur pachten kann. Nicht einmal ein Bauer kann über das Land, das er nutzt, gebieten. Sie erhalten Landzuteilungen nur mit Einschränkungen. Niemand kann dieses Land besitzen.«
Grönland war 300 Jahre lang eine dänische Kolonie. Entsprechend unangenehm sind die Assoziationen der Indigenen, wenn jemand davon spricht, ihr heute weitgehend autonomes Land kaufen zu wollen.
»Diese Denkweise erinnert uns an die Kolonialisierung. Damit hat diese überhaupt erst begonnen.«
Die Inuit sehen sich nur als vorübergehende Hüter des Landes. Zuletzt hatte sich der US-Präsident zwar von seinen Drohungen, notfalls mit Gewalt Herr über Grönland werden zu wollen, distanziert. Seine Ansprüche auf die Insel hat er allerdings nicht aufgegeben.