Martin Werding, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, hat die Europäische Union aufgefordert, auf die Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump im Zusammenhang mit Grönland mit einer harten Antwort zu reagieren. Der »Rheinischen Post« sagte Werding, alle Gegenmaßnahmen gehörten wieder auf den Tisch, die in den Diskussionen über Trumps Zölle im vergangenen Jahr vorbereitet worden seien.
Trump lasse klar erkennen, dass es ihm in Grönland nicht um Sicherheitsinteressen gehe, sondern um Gebietsansprüche. Damit verletze er die Souveränität von Partnerländern und gefährde die Funktionsfähigkeit und damit den Fortbestand der Nato.
Martin Werding
Foto:Britta Pedersen / dpa
Die Zollfrage sei dabei nur ein Nebenkriegsschauplatz, erklärte der Ökonom. Genau darum dürfe die EU in diesem Streit jedoch nicht einknicken.
Trump hat seit seinem erneuten Amtsantritt im Januar 2025 immer wieder Besitzansprüche auf Grönland angemeldet. Die strategische Lage der Insel macht sie zu einem wichtigen Standort für das US-Raketenabwehrsystem. Zudem dürfte der Reichtum an Bodenschätzen das Interesse der USA wecken, da sie anstreben, ihre Abhängigkeit von chinesischen Exporten zu verringern. Allerdings erlauben internationale Vereinbarungen den USA bereits jetzt, ihre Präsenz auf Grönland deutlich auszubauen.
Zuletzt hatte Trump den Druck erhöht und militärische Mittel zur Übernahme Grönlands nicht ausgeschlossen. Meist ist dabei aber von einem Erwerb der Insel die Rede. Sieben europäische Länder haben sich mit der Arktisinsel Grönland solidarisiert. »Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen«, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung einer Reihe europäischer Staaten.
Nun droht Trump mit Strafzöllen, wenn er Grönland nicht bekommen sollte. Neben Deutschland träfe dies Dänemark, Schweden, Finnland, die Niederlande und Frankreich.
Die Europäische Union kündigte am Sonntag an, Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA zu prüfen. Konkret geht es um Strafzölle in Höhe von 93 Milliarden Euro oder Einschränkungen für US-amerikanische Unternehmen auf dem europäischen Markt. Das Paket für diese Strafzölle war bereits während eines Zollstreits mit Trump im vorigen Jahr geschnürt, aber nicht aktiviert worden.
Ratspräsident António Costa lud nun die Staats- und Regierungschefs zu einem Sondergipfel ein. Dieser soll voraussichtlich am Donnerstag stattfinden.
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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes waren an einer Stelle Grönland und Dänemark verwechselt worden. Der Fehler wurde korrigiert.
