SpOn 19.01.2026
08:07 Uhr

Grönland: Von der Leyen trotzt Trumps Zollankündigung mit Solidaritätsbekundung


Donald Trump droht in der Auseinandersetzung um Grönland mit Zöllen. EU-Kommissionschefin von der Leyen spricht sich für die Souveränität der Insel aus. Frankreichs Präsident Macron bringt eine »Handels-Bazooka« ins Gespräch.

Grönland: Von der Leyen trotzt Trumps Zollankündigung mit Solidaritätsbekundung

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betont nach den neuen Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump ihre Solidarität mit Dänemark und Grönland. »Zusammen stehen wir fest zu unserem Engagement, die Souveränität Grönlands und des Königreichs Dänemark zu wahren«, schrieb sie auf der Plattform X.

»Wir werden stets unsere strategischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen schützen.« Laut von der Leyen wird man »diesen Herausforderungen für unsere europäische Solidarität mit Standhaftigkeit und Entschlossenheit begegnen«.

Trump hatte am Samstag unter Verweis auf seine Machtansprüche auf Grönland ab Februar zusätzliche Zölle gegen Deutschland und sieben weitere europäische Staaten angekündigt – alle von ihnen Nato-Länder. Die gestaffelten Zölle sollen so lange gelten, bis ein Abkommen über den vollständigen Kauf der Arktisinsel erzielt werde.

Der US-Präsident hatte wiederholt deutlich gemacht, dass sich die USA die Insel einverleiben wollen – was die europäischen Nato-Partner vehement ablehnen. Trump zufolge würden ansonsten Russland oder China die Insel übernehmen. Grönland ist weitgehend autonom und gehört zum Staatsgebiet des Nato-Mitglieds Dänemark. Aktuell gilt seit Sommer für die meisten EU-Exporte nach Amerika ein Zollsatz von 15 Prozent.

Baerbock ruft zum Zusammenhalt auf

Die Präsidentin der Uno-Vollversammlung, Annalena Baerbock, sieht auch eine Selbstschädigung der USA. Was Trump gerade tue, sei »auch ein absoluter Schuss ins eigene wirtschaftliche Knie«, sagte die frühere deutsche Außenministerin im Deutschlandfunk. »Die USA sind heftigst verschuldet, haben ein absolutes Interesse daran, weiteren Handel zu treiben.«

Baerbock verwies darauf, dass auch die Charta der Vereinten Nationen Wirtschafts- und Finanzsanktionen ermögliche. »Die Europäer sind der größte Binnenmarkt der Welt. Wenn die Europäer gemeinsam mit anderen Staaten auf dieser Welt diese Dinge beschließen, dann hat das natürlich einen massiven Effekt.«

Die Grünenpolitikerin erklärte, Russland und China hätten als ständige Mitglieder des Sicherheitsrats die Aufgabe, den Weltfrieden zu sichern. »Wenn ausgerechnet diese beiden die Regeln des Weltfriedens nicht ernst nehmen, dann ist es an allen, jetzt sehr klarzumachen, dass sie geschlossen zusammenstehen.«

Europäer wollen sich wehren

Die betroffenen europäischen Staaten wollen die angedrohten Zölle nicht hinnehmen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und seine Kolleginnen und Kollegen kündigten eine geeinte Reaktion an. Im Raum steht etwa, ein EU-Gesetz zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung zu nutzen.

Frankreich hatte signalisiert, die Aktivierung des sogenannten Anti-Coercion Instrument (ACI) beantragen zu wollen, wie es aus dem Umfeld von Präsident Emmanuel Macron hieß. Das Instrument wird auch als »Handels-Bazooka« bezeichnet, weil es der EU weitreichende und flexible Möglichkeiten gibt.

Rutte und Starmer telefonieren mit Trump

Das Gesetz ermöglicht, Vergeltungszölle auf den Import von US-Waren zu verhängen. Zudem könnten US-Unternehmen von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen werden – oder für bestimmte Produkte Ein- und Ausfuhrbeschränkungen erlassen werden.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte und der britische Premierminister Keir Starmer führten am Sonntag Telefongespräche mit Trump. Von Rutte hieß es, er habe mit dem US-Präsidenten über die Sicherheitslage in Grönland und der Arktis geredet. »Wir werden weiter daran arbeiten«, sagte er und fügte hinzu, dass er sich auf ein Treffen mit Trump in Davos freue. In Davos findet das Weltwirtschaftsforum statt, zu dem am Mittwoch auch Trump erwartet wird.

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Starmer habe in dem Gespräch mit Trump erneut betont, dass es falsch sei, Zölle bei Verbündeten zu erheben, wenn diese sich für die kollektive Sicherheit der Nato-Verbündeten einsetzten, sagte eine Sprecherin.

Um weitere europäische Reaktionen abzustimmen, sollen die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union zu einem Sondergipfel zusammenkommen. EU-Ratspräsident António Costa berief diesen ein. Er soll voraussichtlich am Donnerstag stattfinden.

Auch außerhalb der Europäischen Union fallen die Reaktionen auf Trumps Zolldrohung deutlich aus. Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Støre bezeichnete sie als »inakzeptabel«. Die Spannungen zwischen den USA und Europa müssten reduziert werden.

Grüne stellen Energieimporte infrage

Die Chefin der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge, fordert, auch den Stopp von Energieimporten aus den USA in Betracht zu ziehen. »Diese Abhängigkeit ist wirtschaftspolitisch und energiepolitisch gefährlich«, sagte sie im ZDF.

Die EU hatte im vergangenen Sommer im Zuge des Handelsdeals mit den Vereinigten Staaten zugesagt, bis zum Ende der Amtszeit von Präsident Donald Trump US-Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar zu kaufen, darunter Flüssigerdgas (LNG).

»Als EU braucht es jetzt Klarheit, dass man so ein Handeln von Trump nicht akzeptieren wird«, sagte Dröge. Das bedeute Klarheit, dass man zu Gegenmaßnahmen bereit sei, und gleichzeitig die ausgestreckte Hand, um Gespräche weiter zu ermöglichen.

Wie die Europäische Union auf Trumps jüngste Drohungen reagieren könnte, lesen Sie hier .

tin/dpa