SpOn 10.01.2026
09:26 Uhr

Grönland: Nato-Staaten besorgt über Pläne von Donald Trump


Donald Trump hat erneut Anspruch auf Grönland erhoben. Ex-Nato-Generalsekretär Stoltenberg warnt vor einer Eskalation, CDU-Politiker Laschet stellt klar: »Die Europäer könnten nicht in einen Krieg gegen die USA ziehen.«

Grönland: Nato-Staaten besorgt über Pläne von Donald Trump

US-Präsident Donald Trump hat erneut mit dem Einsatz von Gewalt zur Übernahme Grönlands von Dänemark gedroht. »Wir werden wegen Grönland etwas unternehmen, ob es ihnen passt oder nicht«, sagte Trump am Freitag im Weißen Haus. »Ich würde gern eine Einigung erzielen, wissen Sie, auf die einfache Art. Aber wenn wir es nicht auf die einfache Art machen (können), werden wir es auf die harte Art machen«, fügte Trump hinzu.

Trump hatte den Besitzanspruch der USA auf die Insel, die zum EU- und Nato-Staat Dänemark gehört, nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela  erneut bekräftigt. Der US-Präsident schließt nach Angaben des Weißen Hauses auch militärische Gewalt nicht aus, um sich Grönland anzueignen.

Donald Trump

Donald Trump

Foto: Brendan Smialowski / AFP

Als Begründung für die Begehrlichkeiten hatte Trump die nationale Sicherheit der USA angegeben; rund um Grönland seien zu viele russische und chinesische Schiffe unterwegs. Doch das ist nicht alles: Wegen des Klimawandels schmilzt die Eisschicht auf Grönland und im Arktischen Meer. Dadurch werden nicht nur mögliche Handelsrouten in der Arktis freigelegt, sondern auch der Zugang zu Bodenschätzen. (Lesen Sie hier mehr über Grönland, Insel der ungehobenen Schätze. )

Grönlands Opposition will verhandeln

Beamte aus Dänemark, Grönland und den Vereinigten Staaten haben vor, sich Mitte Januar erneut zu treffen, um über die Ankündigungen des Weißen Hauses zu sprechen.

Zuletzt sagte die Mehrheit der Grönländer, dass sie nicht Teil der USA werden wollen. Laut einer Umfrage von Anfang 2025  lehnen 85 Prozent der Bevölkerung diese Idee ab. »Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine Dänen sein, wir wollen Grönländer sein«, hieß es daher kürzlich in einer gemeinsamen Erklärung der Vorsitzenden der fünf Parteien im grönländischen Parlament.

Was sich allerdings auch zeigt: Dänemark sammelt Unterstützung, um ein Gebiet zu schützen, dessen Bevölkerung Unabhängigkeit anstrebt und dessen größte Oppositionspartei nun Kopenhagen umgehen und direkt mit Washington verhandeln will.

»Es stimmt, wir stehen nicht zum Verkauf – aber wir sind offen für Geschäfte. Oder wir sollten es sein«, sagte der Oppositionsabgeordnete Pele Broberg von der Naleraq-Partei laut BBC.  »Im Moment sind wir eine Kolonie. Wir werden dazu gebracht, unsere Waren aus Dänemark zu importieren: 4000 Kilometer entfernt, statt aus den USA, die viel näher liegen.«

Unruhe in der Nato

Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat derweil gewarnt, dass eine amerikanische Übernahme Grönlands das Ende der Nato bedeuten würde. CDU-Außenpolitiker Armin Laschet sieht es ähnlich. Er glaube zwar nicht, dass es zu einer militärischen Auseinandersetzung kommen werde, »aber der Druck nimmt zu. Darauf muss sich Europa einstellen«, sagte Laschet der Funke Mediengruppe.

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Auf die Frage, ob Dänemark auf den Beistand der europäischen Partner zählen könnte, wenn es zum Äußersten käme, antwortete Laschet: »Wir müssen den Amerikanern in diplomatischen Gesprächen deutlich machen, dass ein militärisches Vorgehen gegen ein kleines Nato-Land das letzte Vertrauen in die Allianz zerstören würde.« Ein Ende der Nato könne nicht im Interesse Washingtons sein. »Eines ist jedenfalls klar: Die Europäer könnten nicht in einen Krieg gegen die USA ziehen«, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag.

Der frühere Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg hat derweil vor einer Eskalation gewarnt und den Fortbestand der transatlantischen Allianz mit den USA als oberstes Ziel bezeichnet. »Unsere Priorität muss sein, die Nato in ihrer aktuellen Form zu erhalten«, sagte Stoltenberg dem Tagesspiegel vom Samstag. Eine Nato ohne die USA wäre »eine völlig andere Allianz«.

Die »Grönland-Karte«

Grönland liegt auf dem nordamerikanischen Kontinent, gehört politisch und kulturell jedoch seit dem zehnten Jahrhundert zu Europa. Die Insel ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt und sechsmal so groß wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner. Durch die Anbindung an das Königreich Dänemark ist Grönland Teil der Nato.

Während des Kalten Krieges verschaffte Grönlands strategische Lage Dänemark einen überproportionalen Einfluss in Washington. Dies ermöglichte dem Land, geringere Verteidigungsausgaben zu tätigen, als sonst von einem Nato-Verbündeten erwartet würde. Dies wurde als »die Grönland-Karte« bekannt, wie aus einem Bericht des Zentrums für Militärstudien der Universität Kopenhagen von 2017 hervorgeht.

Grönlands Streben nach Selbstbestimmung wird seit 1979 lauter, als die ehemalige Kolonie größere Autonomie und ein eigenes Parlament erhielt. Ein Abkommen von 2009 erkannte ausdrücklich das Recht der Grönländer auf Unabhängigkeit an, falls diese sie wählen. Alle grönländischen Parteien befürworten die Unabhängigkeit, ⁠unterscheiden sich jedoch in der Frage, wie und wann sie erreicht werden soll.

alw/dpa/Reuters