SpOn 21.01.2026
09:52 Uhr

Grönland: Jens Spahn warnt vor zu viel Konfrontation mit Donald Trump


Grönland, Zölle, Beleidigungen: Donald Trumps Attacken brüskieren die Europäer. Unionsfraktionschef Jens Spahn irritierte zuletzt jedoch mit in Teilen verständnisvollen Worten. Nun ruft er zur Zurückhaltung im Umgang mit den USA auf.

Grönland: Jens Spahn warnt vor zu viel Konfrontation mit Donald Trump

Donald Trumps Drohungen gegen Grönland und die geplanten Zölle belasten das transatlantische Verhältnis. Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) hat vor einem zu konfrontativen Kurs gegenüber den USA gewarnt. Er betonte die Bedeutung der USA für die Europäische Union und Deutschland.

»Wir sind in Sicherheitsfragen auf die USA angewiesen«, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk vor dem Auftritt von US-Präsident Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos am Mittwochnachmittag. Spahn verwies auf die Themen nukleare Teilhabe, Ukraine und Russland sowie Geheimdienstinformationen.

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Am Wochenende hatte US-Präsident Trump mehreren europäischen Nato-Staaten mit hohen Strafzöllen gedroht – wegen ihrer Solidarität mit Grönland. Zuvor hatte er seinen Besitzanspruch auf die Insel bekräftigt. Die Europäer suchen eine Antwort auf Trumps Drohungen. Die Europäische Union prüft Gegenzölle in Höhe von 93 Milliarden Euro oder Einschränkungen für amerikanische Unternehmen auf dem europäischen Markt.

Im Interview erklärte Spahn, die USA und die EU seien im Kern gemeinsam stärker. »Und deswegen macht es viel Sinn, zu versuchen, eine Eskalation zu vermeiden. Wenn sie sich nicht vermeiden lässt, muss man vorbereitet sein«, sagte der CDU-Politiker.

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Außerdem mahnte der Fraktionschef, die Europäer müssten trotz des Vorgehens von Trump an der Nato festhalten. »Ich halte es für sehr klug, klar auf die Zolldrohung zu ​reagieren und sich vorzubereiten«, ‌sagt er. »Aber aus der schwierigen Zolldebatte sollten wir nicht gleich auch die Nato infrage stellen.«

Am Dienstag hatte sich Spahn mit deutlichen Worten gegen Trumps Annexionsansprüche auf Grönland und die Zolldrohungen gestellt. »Die Forderungen, die Drohungen von Donald Trump, des US-Präsidenten, sind für uns inakzeptabel«, sagte er gegenüber Reuters. Es sei schwer erträglich, dass der wichtigste Bündnispartner fast gar nicht berechenbar sei. Es sei wichtig, bei Gesprächen immer wieder ⁠zu schauen, ‍ob man doch gemeinsamen Grund mit den USA finden könne.

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Damit reagierte er offenbar auch auf Kritik, zu wohlwollend auf Trump zu schauen. Hintergrund war ein Interview von Spahn mit der »Süddeutschen Zeitung« gewesen. Darin hatte Spahn Verständnis für Trumps Griff nach Grönland geäußert. »Wenn man die Lage Grönlands auf dem Globus anschaut, sind die von den USA gestellten Fragen übrigens nachvollziehbar«, sagte Spahn. Es gehe darum, Grönland gegen andere Mächte wie Russland zu schützen. »Und ja, da hat Donald Trump einen Punkt.«

Das kam auch beim Koalitionspartner SPD gar nicht gut an: »Wer zwischen den Zeilen liest, erkennt bei Spahn durchaus Sympathien für den Kurs von Donald Trump«, sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Adis Ahmetović, dem »Stern« .

Wie Jens Spahn bei einer Personalrochade sein Amt als Unionsfraktionschef verlieren könnte, lesen Sie hier .

tin/dpa/Reuters