Die Erkundungsmission mehrerer Nato-Länder auf Grönland hat begonnen. Etwa 15 französische Soldaten seien bereits in der grönländischen Hauptstadt Nuuk eingetroffen, sagte der französische Botschafter für den Nord- und Südpol, Olivier Poivre d’Arvor, dem Sender France Info. Soldaten der Bundeswehr sollen am Freitag in Grönland eintreffen. Vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen startete ein Transportflugzeug vom Typ A400M mit Soldaten an Bord.
Die Soldaten der Bundeswehr flogen nicht direkt nach Grönland, sondern zunächst ins dänische Karup, wo sich ein großer Luftwaffenstützpunkt befindet. Dänemark hatte nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums angeboten, mit seinem Erkundungsteam und weiteren Partnern am Freitag gemeinsam nach Grönland zu fliegen. Dies werde mit einem zivilen dänischen Flugzeug geschehen, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in Berlin. Und weiter: »Aus unserer Sicht ist der gemeinsame Flug ein starkes Zeichen unserer Geschlossenheit«.
Die Straßen von Nuuk könnten in den kommenden Wochen etwas voller werden
Foto: Evgeniy Maloletka / APDie Bundeswehr hatte am Mittwoch die Entsendung von 13 Soldaten nach Grönland auf Einladung Dänemarks angekündigt. Den Angaben zufolge sollen sie dort die »Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region« erkunden. Dabei gehe es etwa um Fähigkeiten zur Seeraumüberwachung. Auch die Nato-Länder Frankreich, Schweden und Norwegen wollen sich an der Mission beteiligen.
Wenn die Nato die Überwachung der Gewässer rund um Grönland ausbauen will, könnte sich die deutsche Marine zum Beispiel mit ihrem neuen Seefernaufklärer daran beteiligen. Die erste Maschine vom Typ P-8A »Poseidon« wurde erst vor Kurzem in Dienst gestellt. Mit dem Flugzeug ist die Besatzung in der Lage, große Seegebiete zu überwachen, Schiffsbewegungen zu verfolgen und U-Boote zu orten.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius erklärte: »Russland und China nutzen die Arktis zunehmend militärisch und stellen damit die Freiheit der Verkehrs-, Kommunikations- und Handelswege infrage.« Die Nato werde dies nicht zulassen und »auch weiterhin für die regelbasierte internationale Ordnung eintreten«. Entscheidend bei der Erkundungsmission sei eine enge Abstimmung »innerhalb der Nato, insbesondere mit unseren US-Partnern«, fügte Pistorius hinzu.
Ein Krisengespräch zwischen den USA, Dänemark und Grönland hatte am Mittwoch keine Lösung im Konflikt um die Besitzansprüche der USA auf die Insel gebracht.
- Drohungen der US-Regierung: Linkenchef van Aken fordert deutsches Konsulat auf Grönland
- Inoffizieller Grönlandgipfel: Hinter verschlossenen Türen drohen die Amerikaner genauso wie Trump auf offener Bühne Aus Washington und Nuuk berichten Britta Kollenbroich, Katrin Kuntz und Jan Petter
- Eindrücke vor Ort: Wie geht es den Grönländern? Von Jan Petter und Luana Partimo
US-Präsident Donald Trump hatte kurz vor dem Treffen am Mittwoch, an dem er nicht teilnahm, nochmals bekräftigt, die Insel übernehmen zu wollen. Grönland sei für den Aufbau des US-Raketenabwehrschirms »Golden Dome« von entscheidender Bedeutung, schrieb Trump in seinem Onlinedienst Truth Social.
Trump hatte seinen Anspruch in den vergangenen Tagen auch geopolitisch begründet: »Wenn wir Grönland nicht nehmen, werden es Russland oder China tun, und das werde ich nicht zulassen«, sagte er. Der US-Präsident schloss dabei auch militärische Mittel nicht aus.
Bei den europäischen Nato-Partnern löste dies massive Sorgen um die Zukunft der Verteidigungsallianz aus. Grönland gehört als autonomes Gebiet zu Dänemark, das wie die USA Teil der Nato ist. Eigene Streitkräfte hat die Arktisinsel nicht.
Der inoffizielle Grönlandgipfel in Washington eskaliert nicht – schon das ist ein Erfolg. Die Hoffnungen ruhen nun auf einer Truppeninitiative der Europäer. Lesen Sie hier mehr.

