Die USA wollen nach Angaben von Präsident Donald Trump ein Lazarettschiff nach Grönland schicken und riskieren damit neue Spannungen im Verhältnis zum Nato-Partner Dänemark.
Es solle bei der Versorgung von Kranken helfen, die auf der Arktisinsel keine Hilfe bekämen, schrieb Trump in einem Post auf seiner Plattform Truth Social. »Es ist auf dem Weg!!!« Er sprach von einem »tollen« Schiff, nannte ansonsten aber keine weiteren Einzelheiten.
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— The White House (@WhiteHouse) February 22, 2026
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Trumps wiederholte Drohungen, die zum Königreich Dänemark gehörende und strategisch bedeutende Insel notfalls auch mit Gewalt zu annektieren, hatten in den vergangenen Wochen zu Verwerfungen zwischen Europa und den USA geführt.
Die US-Marine verfügt über zwei große Lazarettschiffe. In der Vergangenheit wurden die schwimmenden Krankenhäuser etwa nach Naturkatastrophen wie massiven Erdbeben oder verheerenden Hurrikans für Hilfseinsätze in betroffene Gebiete verlegt. In der Hochphase der Coronapandemie kamen sie zeitweise auch in US-Häfen zum Einsatz. Die Lazarettschiffe haben nach Angaben der Marine eine Kapazität von jeweils rund tausend Krankenhausbetten, davon 80 Betten auf der Intensivstation.
Navy-Lazarettschiffe von innen: Kapazität von 1000 Krankenhausbetten
Foto: ALEX WONG/ AFPAuf dem riesigen Gebiet Grönlands leben nur knapp 57.000 Menschen. Zuletzt gab es keine Berichte über einen großen medizinischen Bedarf dort, der die Entsendung eines Lazarettschiffs als nötig erscheinen ließe.
Wurden Dänemark und Grönland vorab gefragt?
Es blieb zunächst auch unklar, ob die laut Trump geplante Entsendung des Lazarettschiffs mit Dänemarks Regierung oder der im weitgehend autonomen Grönland abgestimmt war.
Auch der Zeitrahmen der Verlegung blieb unklar: Einerseits schrieb Trump, dass das Schiff bereits unterwegs sei, andererseits dauert es normalerweise einige Zeit, ein Lazarettschiff mit voller Personalstärke auszustatten. Im Regelbetrieb, wenn die Schiffe vor Anker liegen, befindet sich nur eine minimale Besatzung an Bord.
Europäische Länder wie Deutschland, Großbritannien und Frankreich haben sich im Konflikt mit den USA hinter Dänemark und Grönland gestellt. Die Regierungen in Kopenhagen und Nuuk lehnen eine Annexion durch die Vereinigten Staaten entschieden ab. Inzwischen haben sie Gespräche mit Trumps Regierung aufgenommen – mit dem Ziel, einen Kompromiss zu finden.
US-Matrose von dänischen Streitkräften aus U-Boot evakuiert
Zugleich gab es am Abend einen Bericht, wonach ein Matrose der U.S. Navy von dänischen Streitkräften aus einem U-Boot der USA evakuiert wurde, um medizinisch versorgt zu werden. Das berichteten unter anderem »ABC News« und die Nachrichtenagentur Reuters. Das amerikanische U-Boot unterbrach demnach seine Mission und tauchte ungewöhnlich nahe vor Grönlands Hauptstadt Nuuk auf. Ein seltener Schritt der US-Armee, die normalerweise heimlich unter Wasser operiert und selbst grobe Positionsangaben vermeidet.
Die Art der medizinischen Notlage war auch am späten Abend unklar. Der Matrose wird nun im Krankenhaus der grönländischen Hauptstadt behandelt. Die Gewässer um Grönland sind strategisch entscheidend, mit Engpässen zwischen Russland, Europa und Nordamerika, die durch schmelzendes Eis zugänglicher werden – China strebt dort ebenfalls an, seinen Einfluss auszubauen.
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In Grönland ist neben öffentlichen Gesundheitseinrichtungen in der Fläche das Krankenhaus Königin Ingrid in der Hauptstadt Nuuk für kompliziertere Fälle zuständig. In Einzelfällen werden Patienten für aufwendigere Eingriffe auch aus Grönland nach Dänemark ausgeflogen.
