Wenige Stunden vor einem Treffen der Außenminister Grönlands, Dänemarks und der USA im Weißen Haus unterstreicht Kopenhagen seinen Anspruch auf die Insel im Nordatlantik. Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen kündigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP eine Verstärkung der dänischen Militärpräsenz auf der Insel an.
»Wir werden aber auch innerhalb der Nato auf mehr Übungen und eine verstärkte Präsenz der Nato in der Arktis drängen«, sagte Lund Poulsen demnach. Dänemark führe mit seinen Verbündeten Gespräche »über neue und verstärkte Aktivitäten im Jahr 2026«.
Grönland steht derzeit im Fokus internationaler Politik. US-Präsident Donald Trump erhebt immer vehementer Anspruch auf die Insel und schloss zuletzt auch den Einsatz militärischer Gewalt nicht aus. »Es handelt sich um eine sehr kleine Bevölkerung, aber ein sehr, sehr großes Stück Land, das für die militärische Sicherheit sehr, sehr wichtig ist«, sagte Trump. Und er fügte hinzu: »Ich glaube, wir werden es bekommen – so oder so, wir werden es bekommen.« Die USA unterhalten auf Grönland bereits die Militärbasis Pituffik.
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Dänemarks Militär ist auf der sehr großen, aber nur dünn besiedelten Insel mit geringer Truppenstärke vertreten. Neben dem Hauptquartier des Gemeinsamen Arktiskommandos in der Hauptstadt Nuuk gibt es nach Angaben des dänischen Verteidigungsministeriums kleinere Außenposten entlang der Ostküste der Insel. Offizielle Angaben zur Zahl der dänischen Soldaten auf Grönland gibt es nicht.
Grönland liegt am westlichen Rand des strategisch wichtigen nördlichen Seezugangs zum Atlantik. Die Passage, in der auch die Nato-Mitglieder Island und das Vereinigte Königreich (UK) liegen, wird als GIUK-Lücke bezeichnet.
Bundesregierung für stärkere Nato-Präsenz
Auch die Bundesregierung hatte sich zuletzt für eine stärkere Nato-Präsenz in der Arktis ausgesprochen. In der Region seien verstärkte Aktivitäten Russlands und Chinas zu beobachten, sagte Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) am Dienstag dem ZDF. »Damit muss man umgehen«, sagte er. »Und das kann man im Nato-Rahmen gut lösen.« »Was wir militärisch ganz genau machen, das müssen wir erst einmal miteinander beraten«, fügte Wadephul hinzu. Es gehe darum, »in verschiedenen Dimensionen da jetzt eine neue Präsenz zu zeigen (...). Das fängt im Wasser an, aber dazu gehören selbstverständlich auch Stationen an Land auf Grönland möglicherweise und natürlich auch Aktivitäten in der Luft.«
Ähnlich äußerte sich Boris Pistorius in der »Zeit«: Er teile zwar die Einschätzung, wonach die »dominante Rolle Russlands« in der Arktis sowie die »schnell wachsende chinesische Marine« die Sicherheit im Nordatlantik gefährde. Eine nachhaltige Antwort könne für Washington jedoch nicht sein, »Grönland unter gravierender Verletzung der Grundprinzipien des internationalen Miteinanders zu annektieren«, so Pistorius.
Die dänische und die grönländische Regierung lehnten die Übernahmepläne der USA entschieden ab. Am Mittwoch kommen Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen und seine grönländische Kollegin Vivian Motzfeldt zu einem Gespräch mit US-Vizepräsident JD Vance und US-Außenminister Marco Rubio im Weißen Haus zusammen.
