SpOn 15.01.2026
11:48 Uhr

Grönland: Bundeswehr entsendet 13 Soldaten zur Unterstützung Dänemarks


Das Team soll zusammen mit anderen europäischen Nationen drei Tage lang die Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks erkunden. Es könnte bald mehr folgen.

Grönland: Bundeswehr entsendet 13 Soldaten zur Unterstützung Dänemarks

Die Soldaten sollen sich auf Einladung Dänemarks vom 15. bis 17. Januar an einer multinationalen Erkundungsmission beteiligen, wie das Bundesverteidigungsministerium am Montagabend in Berlin schriftlich mitteilte. Ziel sei es zu sondieren, wie andere europäische Nationen das Königreich bei der »Gewährleistung der Sicherheit in der Region« unterstützen können, beispielsweise für Fähigkeiten zur Seeraumüberwachung. Die Bundeswehr flog dafür am Donnerstagmorgen mit einem Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M die Soldaten nach Karup in Dänemark.

Anders als am Mittwochabend angekündigt sollen sie zusammen mit Soldaten anderer Nationen an diesem Freitag mit einer zivilen dänischen Maschine weiter nach Nuuk fliegen, die Hauptstadt Grönlands. Konkrete Fähigkeitsbeiträge stehen laut dem Verteidigungsministerium noch nicht im Fokus. Der Auftrag sei, grundlegende Erkenntnisse zu den Rahmenbedingungen vor Ort für Einsatz- und Übungsmöglichkeiten zu erheben. Ziel sei, dass »wir uns ein fundiertes Bild vor Ort verschaffen, für weitere Gespräche und Planungen innerhalb der Nato«.

Deutsche Soldaten hatten sich bereits im September des vergangenen Jahres an einer Nato-Mission in Grönland beteiligt. Die Operation »Atlantic Bear« sollte damals zeigen, dass sich die Nato stärker um die Seeregion rund um die Insel engagiert. Im August legte deswegen der Einsatzgruppenversorger »Berlin« in Nuuk an, auch die Fregatte »Hamburg« war an dem Manöver beteiligt.

Allerdings gewinnt die neuerliche Entsendung an symbolischer Bedeutung durch den Streit zwischen den USA und Dänemark. US-Präsident Donald Trump erhebt Besitzansprüche auf Grönland, das mit Dänemark assoziiert ist. Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen sagte nach einem Treffen in Washington mit US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio, es gebe weiterhin »grundlegende Meinungsverschiedenheiten« mit den USA über die Zukunft Grönlands. Die Einladung aus Dänemark erging nach SPIEGEL-Informationen am Mittwoch; die Bundesregierung entschloss sich dann, prompt darauf zu reagieren.

U-Boot-Jäger im Anflug: Die Bundeswehr hat in den USA acht Maschinen P8-A Poseidon geordert, hier eine indische Maschine desselben Typs. Eine wurde im Oktober übergeben

U-Boot-Jäger im Anflug: Die Bundeswehr hat in den USA acht Maschinen P8-A Poseidon geordert, hier eine indische Maschine desselben Typs. Eine wurde im Oktober übergeben

Foto: Rob Edgcumbe / imago images/StockTrek Images

Die Nato hält die Seewege nördlich und südlich von Grönland für strategisch extrem wichtig, da durch sie sowohl die Routen für die Entsendung von US-Truppen auf dem Weg nach Europa sowie mögliche Routen von russischen U-Booten und der Nordmeerflotte in den Nordatlantik führen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte die Region, die sogenannte »GIUK-Lücke« am Montag bei einem öffentlichen Auftritt als extrem wichtig genannt. Die Abkürzung bezeichnet das Seegebiet zwischen Grönland, Island und dem Vereinigten Königreich.

Bei den Aktivitäten in Grönland war laut Bundeswehrkreisen schon damals eine kleine Gruppe von deutschen Gebirgsjägern involviert. Die Soldaten sind speziell für Einsätze im Hochgebirge und bei extrem niedrigen Temperaturen ausgebildet und ausgerüstet. Über das Erkundungskommando hinaus gibt es noch keine Festlegung auf weitere Entsendungen, heißt es von Verteidigungspolitikern in Berlin.

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte während seiner Indienreise eine stärkere deutsche Präsenz am Polarkreis in Aussicht gestellt. Man sei darüber mit Dänemark im Gespräch. »Wir teilen die amerikanischen Besorgnisse, dass dieser Teil Dänemarks besser geschützt werden muss«, sagte der Kanzler und fügte an, man wolle »einfach die Sicherheitslage für Grönland gemeinsam verbessern«. Er gehe davon aus, dass die Amerikaner sich auch daran beteiligen würden.

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Art und Umfang der Präsenz hatte Merz offengelassen. Zunächst ist offenbar an weitere gemeinsame Übungen gedacht. Dahingehend äußerte sich auch Schwedens Ministerpräsident Ulf ⁠Kristersson. Auf dem Kurznachrichtendienst X teilte er mit, noch an diesem Mittwoch würden einige schwedische Offiziere auf Grönland eintreffen. »Gemeinsam bereiten sie die nächsten ​Schritte im Rahmen der dänischen Übung »Operation Arctic Endurance« ‌vor«, schrieb Kristersson weiter.

Pistorius hatte bereits am Dienstag in Aussicht gestellt, dass sich die Bundeswehr an einer möglichen Nato-Mission zur Absicherung der Seewege rund um Grönland beteiligen könnte. Er machte klar, dass es bei einer solchen Operation vor allem darum gehe, die Seerouten zu schützen, da sowohl Russland und China ein Auge auf diese Region geworfen hätte. Eine solche Mission, betonte Pistorius, würde in enger Abstimmung mit Dänemark, aber auch mit den USA geplant.

Mit der verstärkten Aktivität rund um Grönland wollen die europäischen Nato-Partner und Kanada vor allem ein Zeichen an US-Präsident Donald Trump senden. Dieser hatte mehrfach angekündigt, er wolle Grönland übernehmen, da die Rieseninsel und die Seewege rundherum strategisch extrem wichtig, aber nicht gut genug geschützt seien. Nun wollen die anderen Nato-Partner Trump beschwichtigen und ihm zeigen, dass sie die US-Sorgen ernst nehmen.

Pistorius skizzierte bereits in etwa, wie die Mission aussehen soll. »Es geht um Überwachung, es geht um Patrouillen, es geht um Sehen, was passiert, unter und über Wasser und in der Luft«, sagte Pistorius in Berlin. Ebenso sei es wichtig, dass die Nato mehr Präsenz zeige. Regelmäßige Übungen sollten zeigen, so Pistorius, dass die Nato in der Region aktiv ist. »Es geht darum, zu zeigen, dass wir da sind«, sagte der Verteidigungsminister. Natürlich werde Deutschland dabei eine Rolle spielen.

Bei der Bundeswehr gelten zwei Optionen als realistisch, um einen Beitrag zur Sicherheit im hohen Norden zu leisten. Zum einen könnten Seefernaufklärer der Marineflieger zeitweise in die Region verlegt werden und dort Patrouillenflüge absolvieren. Die Bundeswehr hatte im Oktober die erste von acht bestellten Maschinen des Typs P-8A Poseidon  beim Hersteller in den USA übernommen.

Die Flugzeuge, die auf einer Variante der Boeing 737 basieren, sind zur Seeraumüberwachung und zur U-Boot-Jagd ausgelegt. Die Bundeswehr hat im Zuge der Nato-Militärplanung ohnehin zugesagt, Fähigkeiten zur U-Boot-Jagd im Nordatlantik bereitzustellen. Üblich sind im Zuge multilateraler Missionen temporäre Entsendungen und Rotationen zwischen unterschiedlichen beteiligten Ländern. Dänemark will selbst bis zu drei »Poseidon« beschaffen; die USA hatten dem kurz vor dem Jahreswechsel zugestimmt.

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Auch gilt eine vorübergehende Entsendung einer deutschen Fregatte in das Seegebiet als eine Option. Allerdings stößt die Marine dabei schnell an Kapazitätsgrenzen, da auch in der Ostsee verstärkt Kriegsschiffe präsent sein sollen. Die Fregatte »Sachsen« war vergangenen Woche von Wilhelmshaven zu einem auf sechs Monate angelegten Einsatz im Rahmen der Nato in See gestochen.

Sie schließt sich einem der stehenden Marine-Eissatzverbände der Allianz an, der sogenannten Standing Nato Maritime Group 1, die Seewege und kritische Infrastruktur im Nordatlantik, in der Nordsee und in der Ostsee schützen soll. Von einer dauerhaften Stationierung deutscher Soldaten auf Grönland ist bislang keine Rede. Die hatte der Chef des Reservistenverbandes, Patrick Sensburg, ins Spiel gebracht.

Grüne begrüßen Bundeswehrmission in Grönland

Die Grünen begrüßen die Entsendung eines Erkundungsteams der Bundeswehr nach Grönland. »Das ist ein starkes Symbol«, sagte die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen, Sara Nanni, der »Rheinischen Post« . Wichtig sei jedoch, »dass diese militärische Geste der Solidarität mit Dänemark durch handfeste diplomatische Drohungen Richtung Weißes Haus ergänzt werden. Nur dann kann man Trump von seinem Wahnsinn abhalten«, so Nanni.

Bundeskanzler Friedrich Merz müsse klarmachen, dass es Konsequenzen für die USA hätte, wenn diese weiter am Zusammenhalt in der Nato zündelten, indem sie die territoriale Integrität eines Mitgliedstaats infrage stellten.

Auch die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), sagte laut Bericht: »Dies ist genau die richtige europäische Initiative, um dem Weißen Haus unmissverständlich klarzumachen, dass wir an der Seite Grönlands beziehungsweise Dänemarks stehen.«

Anmerkung der Redaktion: Das Bundesverteidigungsministerium hatte am Mittwochabend zunächst angekündigt, die deutschen Soldaten am Donnerstag direkt mit einem deutschen Militärtransporter vom Typ A400 M nach Nuuk zu fliegen. Am Donnerstagmorgen teilte das Ministerium mit, dass die Soldaten nun nach Karup in Dänemark gebracht werden, um von dort mit den Anordnungen anderer Länder gemeinsam mit einer zivilen dänischen Maschine nach Nuuk gebracht zu werden. Wir haben den Text entsprechend aktualisiert.

lph/dpa