Die Grippesaison beginnt in diesem Jahr besonders früh. Mehrere Behörden und Verbände raten deswegen dazu, sich schnell impfen zu lassen. Wie die »Süddeutsche Zeitung« berichtet, drängen Intensivmediziner sogar auf eine Ausweitung der Impfempfehlung auf alle Menschen ab sechs Monaten.
Demnach forderte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Florian Hoffmann, auf dem Divi-Jahreskongress, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) eine entsprechende Empfehlung aussprechen soll. Eine Pressekonferenz soll am Donnerstagnachmittag stattfinden.
Derzeit empfiehlt die Stiko die Grippeimpfung lediglich für Menschen ab 60 Jahren und Risikogruppen. Laut dem Bericht geht aus Divi-Daten hervor, dass in der vergangenen Grippesaison viele Kinder schwer an Influenza erkrankt sind, darunter viele ohne Vorerkrankungen.
Dem Bericht zufolge seien von Januar bis Mai etwa 135.000 Menschen wegen der Grippe im Krankenhaus behandelt worden, darunter knapp 30.000 Minderjährige. 500 Kinder und Jugendliche mussten demnach beatmet werden, 82 seien gestorben.
Nicht nur die Divi warnt vor der Grippesaison. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC berichtete bereits am 20. November von einer besonders frühen Grippesaison, Menschen sollten sich unverzüglich impfen lassen, hieß es. Demnach treibe eine neu aufgetauchte Influenza-Variante, A(H3N2) der Subklade K, die derzeitige Virusverbreitung voran.
Umstrittener Vorstoß
Der Vorstoß der Divi ist aber umstritten. Die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), Nicole Töpfner, sagte der »Süddeutschen Zeitung«, die meisten gesunden Kinder und Jugendlichen überstünden eine Grippe gut. Eine allgemeine Impfempfehlung für alle halte die DGPI deshalb für nicht zwingend.
Wie es in dem Bericht weiter heißt, reagierte die Stiko zunächst zurückhaltend auf den Vorstoß der Divi. Man befinde sich bei der Grippewelle im erwartbaren Rahmen und bewerte die verfügbaren Daten so schnell wie möglich.
