SpOn 20.11.2025
17:33 Uhr

Greenpeace entdeckt Schadstoffe in Shein-Kleidung


Laut einer Greenpeace-Untersuchung fanden sich in Kleidung und Schuhen der Plattform Shein Chemikalien über EU-Grenzwerten. Besonders auffällig: Ein Kinderkostüm, das vermutlich 2022 schon durchfiel.

Greenpeace entdeckt Schadstoffe in Shein-Kleidung

Ein neuer Greenpeace-Report  bescheinigt 18 von 56 Kleidungsstücken oder Schuhen von Shein Probleme mit Chemikalien. Die Produkte wurden der Organisation zufolge in acht Ländern der Welt gekauft. Von den 42 in der EU gekauften Produkte überschritt demnach ein Drittel die zulässigen Grenzwerte gemäß der Chemikalienverordnung REACH, darunter auch Kleidung für Kinder.

In zu hohen Mengen nachgewiesen wurden laut Greenpeace die Weichmacher Phthalate, die »Ewigkeitschemikalien« PFAS sowie weitere Chemikalien.

Bereits 2022  hatte die Umweltorganisation Shein-Kleidung in einem Prüflabor testen lassen, damals waren 15 Prozent der Kleidungsstücke mit Chemikalien oberhalb der Grenzwerte belastet. Der Anteil hat sich den aktuellen Testergebnissen zufolge also mehr als verdoppelt.

Shein teilte auf SPIEGEL-Anfrage mit, die Firma nehme Produktsicherheit sehr ernst. Die Testergebnisse von Greenpeace habe Shein nicht vorab erhalten und deshalb bislang nicht prüfen können. Die Artikel seien aber als Vorsichtsmaßnahme zunächst aus dem Verkauf genommen worden. Der Sachverhalt werde geprüft.

Shein teilte weiter mit, man verpflichte sich sowie alle Verkäufer auf der Plattform, den Kunden sichere und konforme Produkte anzubieten. Dafür arbeite man auch mit international anerkannten Prüfstellen zusammen. Einige der von Greenpeace bemängelten Produkte seien außerdem weiter auf anderen großen E-Commerce-Plattformen verfügbar.

Kleidung und Schuhe von Shein

Kleidung und Schuhe von Shein

Foto: Jana Kuehle / Greenpeace

Shein ist seit 2022 stark gewachsen. Der Umsatz stieg von 23 Milliarden Dollar auf zuletzt 38 Milliarden Dollar im Jahr 2024.

Für den aktuellen Test bestellte Greenpeace nach eigenen Angaben zwischen Mai und Juni 2025 insgesamt 56 Kleidungsstücke aus den Ländern Deutschland, Österreich, Portugal, Spanien, Schweden, der Schweiz, Israel und Thailand heraus. Darunter waren Schuhe, Kleider, Oberbekleidung und Pyjamas für Erwachsene sowie 17 Artikel für Kinder. Die meisten Teile (26) wurden in Deutschland gekauft.

Fiel ein Kinderkostüm bereits 2022 negativ auf?

Besonders auffällig war laut Greenpeace ein in Deutschland bestelltes Kinderkostüm bestehend aus einem Kleid mit glitzernder Korsage und blau-lilanem Tüllrock sowie einer passenden blauen Tiara. In einem sehr ähnlich aussehenden Kostüm hatte Greenpeace 2022 Formaldehyd in einer Konzentration über dem Grenzwert gefunden. Shein hatte das Angebot daraufhin von der Plattform entfernt.

Das nun getestete Kostüm überschritt laut Greenpeace den Formaldehyd-Grenzwert um rund das 3,5-fache und sah dem alten Kostüm zum Verwechseln ähnlich. Es scheint möglich, dass das Kostüm seinen Weg wieder zurück auf die Plattform gefunden hat.

Kleidung von verschiedensten Marken landet auf riesigen Müllhalden im Globalen Süden, wie hier in Ghana

Kleidung von verschiedensten Marken landet auf riesigen Müllhalden im Globalen Süden, wie hier in Ghana

Foto: Kevin McElvaney / Greenpeace

Formaldehyd kann DNA-Schäden verursachen, die zu Krebs und Erbkrankheiten führen können. Außerdem ist die Chemikalie haut-, augen- und atemwegsreizend. Die Modeindustrie nutzt sie, um Kleidung knitterfrei und formstabil zu halten.

Outdoorjacke überschreitet PFAS-Grenze um das 3300-fache

Zusätzlich überschritten sieben Outdoorjacken laut Greenpeace die in der EU zulässigen Konzentrationen für PFAS – eine sogar um das 3300-fache. Fünf Jacken davon wurden demnach in der EU bestellt.

PFAS können sich in der Umwelt und teilweise im Körper anreichern und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Sie werden aber in vielen Alltagsprodukten eingesetzt, unter anderem in beschichteten Pfannen, Computerchips und Maschinen für Herzoperationen.

Lesen Sie hier mehr  über PFAS und warum es so schwer ist, die Chemikalien zu verbannen.

Die Modeindustrie nutzt PFAS, damit besonders Outdoorkleidung wasser-, öl- und schmutzabweisend wird.

In 14 Produkten, davon 10 in der EU bestellt, lag die Phthalate-Konzentration Greenpeace zufolge um bis zu 200-fach über dem REACH-Grenzwert. Phthalate sind Weichmacher, die bei Menschen das Hormonsystem stören und unter anderem das Wachstum von Kindern beeinträchtigen können.

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In der Innensohle einer in Deutschland bestellten Sandale wurde laut Greenpeace mehr als das Doppelte der in der EU zulässigen Blei-Menge gemessen.

Ende Oktober hatte bereits die Stiftung Warentest giftige Schwermetalle in Angeboten von Temu und Shein gefunden.

Greenpeace fordert Anti-Fast-Fashion-Gesetz

»Unsere Ergebnisse unterstreichen: Sheins freiwillige Selbstverpflichtung ist wertlos«, kommentiert Moritz Jäger-Roschko, Greenpeace-Experte für Kreislaufwirtschaft. »Um die Kleiderflut aufzuhalten und Hersteller endlich in die Verantwortung zu nehmen, braucht es ein starkes Anti-Fast-Fashion-Gesetz.«

Der französische Senat hat im Sommer ein solches Gesetz  auf den Weg gebracht. Auf Billigprodukte von Shein, Temu und AliExpress sollen in Frankreich bald je fünf Euro Gebühr anfallen. Diese Anbieter dürfen außerdem nicht für Fast Fashion werben. Verbraucher- und Umweltschützer kritisieren allerdings, dass das Gesetz nur die China-Anbieter ins Visier nimmt und nicht auch europäische Fast-Fashion-Konzerne.

Die EU plant unterdessen eine Abgabe in Höhe von zwei Euro pro Paket für Drittstaaten-Plattformen und will die Zollfreigrenze abschaffen. Das bedeutet, dass womöglich schon im kommenden Jahr auf Pakete mit einem Warenwert von weniger als 150 Euro aus Drittstaaten Zoll anfällt. Der Vorteil des Direktversands aus chinesischen Fabriken direkt an Endkunden entfiele dann.