Die für die Bundesregierung tätige Monopolkommission hat Missstände beim derzeitigen Glasfaserausbau in Deutschland kritisiert. »Es besteht die Gefahr, dass die ehemaligen Staatsmonopolisten wieder dominant werden«, warnt Tomaso Duso, Vorsitzender des unabhängigen Beratergremiums.
Aktuell streiten die Deutsche Telekom und die Konkurrenten über die Abschaltung des Kupfernetzes. Insbesondere Glasfaseranbieter werfen dem Magenta-Konzern vor, durch Vermarktungsstopps DSL-Anschlüsse bevorzugt dort abzuschalten, wo er eigene Glasfaseranschlüsse anbieten kann. Wo hingegen Konkurrenten ausbauten, blieben die VDSL-Anschlüsse aktiv, was die Nachfrage nach den Glasfaseranschlüssen nach Auffassung der Telekom-Kritiker behindere.
DSL soll verschwinden
Die Monopolkommission geht auch mit der Bundesnetzagentur hart ins Gericht: Diese solle von einer »moderierenden in eine handelnde Rolle« übergehen. Zwar hat Bundesdigitalminister Karsten Wildberger mittlerweile einen Prozess zur Abschaltung der vergleichsweise ineffizienten Technik in Gang gebracht, noch ist aber unklar, wann und wo die alten DSL-Anschlüsse tatsächlich stillgelegt werden.
Die Monopolkommission warnt davor, den ehemaligen Staatsmonopolisten in der jetzigen Umstellungsphase von den Auflagen zu befreien, wie es die EU-Kommission mit dem Digital Networks Act plant. Unternehmen mit großer Marktmacht müssten bis auf Weiteres stärker reguliert werden.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Zusammenschaltung von Netzen. Im Prinzip können verschiedene Provider ihre Kunden über das gleiche Glasfasernetz versorgen, dazu müssen die Unternehmen ihre Infrastrukturen allerdings zusammenschalten. Wie das Beratungsunternehmen BearingPoint vor Kurzem feststellte, steht Deutschland in der Beziehung hinter europäischen Nachbarländern zurück. Die Monopolkommission fordert deshalb, dass die Bundesnetzagentur verbindliche Standards setzt. Mehr dazu lesen Sie hier.
Vier Glasfasern in jeder Wohnung
Anders als die Telekom-Konkurrenten sieht das Beratergremium jedoch kein Problem mit dem sogenannten Überbau , also dem kostenaufwendigen Errichten mehrerer Glasfasernetze am gleichen Standort. Stattdessen wollen die Experten die Wahlfreiheit der Kunden stärken. »Jede Wohnung sollte mit mindestens vier Fasern eines Glasfaserkabels ausgestattet werden«, fordert Duso.
Die einzelnen Fasern könnten von verschiedenen Anbietern genutzt werden, sodass sich Anbieter nicht auf der Glasfaser eines anderen Unternehmens einmieten müssen. Von einer solchen Maßnahme erhoffen sich die Experten einen verschärften Wettbewerb und fallende Preise.
Das Beratergremium erteilte auch anderen Plänen der Deutschen Telekom eine Absage. Der deutsche Marktführer bemüht sich derzeit, mit anderen europäischen Telekom-Konzernen eine neue Einnahmequelle zu erschließen: Unternehmen wie Netflix, Meta, Apple und Microsoft sollen für den Datenverkehr bei den Providern bezahlen, eine Streitbeilegungsstelle solle verbindliche Tarife dafür festlegen. »Beide Seiten brauchen einander und verhandeln auf Augenhöhe«, sagt Duso. Zusätzliche Zahlungen seien nur gerechtfertigt, wenn sie das Ergebnis kommerzieller Verhandlungen seien. Bereits vor mehr als 10 Jahren war die Telekom mit ähnlichen Plänen gescheitert .
Anmerkung der Redaktion: Eine Formulierung in einer früheren Fassung des Artikels konnte so verstanden werden, dass die Telekom bereits bestehende DSL-Anschlüsse kündigt, tatsächlich geht es bei den Vorwürfen um Vermarktungsstopps. Wir haben die Textstelle präzisiert.
