Geschlossene Schulen und Verkehrsbehinderungen: In weiten Teilen Deutschlands soll es am Montag durch gefrierenden Regen gefährlich glatt werden. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte, bringt Tief »Gunda« von Westen her Schnee und später Regen, der bei eisigen Temperaturen in der Luft oder auf dem Boden gefriert. Folge sei »eine überregional unwetterartige Glatteis-Lage«, sagte DWD-Meteorologe Oliver Reuter.
Über die großen Ballungsgebiete in Nordrhein-Westfalen zog die Warmfront bereits in der Nacht hinweg, als auf den Straßen noch fast nichts los war. In Köln, Düsseldorf und Duisburg gab es den stärksten Regen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gegen drei Uhr. Anschließend zog der Regen weiter nach Osten. Starken Niederschlag gab es etwa in Frankfurt am Main, Stuttgart und Hannover. Überall traf der Regen auf gefrorene Böden.
Winterdienste im Großeinsatz
Die Winterdienste waren im Großeinsatz. Man habe in mehreren Schichten die ganze Nacht hindurch vorbeugend Salz gestreut, teilten die für den Winterdienst in Köln zuständigen Abfallwirtschaftsbetriebe mit. So sollte verhindert werden, dass sich auf den Hauptverkehrsstraßen der Domstadt Glatteis bildet.
Der ADAC empfahl, auf unnötige Autofahrten zu verzichten. Gerade bei Blitzeis solle man das Auto lieber stehen lassen, warnte ein Sprecher. Im Berufsverkehr ging es auf mehreren Autobahnen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nur sehr langsam voran.
Auf der Autobahn 46 im Sauerland hat gefrierende Nässe zu mehreren Unfällen geführt. Bei Iserlohn geriet nach ersten Informationen ein Sattelschlepper ins Rutschen. Ein Auto prallte in den Auflieger. Die Polizei warnte vor Ort vor Glätte. Die Autobahn wurde in Richtung Hemer für die Bergungsarbeiten gesperrt.
Auch rund um das Autobahnkreuz Olpe kam es auf der A4 und der A45 zu mehreren Unfällen. In Ostwestfalen ging es wegen des gefrierenden Regens etwa auf der A44 Richtung Kassel nur sehr langsam voran.
Flugausfälle und Verspätungen
Am Flughafen in Frankfurt am Main wurden am Morgen wegen Glätte und Schnee zahlreiche Flüge gestrichen. Von den im Tagesverlauf geplanten 1052 Flügen seien 98 annulliert, sagte eine Sprecherin des Flughafenbetreibers Fraport der Nachrichtenagentur dpa. Die Zahl könne im Tagesverlauf noch steigen.
Der Flughafen starte mit einem »angespannten Winterbetrieb« in den Tag. Man rechne mit erheblichen Beeinträchtigungen. Der Winterdienst sei im Einsatz, auch das Rollfeld müsse geräumt werden. Auf den Parkpositionen der Flugzeuge seien 34 Fahrzeuge zur Enteisung der Maschinen im Einsatz.
Die Passagiere würden dringend gebeten, rechtzeitig vor ihrer Reise ihren Flugstatus zu prüfen und für die Anreise entsprechend der Wetterlage mehr Zeit einzuplanen. Zudem sollten sie mindestens drei Stunden vor Abflug am Terminal am Frankfurter Flughafen sein, so die Sprecherin. Der Deutsche Wetterdienst hatte für den Tag eine Unwetterwarnung vor Glatteis für Teile Hessens und mehrere weitere Bundesländer herausgegeben.
Auch in den Flughäfen in Bayern haben Airlines Flüge wetterbedingt gestrichen. »Aktuell liegen uns 15 Annullierungen bei 736 geplanten Flugbewegungen aufgrund der Wetterlage vor«, teilte ein Sprecher des Flughafens München mit. Am Airport Nürnberg waren für Montag 69 Starts und Landungen geplant – davon waren am Vormittag bereits vier annulliert.
Beeinträchtigungen bei der Bahn
Die Deutsche Bahn rechnet angesichts der angekündigten Glatteis-Lage am Montag mit Einschränkungen im Betrieb und mit Verspätungen. Man habe »vorsorglich die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf einzelnen Schnellfahrstrecken reduziert«, hieß es auf der Website der Bahn.
Betroffen seien zunächst die Abschnitte zwischen Hannover und Frankfurt, Wolfsburg und Berlin sowie Köln und Frankfurt. Dadurch könne es zu Verspätungen und Anschlussverlusten kommen. Alle ICE-Züge zwischen Berlin und Frankfurt würden zudem nicht in Braunschweig und Hildesheim halten, so die Bahn.
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Insgesamt habe man einen guten Betriebsstart am Morgen erlebt, sagte eine Sprecherin. Im Norden könne es noch zu Teilausfällen im Regionalverkehr kommen. »Insgesamt gibt es bisher keine größeren Störungen durch Glätte und Eisregen.« Punktuell komme es kurzzeitig zu Beeinträchtigungen, die die Bahn-Mitarbeiter bislang aber schnell erledigen konnten. Bei den Bahnunternehmen Metronom und Enno fallen am Morgen in Niedersachsen und Hamburg einige Züge aus, wie die Unternehmen auf ihren Internetseiten mitteilten.
In Hessen gibt es ebenfalls Beeinträchtigungen im öffentlichen Nahverkehr. Laut dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) kommt es aktuell im RMV-Gebiet witterungsbedingt zu Einschränkungen im Busverkehr. Es sei mit Verspätungen und Ausfällen zu rechnen, hieß es am Morgen. Einige Linien werden den Angaben zufolge komplett eingestellt.
Auch in Nordhessen sorgt die Wetterlage für Probleme. Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) sowie die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) teilten auf ihren Internetseiten mit, es könne aktuell auf vielen Linien zu Verspätungen und Ausfällen kommen.
Der Chef des für die Infrastruktur zuständigen Bahnunternehmens DB InfraGo, Philipp Nagl, sagte am Sonntag, er gehe nicht davon aus, dass es durch die Glätte erneut so große Probleme wie am Freitag und Samstag geben könnte. Die Bahn hatte wegen des Wintersturms »Elli« den Fernverkehr im Norden Deutschlands seit Freitag zeitweise komplett eingestellt. Am Sonntagmittag fuhren rund zwei Drittel im Fernverkehr der Deutschen Bahn in Norddeutschland wieder normal, wie Bahn-Chefin Evelyn Palla sagte.
Distanzunterricht in mehreren Bundesländern
Im bevölkerungsstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen bleiben die Schulen am Montag wegen der Glatteis-Gefahr ebenso geschlossen wie in Niedersachsen und in Bremen. Der Präsenzunterricht fällt aus. Die Behörden in Niedersachsen verwiesen darauf, dass ein sicherer Schülertransport nicht gewährleistet werden könne. Ausnahmen gibt es auf den ostfriesischen Inseln.
In NRW werde lediglich eine Notbetreuung angeboten, teilte die Landesregierung mit. Einen zusätzlichen Tag Ferien gibt es für die Schülerinnen und Schüler deshalb aber nicht: »Es ist kein Schulfrei – die Schülerinnen und Schüler müssen schon arbeiten«, sagte Schulministerin Dorothee Feller (CDU) im WDR.
Die Klassen seien lediglich in den Distanzunterricht geschickt worden, damit sich niemand auf dem womöglich gefährlichen Schulweg verletze. Lehrer könnten ihren Unterricht entweder per Video anbieten oder den Kindern und Jugendlichen Arbeitsmaterial zuschicken.
Auch in Bremen bekommen die Schülerinnen und Schüler wegen der Blitzeis-Gefahr Distanzunterricht. In Niedersachsen entscheiden die Schulen überwiegend selbst, ob es Distanzunterricht gibt, berichtet der NDR .
