Ein Gerichtsvollzieher wurde am Morgen in Bexbach im Saarpfalz-Kreis getötet, während er im Dienst war. Der Landesverband der Gerichtsvollzieher im Saarland hat mit Trauer und Fassungslosigkeit auf die Nachricht reagiert. »Wir sind alle total geschockt«, sagte der erste Vorsitzende Gerd Luckas im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. »Jetzt wird uns die Gefahr unseres Berufs wieder sehr bewusst.«
Sicherheit sei immer schon viel diskutiert worden, »aber es wird ein immer größeres Thema werden«. Denn die Verrohung gegenüber der Staatsgewalt nehme immer weiter zu – davon seien auch die Gerichtsvollzieher betroffen, sagte Luckas.
Bundesweit beschäftige sich der Deutsche Gerichtsvollzieher Bund (DGVB) mit neuen Sicherheitsmaßnahmen, die man einführen könne. Auch im Saarland, in dem es 47 aktive Gerichtsvollzieher gebe, sei der Landesverband dazu bereits in guten Gesprächen mit dem Justizministerium. »Wir sind dran am Thema Schutzmaßnahmen, um das Machbare zu verbessern«, sagte Luckas. Zum Beispiel, dass auch hier – so wie in Nordrhein-Westfalen – künftig der Einsatz von Pfeffersprays erlaubt werde. Schutzwesten würden den Gerichtsvollziehern auf Wunsch schon jetzt gegen einen Eigenanteil zur Verfügung gestellt.
Pfefferspray und Schutzwesten
Zur Wahrheit gehöre jedoch auch, dass nicht jeder solche Sicherheitsvorkehrungen im Dienst benutzen könne oder wolle. Denn Pfefferspray beispielsweise könne im Ernstfall womöglich auch gegen den Gerichtsvollzieher eingesetzt werden. »Was bringt Sicherheit, was macht es gefährlicher, was provoziert mögliche Täter vielleicht. Das ist ein aktuelles Thema, bundesweit«, sagte Luckas.
Tatsache sei, dass sich die Kollegen in die Privaträume von Menschen begeben würden, es sich nie um einen angenehmen Besuch handle und im Grunde immer ein Konfliktpotenzial vorhanden sei. »Wir vollstrecken. Es kann sich um einen ganz normalen Auftrag handeln, den man 100 Mal und jahrzehntelang gemacht hat – und es kann trotzdem sehr gefährlich sein. Das ist unser Alltag.«
Bei dem 58-Jährigen, der in Bexbach getötet worden war, habe es sich laut Luckas um einen sehr erfahrenen Kollegen gehandelt, mit dem er selbst noch vor über 20 Jahren gemeinsam die Ausbildung zum Gerichtsvollzieher absolviert habe.
Einzelheiten zur Tat will die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken frühestens am späten Nachmittag oder Abend nennen.
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Bürgermeister erschüttert
Auch der Bexbacher Bürgermeister Christian Prech (CDU) äußerte sich entsetzt. Die Tat habe ihn »persönlich tief erschüttert«, wie auch die Menschen in ganz Bexbach, sagte Prech der dpa.
Nach seinem Kenntnisstand komme der getötete Gerichtsvollzieher auch aus Bexbach (Saarpfalz-Kreis). »Deswegen gilt auch natürlich mein tiefstes Mitgefühl seiner Familie, das ich hiermit aussprechen möchte.« Ihm sei zugetragen worden, dass die Tat bei einer Zwangsräumung passiert sein soll.
»Eine solche Tat stellt ganz klar einen Angriff auf den Rechtsstaat und somit einen Angriff auf uns alle dar«, sagte Prech.
