Gute-Laune Bilder vom Ex-Kanzler beim Moskaubesuch: Gerhard Schröder hat einen neuen Job: Er sitzt seit Kurzem im Aufsichtsrat einer russischen Supermarktkette. Und jetzt besuchte er sogar eine Filiale in der Hauptstadt. Und das hat einen besonderen Grund:
Christina Hebel, SPIEGEL:
»Wir haben in den letzten Wochen hier erlebt, dass Töchter westlicher Unternehmen quasi zwangsenteignet wurden. Das hat zum Beispiel den deutschen Konzern Metro betroffen, aber auch die Schweizer Unternehmensgruppe Nestlé. Ich höre hier aus Moskauer Wirtschaftskreisen, dass Schröder nun geholt wurde, um einen gewissen Schutz zu bieten, weil er eben sehr gute Kontakte zu Putin hat.
Seit dem Beginn von Russlands Krieg gegen die Ukraine erleben wir hier in Russland, das russische Geschäftsleute sich westliche Unternehmen, also Unternehmen aus den Staaten, die die Ukraine unterstützen, zum Spottpreis sichern. Das ist ein Umverteilungskampf um die Unternehmen, die hier noch vor Ort sind.«
Als Bundeskanzler machte sich Schröder stark für eine enge Zusammenarbeit mit Russland und förderte auch die Nordstream-Pipeline. Er ist mit Machthaber Putin befreundet und war Mitglied der Aufsichtsräte vom staatlichen russischen Ölkonzerns Rosneft und Töchtern des Gasunternehmens Gazprom, wofür er massiv kritisiert wurde. Auch während des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine traf sich Schröder mit Putin, um mögliche Friedensverhandlungen vorzubereiten – ohne Erfolg. Jetzt also Supermarkt…
Gerhard Schröder, Ex-Bundeskanzler:
»Hier spricht jemand, der selber nach der Volksschule Einzelhandelskaufmann gelernt hat. Ich bin also Kollege. Aber Sie werden sicherlich wie wir früher auch, Nerven behalten und eisern das Interesse Ihr eigenes und das des Unternehmens im Auge behalten.«
Christina Hebel, SPIEGEL:
»Globus ist hier die deutsche Supermarktkette, die sehr beliebt ist. Und firmiert auch immer noch unter der Marke Globus, obwohl das russische Geschäft hier vom deutschen Mutterkonzern bereits abgetrennt ist.
Globus hat hier sehr gezielt die Bilder verbreiten lassen, wie Schröder durch den Supermarkt gelaufen ist in einer Weste des Supermarktes. Also als ob er so der Filialleiter wäre im Kreise seiner Mitarbeiter, denen er jetzt beisteht. Eher der Kümmerer. Dass ein deutscher Ex-Kanzler hier jetzt eingeflogen wird und eben solche Bilder notwendig sind, zeigt für mich eigentlich, wie angespannt die Lage ist, wie hoch der Druck auf westliche Unternehmen ist und wie groß auch die Angst inzwischen ist vor weiteren Enteignungen. Ob Schröder wirklich langfristig die Übernahme von Globus hier verhindern kann? Das bezweifle ich.«
