Wenn über den Jahreswechsel der Afrika-Cup in Marokko ausgespielt wird, steht ein Spieler im Fokus, dessen Karriere eigentlich schon vor zwei Jahren für beendet erklärt worden war.
Der 23-jährige Offensivspieler Georgi Minoungou gab im September sein Länderspieldebüt für Burkina Faso, im November erzielte er in einem Test gegen Benin seine ersten beiden Treffer. Beim Jubel hielt er sich ein Auge und ein Ohr zu – als wolle er sagen: »Ich sehe zwar weniger – aber eure Zweifel höre ich gar nicht.«
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Minoungou, geboren in einem kleinen Dorf in der Elfenbeinküste, kämpfte sich über die zweite tschechische Liga bis in die USA. Im Reserveteam des MLS-KLubs Seattle Sounders überzeugte er mit seinen schnellen Dribblings und trainierte bald mit der ersten Mannschaft.
Doch nach einigen Einheiten im Trainingslager 2023 im spanischen Marbella begann sein linkes Auge plötzlich zu jucken und zu brennen. Der Teamarzt hielt es zunächst für eine Allergie, ein Augenspezialist vermutete einen Insekten- oder Tierbiss. Doch der Zustand verschlechterte sich binnen weniger Tage dramatisch: Das Auge füllte sich mit Blut, färbte sich erst rot, dann schwarz und schließlich komplett weiß. Ein weiterer Spezialist erklärte, er habe so etwas in 38 Jahren Berufserfahrung noch nie gesehen.
Auf dem linken Auge blind: Georgi Minoungou
Foto: Melissa Levin / ZUMA Press Wire / IMAGOIrreparabler Schaden
Nach einer Operation, bei der Ärzte das Blut vor und hinter dem Auge entfernten, stand fest: Der Sehnerv ist abgestorben. Minoungous Sehvermögen auf dem linken Auge ist für immer verloren. Die Ursache bleibt bis heute ungeklärt. »Ich war am Boden zerstört«, sagte Minoungou dem Portal »Sport Bible« . »Der Arzt sagte mir, ich würde nie wieder Fußball spielen.«
Doch Minoungou weigerte sich, diese Prognose zu akzeptieren. Mit Schutzbrille kehrte er ins Mannschaftstraining der Seattle Sounders zurück. Obwohl er nicht das gesamte Spielfeld überblicken konnte, dribbelte er in der ersten Trainingswoche nach eigener Aussage jeden Mitspieler aus. »Ich habe zwar ein Auge verloren, aber ich bin immer noch besser als viele mit zwei«, habe er sich gesagt.
Stets gut gelaunt: Georgi Minoungou auf dem Weg ins Stadion bei einem MLS-Spiel
Foto: Melissa Levin / ZUMA Press Wire / IMAGOEr musste allerdings seine Spielweise umstellen, seinen Körper beim Verteidigen anders positionieren. Täglich trainierte er doppelt – morgens mit dem Team, am Nachmittag nur für sich. Er lernte nach ein paar Monaten trotz des toten Winkels alle entscheidenden Informationen, wie die Positionierung seiner Gegen- und Mitspieler, wahrzunehmen. »Ich fühle mehr, als ich sehe. Es ist unglaublich, wozu das Gehirn in der Lage ist«.
Wer Minoungou begegnet, berichtet häufig dasselbe: Er strahlt. Auf dem Trainingsplatz, im Stau, selbst in jenen Nächten, in denen er wegen seines verletzten Auges vor Schmerzen kaum schlafen konnte. »Das Beste an Georgi ist, dass er ein so fröhlicher Mensch ist, der alles Negative in seinem Leben abschütteln kann«, sagte ein ehemaliger Trainer der »Seattle Times« .
Im August 2024 erhielt er schließlich seinen Profivertrag bei den Sounders. Mit starken Leistungen im Eins-gegen-eins kam er immer häufiger zu Einsätzen auf dem rechten Flügel und erzielte im folgenden Oktober gegen Vancouver sein erstes MLS-Tor. Im vergangenen Sommer spielte er sogar bei der Klub-WM gegen Paris Saint-Germain. Kurze Zeit später nominierte Burkina Fasos Cheftrainer Brama Traoré erstmals für die Nationalmannschaft und kam der Elfenbeinküste, für die Minoungou auch spielberechtigt gewesen wäre, zuvor. Mit der Teilnahme am Afrika-Cup werde nun ein Kindheitstraum Realität, sagt Minoungou im Interview mit dem afrikanischen Fußballverband CAF.
Zum Auftakt trifft Burkina Faso am 24. Dezember auf Äquatorialguinea. Und Minoungou denkt schon weiter: »Mit dem Afrika‑Cup will ich junge Menschen in Burkina Faso und darüber hinaus inspirieren, niemals aufzugeben. Und warum sollten wir nicht den Pokal holen?«
Der letzte Afrika-Cup galt als das beste und unterhaltsamste Turnier seit vielen Jahren. Woran das lag, lesen Sie hier .
