Nach dem Einbruch in eine Gelsenkirchener Sparkasse haben Betroffene Klage eingereicht. Sie fordern darin von der Bank die volle Haftung für die entstandenen Schäden und werfen ihr mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen vor, teilte der Anwalt Daniel Kuhlmann mit. Insgesamt hätten sich mehr als 600 Geschädigte an seine Kanzlei gewandt. Um eine Klagewelle zu vermeiden, beschränke man sich zunächst auf drei repräsentative Fälle.
Darunter ist Kuhlmann zufolge ein Rentner, der nach dem Verkauf einer Wohnung 400.000 Euro bar in seinem Schließfach hatte. Ein Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens soll Bargeld, Schmuck und eine Rolex-Uhr im Wert von rund 120.000 Euro deponiert haben. Der dritte Geschädigte habe Gold im Wert von etwa 50.000 Euro gelagert.
Laut Kuhlmann sei man »optimistisch«, dass die Bank in allen Fällen fahrlässig gehandelt habe. Zudem könnten die Personen nachweisen, dass die Gegenstände tatsächlich im Schließfach waren und ihnen gehörten. Beide Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit die Bank haftet. Das Ziel ist laut der Kanzlei ein »sinnvoller Vergleich« mit der Sparkasse.
Bank sieht sich selbst als Opfer
Die Klagen gingen den Angaben zufolge beim Landgericht Essen ein. Weder das Gericht noch die Sparkasse äußerten sich bislang dazu. Letztere hatte nach der Tat mitgeteilt, sie sei selbst Opfer des Verbrechens. Die betroffenen Räume seien »nach anerkanntem Stand der Technik gesichert« gewesen, die Sicherheitstechnik »auf dem neuesten Stand«.
Nach SPIEGEL-Informationen sollen im Tresorraum allerdings keine Bewegungsmelder angebracht gewesen sein. Eine Überwachungskamera habe nur während der Öffnungszeiten der Filiale Bilder aufgezeichnet.
Die Sparkasse Gelsenkirchen richtet nun eine zentrale Servicestelle für Betroffene ein. Ab dem 2. Februar können dort Unterlagen zum Inhalt der Schließfächer eingereicht werden. »Wir wissen, dass diese Situation für viele mit Sorgen und Unsicherheiten verbunden ist«, heißt es in einer Mitteilung.
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Maskierte Täter waren im Dezember über eine Tiefgarage in die Bankfiliale im Stadtteil Buer eingedrungen. Von dort bohrten sie sich in den Tresorraum, brachen rund 3100 Schließfächer auf und erbeuteten Wertsachen in mehrstelliger Millionenhöhe. Die Ermittlungen dauern an.
Wie die Täter an ihre Beute gelangten, sehen Sie in der 3D-Rekonstruktion .
