Selbst aus Gaza berichten? Das war für ausländische Journalistinnen und Journalisten nach dem 7. Oktober lange gar nicht möglich, bis heute geht es nur in Begleitung des israelischen Militärs. Auch dieser Beitrag musste vor Veröffentlichung durch die Militär-Zensur. Zu sehen gibt es nur das, was Israel uns zeigen will: Trümmerhaufen und ein unterirdischer Tunnel – mit Toilette und Schlafplatz.
Thore Schröder, SPIEGEL:
»Ich war heute das erste Mal überhaupt in einem Hamas-Tunnel in Gaza und ich fand es erstaunlich, wie gut ausgebaut dieser ist. Genauso erstaunt fast, wie viele Kilometer Tunnel noch im Boden in Gaza sind, auf der von Israel besetzten Seite, aber vor allem darüber hinaus. Schockiert hat mich, wie groß die Zerstörung ist, das ist wirklich eine vom Krieg veränderte Topografie und angesichts dessen, wie tief die israelische Armee sich dort eingegraben hat. Muss man eigentlich davon ausgehen, dass sie noch sehr viel länger dort bleiben wird.«
Der präsentierte Tunnel sei erst vor Kurzem entdeckt worden, berichtet ein Presseoffizier. Er berichtet auch von weiterhin aktiven palästinensischen Terroristen.
Nadav Shoshani, Sprecher israelische Streitkräfte:
»Erst letzte Woche haben wir gesehen, dass Terroristen aus einem Tunnel rund einen Kilometer nördlich von hier kamen. Da sind also immer noch Terroristen unter der Erde, die unsere Truppen bedrohen und Soldaten oder Zivilisten angreifen wollen.«
Die Botschaft auf der Pressetour ist also: Israel erfülle seinen Teil der Waffenruhevereinbarung zwischen Israel und Gaza, aber die Hamas tue es nicht.
Nadav Shoshani, Sprecher israelische Streitkräfte:
»Wir graben systematisch an allen Orten, die östlich der gelben Linie liegen. Wir graben systematisch, aber es ist nicht nur graben. Wir überprüfen … das können Geheimdienstinfos sein, graben, hoch entwickelte Technologie, über die ich Ihnen nichts verraten kann … Aber wir überprüfen die ganze Region, die östlich der gelben Linie liegt, was Teil der Vereinbarung ist, um sicherzustellen, dass die Zukunft von Gaza heißt: keine Terroristen über wie unter der Erde.«
Thore Schröder, SPIEGEL:
»Wie systematisch? Also alle zwei Meter?«
Nadav Shoshani, Sprecher israelische Streitkräfte:
»Systematisch.«
Die sogenannte »Gelbe Linie« teilt den Gazastreifen in einen von Israel weiterhin besetzten Teil – östlich – und in einen von der Hamas kontrollierten – westlich. Für beide Seiten scheint wirklicher Frieden kaum greifbar. Und unabhängige Berichterstattung von vor Ort bleibt für ausländische Journalisten unmöglich.