SpOn 17.02.2026
21:22 Uhr

Gaza-Debatte bei Berlinale: Mehr als 80 Künstler in offenem Brief »bestürzt«


Zahlreiche Schauspieler und Regisseure haben Kritik an der Berlinale in der Gaza-Frage geäußert. Sie werfen dem Filmfestival Zensur vor.

Gaza-Debatte bei Berlinale: Mehr als 80 Künstler in offenem Brief »bestürzt«

Mehr als 80 Künstler haben einen offenen Brief unterzeichnet, der das Filmfestival Berlinale für seinen Umgang mit dem Krieg in Gaza kritisiert. Schauspieler wie Tilda Swinton und Javier Bardem unterschrieben den Brief, der in der Zeitschrift »Variety « veröffentlicht wurde. Die Unterzeichner seien »bestürzt« darüber, dass die Berlinale an der »Zensur« von Künstlern beteiligt sei. Sie erwarteten von den Institutionen ihrer Branche, »dass sie sich der Komplizenschaft bei der schrecklichen Gewalt verweigern, die weiterhin gegen Palästinenser ausgeübt wird.«

Der Brief folgt auf eine Auseinandersetzung bei der Berlinale, in der es im Kontext des Gazakriegs darum geht, ob Kunst politisch sein soll. Der diesjährige Jurypräsident, Regisseur Wim Wenders, 80, hatte bei einer Pressekonferenz gesagt, »wir müssen uns aus der Politik heraushalten.«

Leitung der Berlinale stellt sich hinter ihre Filmschaffenden

Die Schriftstellerin Arundhati Roy, 64, sagte daraufhin ihren Besuch bei der Berlinale ab. Zu hören, dass Kunst nicht politisch sein sollte, sei einfach nur unfassbar, schrieb die Autorin in einem Statement, das zuerst im indischen Medium »The Wire« veröffentlicht wurde . Die Festivalleitung stellte sich als Reaktion auf die Debatte in einem Statement  hinter die Teilnehmenden und kritisierte die Erwartungshaltung an die Künstler, zu politischen Themen Stellung zu beziehen.

In ihrem Brief widersprechen die 81 Künstler Wenders Aussagen über Politik und Film »entschieden«. Man könne das eine nicht von dem anderen trennen. Unter den Unterzeichnern sind frühere sowie aktuelle Teilnehmende der Berlinale, wie die Schauspieler Angeliki Papoulia, Saleh Bakri und Tatiana Maslany, sowie die Regisseure Mike Leigh, Lukas Dhont und Nan Goldin.

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Der Gazakrieg beschäftigt die Berlinale seit mehreren Jahren und hat das Festival zuletzt auch institutionell unter Druck gesetzt. Bei der Preisverleihung 2024 nutzten Preisträger und einzelne Jurymitglieder die Bühne für politische Statements, forderten einen Waffenstillstand und äußerten sich teils scharf zum israelischen Vorgehen; im Publikum und in der Politik folgte darauf eine Debatte bis hin zu Antisemitismusvorwürfen.

Auch 2025 kam es erneut zu einem Eklat: Bei einer Veranstaltung wurde eine Erklärung verlesen, die Deutschland die Unterstützung eines »Genozids« vorwarf; der Staatsschutz prüfte den Vorgang, der Zentralrat der Juden äußerte sich »fassungslos«.

fwu