Im Gazastreifen sind Helfern zufolge zahlreiche Kinder schon vor ihrer Geburt vom Hunger betroffen. Säuglinge kämen teils mit gefährlichem Untergewicht zur Welt, warnt das Kinderhilfswerk Unicef unter Bezug auf eine Mitarbeiterin, die sich derzeit in Gaza befindet . Viele Schwangere seien mangelernährt, was einen »Dominoeffekt« auslöse.
Nach Angaben der Organisation wurde zwischen Juli und September bei etwa 38 Prozent der schwangeren Frauen eine akute Mangelernährung festgestellt. »Mangelernährte Mütter bringen untergewichtige oder zu früh geborene Babys zur Welt, die in den Neugeborenen-Intensivstationen in Gaza sterben oder nur überleben, um selbst mit Mangelernährung oder möglicherweise lebenslangen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen«, sagte Unicef-Sprecherin Tess Ingram.
Im Vergleich zur Zeit vor dem Krieg habe sich der Anteil der Kinder, die mit einem Geburtsgewicht von unter 2,5 Kilogramm auf die Welt kamen, von fünf auf zehn Prozent erhöht. Im ersten Halbjahr dieses Jahres waren das den Angaben zufolge 300 untergewichtige Neugeborene pro Monat. Zu Beginn des zweiten Halbjahres sei die Zahl auf gut 460 gestiegen. Untergewichtige Säuglinge haben dem Bericht zufolge ein 20-mal höheres Sterberisiko als solche mit normalem Gewicht.
Überteuerte Lebensmittel
Im Oktober gab es in Gaza laut Unicef rund 9300 Kinder unter fünf Jahren, die akut mangelernährt waren. Damals hatten die israelische Regierung und die Hamas sich auf ein Abkommen verständigt, das unter anderem mehr humanitäre Hilfe in dem Küstenstreifen ermöglichen sollte. Die Zahl zeige, dass die Hilfslieferungen nach wie vor unzureichend seien, sagte Ingram.
Sie sprach von Babys mit einem Gewicht von weniger als einem Kilogramm, die im Krankenhaus »mit ihren winzigen Brustkörben um ihr Leben kämpften«. Die meisten Familien könnten sich trotz der verstärkten Hilfslieferungen nur wenige Lebensmittel leisten; Fleisch koste etwa rund 20 Dollar pro Kilogramm.
Es würden nicht genügend Handelsgüter in das Gebiet gelangen, sagte die Unicef-Sprecherin: »Wir haben einige Verbesserungen gesehen, aber wir fordern weiterhin, dass alle verfügbaren Grenzübergänge in den Gazastreifen geöffnet werden.«
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