SpOn 05.03.2026
07:55 Uhr

Gas aus Russland: Wladimir Putin erwägt sofortigen Stopp der Lieferungen in die EU


Die EU hat sich zu einem Stopp der Gaslieferungen aus Russland bis Ende 2027 durchgerungen. Nun droht Kremlchef Putin damit, den Hahn selbst schon früher abzudrehen.

Gas aus Russland: Wladimir Putin erwägt sofortigen Stopp der Lieferungen in die EU

Die Lage auf dem Gasmarkt ist durch die Verwerfungen des Irankriegs bereits äußerst angespannt. Nun droht Russlands Präsident Wladimir Putin auch noch damit, die Lieferungen in die EU einzustellen. »Jetzt öffnen sich andere Märkte. Und vielleicht ist es für uns vorteilhafter, jetzt sofort die Lieferungen für den europäischen Markt einzustellen«, sagte Putin in einem auch vom Kreml veröffentlichten Interview des russischen Staatsfernsehens.

Die Preise für Gas sind in Europa zuletzt bereits kräftig in die Höhe geschossen. Angesichts der Angriffe auf Betriebsanlagen hat es in Katar etwa Produktionsstopps für Flüssigerdgas (LNG) gegeben. Katar ist einer der weltweit wichtigsten LNG-Produzenten. Selbst wenn es weiter produzieren könnte, würde derzeit aber kaum etwas aus dem arabischen Land abfließen: Etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases werden durch die derzeit blockierte Straße von Hormus transportiert .

Sollte Russland die Lieferungen nach Europa nun selbst stoppen, würde es dem Inkrafttreten von EU-Sanktionen zuvorkommen. Schließlich will die Europäische Union ja von Gaslieferungen aus Russland komplett loskommen – aber erst Ende 2027 und noch nicht im Frühjahr 2026. Trotz der Sanktionen liefert Russland bislang immer noch in großem Stil Gas nach Europa.

Putin sagte, dass er nur laut darüber nachdenke, ob die Orientierung auf andere Märkte und das Fußfassen dort für Russland jetzt nicht günstiger sei. Eine Entscheidung sei nicht gefallen. Er beauftrage aber die Regierung und die Unternehmen, einen solchen Schritt zu prüfen. Putin betonte zwar einmal mehr auch, dass Russland ein verlässlicher Lieferant auch in Europa bleiben wolle. Dabei hat er aber vor allem treue Kunden wie Ungarn und die Slowakei im Blick.

Immerhin sind die LNG-Importe aus Russland nach Europa zuletzt ein bisschen zurückgegangen. Die EU hat laut Eurostat zuletzt noch Flüssigerdgas aus dem Land im Wert von rund 7,4 Milliarden Euro importiert – ein Minus von rund drei Prozent zum Vorjahreswert. Insgesamt wurde 2025 LNG im Wert von rund 46,0 Milliarden Euro importiert. Das meiste kam aus den USA.

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Russland arbeitet wegen der EU-Sanktionen seit Längerem daran, seine Gaslieferungen massiv zu diversifizieren – und vor allem nach China auszubauen. Auch die Kapazitäten zum Export von Flüssigerdgas werden erweitert – beispielsweise mit dem Arctic-LNG-2-Projekt auf der Gydan-Halbinsel .

Trotz allem behauptete Putin, dass es keinen politischen Hintergrund für seine Überlegungen gebe. Es gehe ums Geschäft. Wenn die EU ohnehin bald kein russisches Gas mehr abnehme, »ist es besser, jetzt selbst aufzuhören und in die Länder zu gehen, die zuverlässige Partner sind, und uns dort zu etablieren«, sagte er.

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apr/dpa