SpOn 01.03.2026
17:01 Uhr

GIZ: Deutsche Entwicklungshelfer können seit Wochen Rechnungen nicht bezahlen


Die GIZ will moderne Strukturen in Entwicklungsländern fördern. Doch nun sind es die deutschen Entwicklungshelfer, die andere im Stich lassen. Laut einem Bericht bleiben seit Wochen Rechnungen unbezahlt.

GIZ: Deutsche Entwicklungshelfer können seit Wochen Rechnungen nicht bezahlen

Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) soll eigentlich dafür sorgen, dass das Leben in anderen Teilen der Welt besser wird. Brunnen sollen gebaut, Werte vermittelt, moderne und verlässliche Strukturen geschaffen werden. Doch nun ist es die bundeseigene Institution, die vielerorts für Probleme sorgt. Wegen einer komplizierten Umstellung auf die SAP-Software S/4HANA kann die GIZ seit Wochen ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Zuerst hatte die »Welt« darüber berichtet.

Die Gehaltszahlungen an die eigenen 25.000 Mitarbeitenden seien weiter gewährleistet, heißt es in dem Bericht. Viele externe Dienstleister der in 90 Ländern aktiven GIZ müssten jedoch fortlaufend vertröstet werden. Da die Organisation auf genau diese Partner angewiesen ist, komme es bei verschiedensten Projekten zu »massiven Problemen«.

In dem Bericht wird aus internen Chatnachrichten von frustrierten GIZ-Beschäftigten zitiert. Ein Mitarbeiter aus Indien monierte demnach, es sei »einfach nicht gut genug«, seit sechs Wochen dieselbe Nachricht zu bekommen: »Wir bitten um Verständnis, dass der Übergang zu Verzögerungen bei der Verarbeitung von Zahlungen führen kann. Wir versuchen alles, die Unannehmlichkeiten für Sie zu minimieren.«

GIZ-Zentrale im hessischen Eschborn

GIZ-Zentrale im hessischen Eschborn

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Eine andere Mitarbeiterin warnte offenbar, die deutsche Organisation verspiele womöglich das Vertrauen der Geschäftspartner. »Ich habe die Sorge, dass sie der GIZ nicht mehr trauen.« Die Kollegen in der Finanzabteilung seien an der »Frontlinie«, der Druck sei immens.

Ein Mitarbeiter aus Pakistan klagte über ein »peinliches Niveau« im Umgang mit externen Anbietern und Beratern. Das Problem sei äußerst drängend. Laut dem Bericht sollen erste Hotels die Anmietung von Meeting-Räumen verweigert haben, da ein Zahlungsausfall drohe. In Afrika gebe es Befürchtungen, dass die IT-Panne irgendwann zu einem Sicherheitsrisiko werden könne.

Eine GIZ-Sprecherin bestätigte auf SPIEGEL-Anfrage, »dass es bei der weltweiten Umstellung der Systeme zu Verzögerungen« gekommen sei, insbesondere bei Beschaffung und Finanzierung. In vielen Anwendungsbereichen sei der Betrieb des neuen IT-Systems inzwischen angelaufen, die Zahlungsfähigkeit sei weltweit gewährleistet. Sicherheitsvorfälle im Zusammenhang mit ausstehenden Zahlungen seien nicht bekannt. »Wir sind zuversichtlich, die Probleme schnellstmöglich zu lösen.«

Mehr zum Thema

Die GIZ betreut nach eigenen Angaben Projekte im Wert von 22 Milliarden Euro. Zuletzt hatte die Organisation auch mit Mittelkürzungen zu kämpfen.

jpe