SpOn 27.01.2026
10:26 Uhr

Fußball-WM in den USA: DFB-Präsident Bernd Neuendorf lehnt Boykott-Debatte ab


»Völlig verfehlt«: Nach einem Vorstoß von DFB-Vizepräsident Oke Göttlich hat sich Präsident Neuendorf in der Debatte über einen WM-Boykott positioniert. Sepp Blatter ist ganz anderer Meinung.

Fußball-WM in den USA: DFB-Präsident Bernd Neuendorf lehnt Boykott-Debatte ab

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hat sich zu Forderungen nach einem WM-Boykott eingeschaltet. Die Debatte sei »zum jetzigen Zeitpunkt völlig verfehlt« und komme zur »Unzeit«, sagte der 64-Jährige am Montag beim Neujahrsempfang der Deutschen Fußball Liga (DFL) in Frankfurt/Main.

Das DFB-Präsidium wird sich laut Neuendorf dennoch am Freitag mit dem Thema beschäftigen, das von Vizepräsident Oke Göttlich forciert wurde. Die Politik von US-Präsident Donald Trump sei für den DFB »sehr schwer zu bewerten, das überlassen wir der Politik«.

Ob er Anhängern eine Reise zur WM empfehlen könne, ließ Neuendorf offen: »Das muss jeder Fan erstmal für sich entscheiden – mit Unterstützung der Bundesregierung. Das muss die Politik bewerten und Empfehlungen abgeben an die Menschen, die in USA reisen wollen.«

Watzke und Dreesen gegen Boykottdiskussion

Göttlich hatte angesichts der Entwicklungen in den USA im Vorfeld des Empfangs Antworten von den Verantwortlichen hinsichtlich eines möglichen Boykotts gefordert. »Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen«, hatte Göttlich der »Hamburger Morgenpost«.

Andreas Rettig, beim FC St. Pauli einst im der Klubführung Seite an Seite mit Göttlich und mittlerweile als DFB-Geschäftsführer Sport tätig, hat Göttlichs Äußerungen ebenfalls mit Zurückhaltung aufgenommen. Man solle zunächst die Entwicklung abwarten und »nicht über jedes Stöckchen springen«, sagte er bei ran.de. »Ich habe es ein bisschen bedauert, dass Oke die Reihenfolge falsch gewählt hat, weil er ist eben nicht nur St.-Pauli-Präsident, sondern er ist auch DFB-Vizepräsident«, sagte Rettig: »Und in dieser Eigenschaft hätte er zunächst mal in unseren vier DFB-Wänden seine Sicht der Dinge uns mitteilen sollen und das wäre sicherlich zielführender gewesen.«

Gegner eines solchen Boykotts ist auch Hans-Joachim Watzke. Der Präsident der Deutschen Fußball Liga sagte, dass die Zeit für eine solche Debatte »momentan nicht reif« und sie deshalb »völlig fehl am Platz« sei. Bayern-Vorstandschef Jan-Christian Dreesen sagte: »Es hat noch nie eine WM gegeben, die boykottiert worden wäre. Ich wüsste nicht, warum wir nicht an dieser WM teilnehmen sollten.«

Als Befürworter zeigte sich hingegen der ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter. Der 89-Jährige verbreitete im sozialen Netzwerk X ein Zitat des Strafrechtlers und ehemaligen Fifa-Kommissionspräsidenten Mark Pieth aus einem Interview des Schweizer »Tagesanzeigers« und schrieb dazu: »Ich denke, Mark Pieth hat recht damit, diese WM infrage zu stellen.«

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Pieth hatte in dem Interview gesagt: »Wenn wir jetzt alles zusammennehmen, worüber wir geredet haben, gibt es für die Fans nur einen Rat: Bleibt weg von den USA! Ihr seht es am Fernseher sowieso besser. Und: Bei der Einreise müssen Fans damit rechnen, dass sie, wenn sie den Beamten nicht gefallen, direkt in den nächsten Flieger nach Hause geschickt werden. Wenn sie Glück haben.«

bka/dpa