Soll sich Deutschland nach 1974 und 2006 wieder als Gastgeber für eine Fußball-Weltmeisterschaft bewerben? Die CDU wird sich möglicherweise auf ihrem Parteitag am 20. und 21. Februar in Stuttgart zu dieser Frage positionieren. Einen entsprechenden Antrag hat der Kreisverband Rhein-Erft unter der Überschrift »Die Welt zu Gast bei Freunden 2.0« gestellt – in Anlehnung an das WM-Motto von 2006.
»Der Bundesparteitag der CDU Deutschlands möge beschließen: Die CDU Deutschlands befürwortet eine Bewerbung Deutschlands bei der Fifa als Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft (Fifa World Cup) der Männer für das Jahr 2042«, heißt es in dem Text, über den die Nachrichtenagentur dpa und die »Rheinische Post« berichten.
Demnach soll die Bundesregierung aufgefordert werden, ein Konzept für Deutschland als Austragungsort zu erarbeiten und eine Bewerbung des DFB »positiv anzuregen und zu unterstützen«. Der Antrag hat wohl gute Chancen auf dem Parteitag. Er wird den Delegierten von der Antragskommission offenbar zur Zustimmung empfohlen.
Werte des Fußballs »als Rechtsstaat und Demokratie« vertreten
Die Antragsteller verweisen darauf, dass zuletzt autoritär regierte Staaten wie Katar 2022 und Saudi-Arabien für 2034 den Zuschlag erhalten haben. Solche Länder wollten die Fußball-Weltmeisterschaft nur nutzen, »um ihr Image aufzupolieren«, heißt es in dem Antrag. Gerade deshalb sollte es für Deutschland ein großes Anliegen sein, »als Ausrichtungsland die Werte des Fußballs wie zum Beispiel Fairplay als Rechtsstaat und Demokratie zu vertreten«.
Konkrete Pläne des Deutschen Fußball-Bundes, der sich beim Weltverband Fifa um die WM bewerben müsste, gibt es nicht. Präsident Bernd Neuendorf hatte im November vergangenen Jahres mit Blick auf eine Bewerbung für die Weltmeisterschaft 2038 oder 2042 gesagt, dass er sich grundsätzlich vorstellen könne, »dass wir uns perspektivisch mit dieser Frage auseinandersetzen und schauen, unter welchen Rahmenbedingungen eine solche Bewerbung überhaupt denkbar ist«.
Es gebe nur wenige Verbände in der Welt, die die Infrastruktur hätten, um ein solches Turnier mit 48 Mannschaften und den damit einhergehenden Anforderungen zu stemmen. »Wir können selbstbewusst sagen, dass wir eine ausgezeichnete Infrastruktur besitzen«, so Neuendorf.
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Es wäre die dritte WM in Deutschland
In diesem Sommer wird die WM zum ersten Mal mit 48 statt 32 Mannschaften gespielt, was unter anderem auch deutlich mehr Partien bedeutet. Eine WM wurde bisher zweimal in Deutschland ausgerichtet: 1974 und 2006. Europameisterschaften fanden 1988 und 2024 in Deutschland statt. Mexiko, das in diesem Jahr zusammen mit den USA und Kanada Gastgeber ist, wird das erste Land sein, das zum dritten Mal eine WM ausrichtet.
Neben der WM-Endrunde 2030, die in Spanien, Portugal und Marokko ausgespielt wird, wobei Uruguay, Argentinien und Paraguay ebenfalls Partien austragen, ist auch die Endrunde für 2034 vergeben. Sie findet in Saudi-Arabien statt.
Zuletzt hatte – angesichts der Entwicklungen in den USA – eine Boykottdebatte für das Turnier im Sommer Fahrt aufgenommen. Eine Debatte zum jetzigen Zeitpunkt halte er für »völlig verfehlt«, sagte DFB-Präsident Neuendorf.
