SpOn 04.02.2026
06:04 Uhr

Fußball-WM 2026: EU-Abgeordnete drängen Uefa zu Boykott wegen Fifa-Preis für Donald Trump


Die Uefa hielt sich bislang zurück, nachdem die Fifa Donald Trump mit einem »Friedenspreis« ausgezeichnet hatte. EU-Abgeordnete von Grünen, Sozialdemokraten und Linken fordern nun Konsequenzen.

Fußball-WM 2026: EU-Abgeordnete drängen Uefa zu Boykott wegen Fifa-Preis für Donald Trump

19 EU-Abgeordnete der Grünen, der Sozialdemokraten, der Liberalen und der Linken fordern die Europäische Fußball-Union Uefa auf, sich bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA gegen die Fifa zu positionieren. Im Dezember hatte die Fifa den US-Präsidenten mit dem erfundenen »Fifa Peace Prize« ausgezeichnet und war dafür in die Kritik geraten.

Aus Deutschland unterzeichneten den Brief, der sich an die Führung der Uefa richtet, unter anderem die grünen Abgeordneten Rasmus Andresen, Erik Marquardt und Daniel Freund. Von der SPD ist etwa Matthias Ecke beteiligt, aus den Niederlanden Lara Wolters. Das Schreiben liegt dem SPIEGEL vor.

»In den letzten Jahren, insbesondere während der Trump-Regierung, haben die Vereinigten Staaten politische Maßnahmen ergriffen und eine Rhetorik verwendet, die ernsthafte Zweifel am Respekt gegenüber dem Völkerrecht, demokratischen Standards und dem Prinzip der Selbstbestimmung aufkommen lassen«, heißt es in dem Schreiben. Dazu zählten wiederholte Äußerungen und Handlungen im Zusammenhang mit Grönland. Die Bevölkerung Grönlands sei dabei zeitweise so behandelt worden, als handele es sich um »ein strategisches oder wirtschaftliches Gut und nicht um eine Gemeinschaft mit dem Recht, über ihre eigene Zukunft zu entscheiden«.

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Eine solche Rhetorik widerspreche den Werten des Fußballs, zu denen »Respekt, Würde, Gleichheit sowie die gegenseitige Anerkennung von Nationen und Völkern« gehörten. »Die Austragung der Fifa-Weltmeisterschaft 2026 in den Vereinigten Staaten birgt die Gefahr, diese politischen Haltungen zu normalisieren und zu legitimieren. Ein Turnier, das Milliarden von Menschen erreicht, kann nicht von seinem politischen Kontext getrennt werden«, heißt es weiter.

Die Uefa habe sich ausdrücklich zu Menschenrechten, Inklusion und der Achtung internationaler Normen bekannt. »Diese Verpflichtungen müssen auch dann gelten, wenn wirtschaftliche Interessen oder politischer Druck zunehmen.« Die Stimme der Uefa besitze innerhalb der Fifa moralisches und politisches Gewicht.

Schreiben richtet sich nicht gegen Spieler und Fans

Die Uefa wird daher aufgefordert, die Entscheidung, Donald Trump mit dem Fifa-Friedenspreis auszuzeichnen, öffentlich zu kritisieren. Zudem solle die Uefa Diskussionen über mögliche Konsequenzen unterstützen, »einschließlich koordinierter Boykotte oder anderer Maßnahmen, falls diese Werte weiterhin missachtet werden«.

Das Schreiben richte sich ausdrücklich nicht gegen den Fußball, die Spieler oder die Fans. »Es ist ein Appell, die Werte des Fußballs ernst zu nehmen – insbesondere in einem Moment, in dem die weltweite Öffentlichkeit besonders aufmerksam hinschaut«, heißt es.

Die Uefa hatte sich in der Vergangenheit bei politischen Diskussionen immer wieder zurückgehalten und berief sich dabei auf ihre Statuten, wonach sie politisch neutral sei.