SpOn 29.11.2025
18:20 Uhr

Fußball-Bundesliga: FC Bayern mit Mühe gegen FC St. Pauli, Sandro Wagner erlebt Debakel zum Geburtstag


Erst die Niederlage gegen Arsenal, nun ein Zitterspiel gegen St. Pauli: Die Bayern-Form ist weniger rauschhaft als zuletzt. Sandro Wagner erlebt zum 38. Geburtstag ein Debakel, Said El Mala bremst Bremens Heimserie.

Fußball-Bundesliga: FC Bayern mit Mühe gegen FC St. Pauli, Sandro Wagner erlebt Debakel zum Geburtstag

Bedenklicher Trend: Erst war bloß der Ball weg. Dann aber war auch Andréas Hountondji auf und davon, der Mittelstürmer des FC St. Pauli, der mit drei Toren in drei Spielen in die Saison gestartet war und seitdem auf seinen vierten Treffer wartete. Den holte er sich nun, im Wohnzimmer des FC Bayern München, wo er erst Kim Minjae wie einen Schuljungen aus dem Weg rempelte und sogleich in die kurze Ecke abschloss, wo Manuel Neuers ausgefahrenes Bein plötzlich nur noch nach Alibi aussah (6. Minute).

Unter der Woche hatte es die beste Mannschaft Europas gebraucht, um den Bayern die erste Saisonniederlage abzuringen. Nun hatte selbst der kleine Kiezklub mit seinen acht Liga-Niederlagen in Serie die Chance, das vermeintliche Team der Stunde zu ärgern. Den Klubgranden Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß mischten sich auf der Kabine Sorgen- unter die Lachfalten.

Die Ergebnisse: Der FC Bayern muss beim 3:1 (1:1) gegen den FC St. Pauli bis in die Schlussminuten zittern. Werder Bremen gibt im Tabellenmittelfeld beim 1:1 (1:0) gegen den 1. FC Köln einen Sieg aus der Hand. Der FC Augsburg kommt bei der TSG Hoffenheim 0:3 (0:3) unter die Räder, und Heidenheim gibt den letzten Tabellenplatz nach einem 2:1-Comeback bei Union Berlin (0:0) für den Moment an den FSV Mainz 05 ab. Bereits am Freitagabend hatte es ein torloses Remis zwischen Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig gegeben.

St. Pauli ist nicht Arsenal: Anders als beim Champions-League-Auftritt gegen den FC Arsenal hatten die Bayern diesmal (natürlich) die Mittel, das Spiel schnell wieder an sich zu reißen, dem Qualitätsunterschied sei Dank. Das gelang selbst mit Vincent Kompanys Teilrotation, der Bayern-Coach gönnte Stars wie Dayot Upamecano und Michael Olise vor der anstrengenden Pokalaufgabe am Mittwoch gegen Union Berlin eine Pause. Lennart Karl zirkelte einen Abschluss an den linken Pfosten (23.), Tom Bischof setzte den Ball mit einem abgefälschten Versuch aus dem Rückraum an den rechten Pfosten (35.). Wirklich bröckeln wollte das Bollwerk der Hamburger erst, als Luis Díaz im Sitzen für Raphaël Guerreiro vorlegte, der die Bayern mit einem Remis in die Pause schickte (44.).

Torschütze Raphaël Guerreiro fällt Luis Díaz in die Arme

Torschütze Raphaël Guerreiro fällt Luis Díaz in die Arme

Foto: Anna Szilagyi / EPA

Spät erlöst: Am Ende fielen die Bayern-Tore zwei und drei spät, aber folgerichtig: Mitunter hatte der Rekordmeister 80 Prozent Ballbesitz, Harry Kane zeigte sich vor dem Tor noch dazu ungewohnt schludrig. So mussten es Luis Díaz (90.+2) und Nicolas Jackson (90.+5) in der Nachspielzeit richten. »Diese zwei Tore noch zu erzielen, war eine Erlösung für uns«, sagte Joshua Kimmich nach dem Match. Die Stimmung in München wird jedenfalls erst einmal nicht kippen, das dürfte für die Beteiligten durchaus angenehm sein.

Erst eins, dann zwei, dann drei, dann Vierter: Anderswo in Bayern ist die Stimmung trüber. Der FC Augsburg reiste nach Sinsheim, um zum 38. Geburtstag von Cheftrainer Sandro Wagner drei Punkte bei der TSG Hoffenheim einzufahren. Stattdessen wurden es drei Gegentore: Bazoumana Touré war nicht zu halten (16.), Wouter Burger staubte ab (26.), und Cédric Zesiger hatte das Pech, den Ball vom Mitspieler angeschossen ins eigene Tor abzufälschen (45.+1.). In der Vorwoche hatte der FCA mit einem Sieg über den HSV noch die eigene Negativserie durchbrochen, nun ging es weiter mit dem freien Fall. Und Hoffenheim? Kämpft auf einmal um die Champions-League-Plätze mit und beendete den Nachmittag auf Platz vier.

Muss die Mütze enger schnallen: Augsburgs Trainer Sandro Wagner ist aus dem Tief noch nicht raus

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Foto: Uwe Anspach / dpa

El Malheur: St. Pauli, Union Berlin, der VfL Wolfsburg: Wer auswärts nach Bremen reisen muss, hatte in diesem Herbst wenig zu lachen. Das liegt nur bedingt am norddeutschen Schietwetter, vielmehr an der bemerkenswerten Heimserie unter Trainer Horst Steffen. Nun sollte der vierte Sieg am Stück her, das hatte es seit dem Frühjahr 2018 nicht mehr gegeben, damals noch unter Florian Kohfeldt.

Doch die Bremer hatten die Rechnung ohne Said El Mala gemacht: Der Kölner Unterschiedsspieler versuchte es trotz 0:1 (Marco Friedl hatte die Bremer in Führung geköpft, 22.) und mittelprächtiger Teamleistung unablässig. Und er hatte Erfolg: Mit einem Haken ging es vorbei an Yuki Sugawara, dann nutzte der Flügelstürmer den indisponierten Bremer Abwehrmann Niklas Stark als Bande für den Ausgleich (90.+1). Wenig später holte Stark El Mala dann im Mittelfeld von den Beinen, geriet im Anschluss mit Marius Bülter aneinander und flog vom Platz (90.+6). In Bremen wird man nun hoffen, dass beim zur Pause ausgewechselten Stammverteidiger Amos Pieper körperlich alles im Lot ist.

Heidenheim lebt: So ganz genau lässt sich kaum sagen, wo der 1. FC Heidenheim in dieser Saison überhaupt gepunktet hat. Gefühlt seit dem Saisonstart läuft das Team von der Ostalb der Konkurrenz hinterher, auch in Köpenick sah es zur Pause nach einem Treffer von Rani Khedira schon bitter aus (43.). Frank Schmidts ungewöhnliche Außenseitertruppe aber totzusagen wäre zu diesem Zeitpunkt der Saison übermütig. Denn zumindest an Moral mangelt es Heidenheim nicht: Ausgleich Stefan Schimmer (90.), Siegtor Jan Schöppner (90.+6). Auswärtssieg! Der Erste in der Liga seit dem 10. Mai – der Gegner damals: Union Berlin.