SpOn 07.02.2026
17:52 Uhr

Fußball-Bundesliga: Borussia Dortmund feiert Duselsieg beim VfL Wolfsburg, Werder Bremen verliert beim SC Freiburg


Nico Schlotterbeck will die Bayern jagen, in Wolfsburg gewann sein BVB tatsächlich – allerdings mit einigem Glück. Daniel Thiounes Debüt als Werder-Coach ging daneben. Und der HSV feierte einen großen Sieg im Abstiegskampf.

Fußball-Bundesliga: Borussia Dortmund feiert Duselsieg beim VfL Wolfsburg, Werder Bremen verliert beim SC Freiburg

Hat da jemand »Meister« gesagt? Vor dem Spieltag – bei sechs Punkten Rückstand auf den FC Bayern – sah sich BVB-Kapitän Nico Schlotterbeck zu einem Kampfansägchen gen München verleitet. »Man muss auch mal den Anspruch haben als BVB, den Fans zu sagen: Wir wollen Meister werden«, sagte der Verteidiger. Diese Ansprüche dürften nach dem glücklichen 2:1 von Borussia Dortmund beim abstiegsbedrohten VfL Wolfsburg zumindest ergebnistechnisch weiterhin bestehen. Die Borussia hat den Druck auf den FC Bayern vor dem Spiel des Rekordmeisters gegen Hoffenheim am Sonntag erhöht. Wie das gelang, ist einmal mehr eine andere Frage.

Die Ergebnisse vom Samstagnachmittag:
VfL WolfsburgBorussia Dortmund 1:2
SC FreiburgWerder Bremen 1:0
FC St. PauliVfB Stuttgart 2:1
1. FC HeidenheimHamburger SV 0:2
Mainz 05FC Augsburg 2:0

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Ready to Rumpelball: Das Ergebnis stimmte, aber spielerisch war es beim BVB – wie so oft in dieser Saison – schwere Kost. Wolfsburg stand zunächst tief und ließ kaum etwas zu. Erst ein Lattentreffer von Maximilian Beier (34. Minute) holte das Publikum aus der Trance, in die einen dieses Spiel streckenweise versetzte. Wenig später köpfte Julian Brandt (39.) nach einer Ecke zum 1:0 ein – mit dieser Führung ging Dortmund in die Pause.

Ausgerechnet Schlotterbeck: Nach dem Seitenwechsel erhöhte der VfL mit frühem Pressing den Druck, der Ausgleich fiel jedoch ebenfalls nach einem Standard. Ausgerechnet Schlotterbeck verschuldete mit einem Handspiel der Kategorie »Unnötig« einen Freistoß, in dessen Folge Konstantinos Koulierakis (52.) zum Ausgleich einköpfte. Der BVB durfte sich bei Mohamed Amoura bedanken, der mehrfach aus aussichtsreicher Position in sämtliche Himmelsrichtungen vergab. Serhou Guirassy (87.) zeigte seinem Stürmerkollegen, was Effizienz bedeutet, und erzielte kurz vor Schluss den Siegtreffer. Während sich der BVB, ohne so recht zu wissen wie, weiterhin im Titelkampf wiederfindet, richtet sich der Blick in der Autostadt nach unten. Nur die um zwei Tore bessere Tordifferenz im Vergleich zu Werder Bremen trennt die Wolfsburger vom Relegationsplatz.

Die turbulente halbe Minute: War das der berüchtigte Trainereffekt? Daniel Thioune, Werders neuer Coach, sah von der Seitenlinie aus zu, wie sein Stürmer Justin Njinmah hochsprang, ausholte und beinahe per Fallrückzieher das 1:0 in Freiburg erzielte – SC-Keeper Noah Atubolu verhinderte dieses Tor sehenswert. Solch offensive Schmankerl hatten in Bremen unter Vorgänger Horst Steffen zuletzt Seltenheitswert. Dann lief der Freiburger Konter. Und nur etwas mehr als eine halbe Minute später stand es 0:1 aus Werder-Sicht, erzielt per sehenswertem Schlenzer von Niklas Beste (13.). Thioune mag ein talentierter Trainer sein, ein Zauberer ist er nicht.

Dann kippt das Spiel: Ein Platzverweis gegen Freiburgs Johan Manzambi nach Videobeweis (52.) veränderte die bis dahin umkämpfte Partie komplett, in Überzahl belagerten die Bremer den Freiburger Strafraum. Trainer Thioune tigerte in seiner Coachingzone umher und sah mit an, wie Werder zu vielen Abschlüssen, aber wenig klaren Chancen kam. In der fünften Minute der Nachspielzeit köpfte Stürmer Keke Topp übers Tor, dann war es vorbei. So steht Bremen seit elf Spielen ohne Sieg da, der letzte Erfolg, ein 2:1 gegen Wolfsburg, ist mehr als drei Monate alt. In den vergangenen acht Partien blieb Werder sechsmal ohne Treffer. Und nun ist das Team auf den Relegationsplatz gerutscht, und der nächste Gegner ist Bayern München.

Das Nimm-du-ihn-Tor: St. Paulis Daniel Sinani gelang gegen den VfB etwas Besonderes: Er bereitete einen Treffer vor, ohne den Ball zu berühren. Aber gerade das war der Trick. Sinani machte einige Schritte in Richtung eines Querpasses, er tat so, als wollte er den Ball annehmen, aber dann trat er auf den Rasen und ließ den Ball zu Manolis Saliakas passieren. Der stand frei, Stuttgarts Abwehr hatte sich auf Sinani konzentriert, und traf mit dem Außenrist zum 1:0 für den Außenseiter (35.).

Gutes Karma: Sinanis Selbstlosigkeit brachte St. Pauli in Führung, und er erhielt auch einen persönlichen Lohn. Nach einem Handspiel von Stuttgarts Chris Führich gab es Elfmeter für die Hamburger, Sinani durfte schießen, er verlud VfB-Keeper Alexander Nübel souverän (55.). Und sorgte für ein Lebenszeichen auf dem Kiez: St. Pauli bleibt zwar Vorletzter der Bundesliga, doch der Relegationsplatz ist nur noch zwei Punkte entfernt.

Schlossberg statt Old Trafford: Gegen den FC Bayern hatte Luka Vušković in der Vorwoche erneut mit starkem Zweikampfverhalten und seinem 2:2-Ausgleichstreffer überzeugt. Die HSV-Leihgabe von Tottenham Hotspur hat längst das Interesse zahlreicher Topklubs geweckt. Laut Sky sollen neben mehreren Premier-League-Vereinen auch die Bayern interessiert sein. Bevor es für den 18-Jährigen jedoch in die großen Metropolen des Fußballgeschäfts geht, musste er sich mit dem HSV zunächst auf dem Heidenheimer Schlossberg beweisen – mit Erfolg: Die Hanseaten holten drei wichtige Punkte im Abstiegskampf.

Daniel Krake-Fernandes: Heidenheim erwischte den besseren Start, doch mit zunehmendem Ballbesitz beruhigte der HSV die Partie und belohnte sich kurz vor der Pause mit der Führung. Winterzugang Philip Otele legte für Ransford-Yeboah Königsdörffer (45.+3) auf, der damit sein erstes Tor seit November erzielte. Im zweiten Durchgang waren die Heidenheimer deutlich überlegen und zwangen HSV-Torwart Daniel Heuer Fernandes zu krakenhaften Paraden. Doch Rayan Philippe (78.) erhöhte nach Solo von Fábio Vieira auf 2:0. In Heidenheim gehen nach dem achten sieglosen Spiel in Serie allmählich die Lichter aus.

Der Fischer-Effekt: Seit Urs Fischer Mainzer Trainer ist, punktet der Abstiegskandidat wie ein Team, das um die Champions League spielt. Gegen Augsburg gelang der vierte Ligasieg im achten Spiel, dazu kommt ein Remis. Damit verbesserte sich die Mannschaft auf den 13. Platz, erstmals seit dem fünften Spieltag verließ 05 die Abstiegszone. Nadiem Amiri erzielte beide Tore per Strafstoß (8., 80.) und stellte so einen Sieg sicher, der selten in Gefahr war. Dieser Lauf wird zwar nicht für die Qualifikation zur Königsklasse reichen und auch kaum für den Europacup. Aber sollte der Fischer-Effekt nicht abflauen, wird Mainz auch in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen.