SpOn 06.02.2026
07:23 Uhr

Fünf Monate Bauzeit – Sanierung der Bahnstrecke Köln-Hagen beginnt


Umgeleitete Fernzüge und Ersatzbusse: Diesen Freitag um 21 Uhr wird die Bahnstrecke zwischen Köln und Hagen monatelang zur Sanierung gesperrt. Doch die maroden Stellwerke werden dabei nicht repariert.

Fünf Monate Bauzeit – Sanierung der Bahnstrecke Köln-Hagen beginnt

Die Bahn klammert bei der Generalsanierung der Strecke zwischen Köln und Hagen, die am Freitagabend beginnt, die teils maroden Stellwerke aus.

Trotz gut fünf Monaten Bauzeit sei keine Erneuerung von Stellwerken geplant, bestätigte das Unternehmen. Dabei sind einige davon in mangelhaftem oder sogar ungenügendem Zustand. Die Stellwerke könnten dennoch erst »weit in den 2030er-Jahren erneuert werden«, sagte eine Bahnsprecherin.

Die wichtige Strecke von Köln über Wuppertal nach Hagen wird für die 800 Millionen Euro teure Generalsanierung diesen Freitagabend um 21 Uhr bis zum 10. Juli komplett gesperrt. Fernzüge von Köln nach Berlin werden gut fünf Monate lang weiträumig umgeleitet, anstelle von Regionalzügen fahren Ersatzbusse. Die Idee hinter den aufwendigen Generalsanierungen ist, dass Reisende anschließend mindestens fünf Jahre lang ohne Einschränkungen durch Baustellen mit dem Zug fahren können.

Stellwerke mit Schulnote sechs

Die Grünen hatten im Bundestag nach Details zu der Streckensanierung zwischen Köln und Hagen gefragt. Dabei wollten sie auch konkrete Angaben zu den Stellwerken haben. Die Antwort aus dem Bundesverkehrsministerium war knapp: Es seien »keine Maßnahmen vorgesehen«. Die »Süddeutsche Zeitung« hatte zuerst darüber berichtet.

Dabei steht es um viele der acht Stellwerke in dem Abschnitt denkbar schlecht: Den Zustand von zwei Stellwerken in Wuppertal-Oberbarmen und Wuppertal-Steinbeck beschreibt das Bundesverkehrsministerium in seiner Antwort mit der Schulnote 6,0 – also glatt ungenügend. Das Stellwerk Hagen-Hauptbahnhof kommt auf eine 4,7, Solingen eine 4,6, Schwelm eine 4,5. Lediglich drei Stellwerke sind demnach gerade noch in befriedigendem Zustand.

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»In Bezug auf die Stellwerke ist diese Generalsanierung eine Schummel-Sanierung«, sagte der Grünenabgeordnete Matthias Gastel der »Süddeutschen«.

In einem Stellwerk sorgen die sogenannten Fahrdienstleiter dafür, dass Züge von A nach B kommen – etwa, indem sie Weichen richtig stellen und die Signale auf Grün schalten, wenn ein Gleisabschnitt frei ist. Probleme mit alten Stellwerken führen immer wieder zu Verzögerungen im Bahnverkehr.

Die Bahn entgegnet, dass bei der Sanierung zwischen Köln und Hagen zunächst einmal der Fokus auf die Gleise und auf den größtenteils schlechten Zustand der Bahnhöfe gelegt werden müsse. Hier unterschreite die aktuelle Situation »die Grenze dessen, was wir unseren Reisenden zumuten wollen«, sagte eine Bahnsprecherin. »Die Reisenden werden nach der Generalsanierung eine deutlich bessere Infrastruktur vorfinden.«

Bis zu 40 Minuten längere Fahrten

Sie betonte aber auch: »Eine Generalsanierung ist eine Sanierung und keine Neubaustrecke.« Deshalb könne nicht alles auf einmal erneuert werden. An den Stellwerken mit schlechten Zustandsnoten werde auch unabhängig von der Generalsanierung weiter gearbeitet. Verbesserungen seien dort in den kommenden Jahren ohne große Sperrungen des Bahnverkehrs möglich.

Aktuell empfiehlt die Bahn den Reisenden, während der fünfmonatigen Sperrung in der Onlineauskunft nachzuschauen, wie sie an ihr Ziel kommen. Dort seien alle Änderungen berücksichtigt. Im Fernverkehr werden ICE-Züge von Köln in Richtung Berlin und Hamburg über das Ruhrgebiet umgeleitet – dadurch dauert die Fahrt etwa 20 bis 40 Minuten länger. In Wuppertal und Solingen halten bis zum 10. Juli überhaupt keine Fernzüge. Hagen wird bis zum 15. Mai vom Fernverkehr abgeschnitten.

Im Regionalverkehr können während der Bauarbeiten auf einem Teil der Strecke zeitweise einige Züge über die S-Bahn-Gleise fahren. Dennoch werden viele Fahrgäste auf Ersatzbusse ausweichen müssen. Die sollen laut Bahn zwar im dichten Takt fahren, brauchen aber drei- bis viermal so lang wie ein Zug.

Gleichzeitig wird im Ruhrgebiet am Freitagabend die Sperrung der zweiten wichtigen Ost-West-Verbindung im nordrhein-westfälischen Bahnverkehr aufgehoben: Züge können dann wieder zwischen Duisburg, Essen und Oberhausen fahren. Die wichtige Fern- und Regionalstrecke zwischen Rheinland und Ruhrgebiet war wegen Bauarbeiten am Autobahnkreuz Kaiserberg in den vergangenen vier Wochen gesperrt.

mamk/dpa-AFX