Wer in Deutschland einen Führerschein machen will, muss aktuell 3000 Euro und mehr bezahlen. Dennoch nehmen offenbar viele die hohen Kosten in Kauf. Die Zahl der praktischen und theoretischen Prüfungen in Deutschland ist auf einen neuen Rekord gestiegen, zeigt eine Erhebung von Daten des TÜV-Verbands.
Die Ergebnisse im Überblick:
Über alle Klassen hinweg wurden im vergangenen Jahr 2,04 Millionen Theorieprüfungen abgelegt – 1,6 Prozent mehr als im Jahr 2024.
Zugleich wurden rund 1,89 Millionen Praxisprüfungen abgelegt, ein Plus von 4,9 Prozent.
Mit Abstand am beliebtesten ist der Autoführerschein: Die Klassen B und BF17 (Führerschein mit 17) machten 80 Prozent der theoretischen und 73 Prozent der praktischen Prüfungen aus.
Die Durchfallquote hat sich kaum verändert. Aktuell werden 44 Prozent der Theorieprüfungen nicht bestanden und 37 Prozent der praktischen Prüfungen – in etwa so viele wie im Jahr 2024. Junge Menschen, die am begleiteten Fahren ab 17 teilnehmen, schnitten in den Prüfungen besser ab. Nur in 35 Prozent der Fälle fielen sie durch die theoretische und in 24 Prozent durch die praktische Prüfung.
Mehrfach-Durchfaller tun sich schwer
»Der Führerschein boomt wie eh und je«, sagte Richard Goebelt vom TÜV-Verband. Die meisten Menschen bestünden gleich beim ersten Versuch. In der Theorie waren es 63 Prozent, in der Praxisprüfung 65 Prozent. »Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Gruppe der Wiederholenden tut sich schwer und scheitert häufig sogar mehrfach«, erklärte Goebelt. Bei Wiederholungsprüfungen bestehen in der Theorie nur 44 Prozent der Prüflinge und in der Praxis 58 Prozent.
Jede nicht bestandene Prüfung bedeute eine zusätzliche mentale, finanzielle und zeitliche Belastung für die Betroffenen. »Wer den Führerscheinerwerb effizienter und kostengünstiger gestalten will, muss alles daransetzen, den ersten Prüfungsversuch zum Erfolg zu machen. »Wer den Führerscheinerwerb effizienter und kostengünstiger gestalten will, muss alles daransetzen, den ersten Prüfungsversuch zum Erfolg zu machen«, sagte Goebelt.
Gerade jüngere Menschen schnitten bei den Tests häufig besser ab. Nur 35 Prozent der unter 18-Jährigen fielen durch die theoretische und 24 Prozent durch die praktische Prüfung. Der TÜV sieht darin eine Bestätigung für das Modell des begleiteten Fahrens ab 17.
Führerschein-Reform geplant
Die Ergebnisse kommen mitten in einer Debatte darüber, wie der Führerschein günstiger werden kann – dazu plant Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) eine Reform, die er am Mittwoch vorstellen will. Ziel der Reform ist laut Minister, »den Erwerb des Führerscheins bezahlbarer zu machen – bei gleichbleibend hohen Standards der Verkehrssicherheit«. Geplant sind etwa Vereinfachungen und digitale Lösungen für die theoretischen und praktischen Teile.
Seit seiner Reform-Ankündigung im Herbst ist laut Fahrlehrerverbänden in vielen Fahrschulen die Zahl der Anmeldungen eingebrochen. Der Grund: Viele potenziell neue Fahrschüler warten ab, bis der Führerschein günstiger wird. Warum das schiefgehen könnte, lesen Sie hier.
