Digitaler Unterricht, weniger Sonderfahrten, Fahrunterricht von Mama oder Papa: Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) kritisiert die Führerscheinreform, die Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) plant. Der Vorschlag sei »absolut entsetzend« und käme einem »massiven Angriff auf die Verkehrssicherheit« gleich, sagte der Vize-Vorsitzende der BVF, Kurt Bartels, der »Rheinischen Post«.
Schnieder hatte am Mittwoch die mit Ländervertretern überarbeiteten Eckpunkte zur Führerscheinreform vorgestellt. Geplant ist etwa die Erprobung der sogenannten Laienausbildung, bei der Fahrschülerinnen und -schüler mit Nahestehenden im Auto Fahrpraxis erwerben können. Außerdem soll die Vorbereitung auf die Theorieprüfung komplett online, etwa per App, erfolgen können. Die praktische Prüfung soll nur noch 40 statt 55 Minuten dauern, in der theoretischen Prüfung Fragen wegfallen. (Mehr zu den konkreten Punkten lesen Sie hier.)
Kritik auch vom TÜV
Bartels kritisierte, viele Themenbereiche könnten »nur im Präsenzunterricht vermittelt werden«. Es habe sich bereits während der Coronapandemie gezeigt, dass Distanzunterricht nicht zu besseren Ergebnissen führe, »im Gegenteil«. Mit den Reformvorschlägen könne kein Geld eingespart werden. »Es sind rein politische Äußerungen, die an der Wirklichkeit vorbeigehen«, sagte der BVF-Vertreter.
Auch vom TÜV-Verband gab es Kritik. »Eine ›Fahrprüfung light‹ darf es nicht geben«, sagte Richard Goebelt vom TÜV-Verband. »Dann machen wir Erfolge bei der Verkehrssicherheit der vergangenen Jahrzehnte zunichte.«
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Ähnlich sieht es der Deutsche Verkehrssicherheitsrat. »Exklusives Lernen per App« lehne das Gremium »kategorisch« ab, sagte Präsident Manfred Wirsch: »Lernen muss begleitet werden. Wir setzen auf eine gute Verzahnung von Präsenzunterricht und Onlineunterricht mit digitalen Elementen in der Fahrausbildung.«
Schnieder hält dagegen. Kein Vorschlag gehe zulasten der Verkehrssicherheit, sagte der CDU-Politiker bei der Vorstellung seiner Pläne. Ende März will Schnieder seine Vorschläge der Verkehrsministerkonferenz vorlegen und hofft dort auf eine Einigung mit Kollegen aus den Ländern.
Warum Experten eine Fahrstunde von Mama gar nicht so schlecht finden, lesen Sie hier.
