Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) strebt offenbar eine zweite Amtszeit an. »Ich habe schon noch vor, das eine längere Zeit zu machen«, sagte der 70-Jährige beim Politischen Aschermittwoch in Trier und verwies darauf, dass sein Vater im Januar 102 geworden sei.
An den rheinland-pfälzischen CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 22. März, Gordon Schnieder, gerichtet, sagte Merz: »Wenn wir dann, sagen wir in fünf Jahren, hier wieder stehen, dann möchte ich, dass wir beide gemeinsam, du als Ministerpräsident, ich im Amt als Bundeskanzler, wir beide zurückschauen und sagen: Das waren harte Zeiten, aber wir haben damals in der CDU Deutschlands und in dieser Bundesregierung und in dieser Landesregierung, geführt von Gordon Schnieder, die richtigen Entscheidungen getroffen.«
Der Kanzler sprach von einem Zeitpunkt in fünf Jahren: Das wäre 2031 – und in jedem Fall nach der nächsten Bundestagswahl, die für das Jahr 2029 geplant ist.
Linnemann: Merz hat die Gene
Merz ist am 11. November 70 geworden und der älteste Bundeskanzler seit Konrad Adenauer, der 1963 im Alter von 87 Jahren aus dem Amt schied. Am Freitag will sich Merz auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart zum dritten Mal zum Parteichef wählen lassen.
Auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hatte Merz erst kürzlich beste Voraussetzungen für eine lange politische Karriere bescheinigt. »Er hat’s selber gesagt: Sein Vater ist über 100 Jahre alt, seine Mutter knapp drunter«, sagte Linnemann dem »Stern». »Er hat also die Gene, dass er noch sehr lange Politik machen kann.«
Eine Debatte über eine erneute Kanzlerkandidatur hält der CDU-Generalsekretär allerdings für verfrüht. Auf die entsprechende Frage antwortete Linnemann: »Ich gehe davon aus, aber das ist keine Frage, die sich im Jahr 2026 stellt.«
Meinungsforscher des Instituts Forsa haben genau diese Frage jedoch bereits im November 2025 gestellt. Ergebnis: Drei von vier Befragten rieten Merz von einer erneuten Kanzlerkandidatur ab . 52 Prozent der Umfrageteilnehmer befanden, »es wäre besser, wenn der Bundeskanzler beziehungsweise die Bundeskanzlerin jünger wäre«.
Hauptsache, besser als Söder?
Die CDU-Führungsgremien bereiten am Donnerstag den zweitägigen Bundesparteitag in Stuttgart vor, der am Freitag mit den Vorstandswahlen beginnt. Merz tritt zum dritten Mal in Folge als einziger Kandidat für den Vorsitz an. Er war 2022 bei einem Onlineparteitag mit 94,6 Prozent der Stimmen gewählt und später mit 95,3 Prozent per Briefwahl bestätigt worden. 2024 kam er auf 89,8 Prozent.
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Viele in der CDU glauben angesichts des holprigen Starts in seine Amtszeit, dass er das nicht wieder erreichen kann. Andererseits könnte es sein, dass sich die Delegierten angesichts der fünf bevorstehenden Landtagswahlen hinter ihrem Vorsitzenden versammeln, um ein Zeichen der Geschlossenheit zu senden.
Als ein Maßstab bei den Spekulationen gilt das Ergebnis des CSU-Vorsitzenden Markus Söder, der mit 83,6 Prozent im vergangenen Dezember auf seinen bisher schlechtesten Wert gekommen ist. Es gibt bei Merz nun einige, die sagen: Hauptsache, besser als Söder.
