SpOn 19.02.2026
03:54 Uhr

Friedrich Merz sieht Russland im »Zustand der tiefsten Barbarei«


Bundeskanzler Friedrich Merz hat wenig Hoffnung auf ein schnelles Ende des russischen Angriffskriegs. Er nennt dafür konkrete Gründe – und auch »die bittere Wahrheit« über Wladimir Putin.

Friedrich Merz sieht Russland im »Zustand der tiefsten Barbarei«

Seit fast vier Jahren verteidigt sich die Ukraine gegen russische Angriffe. Und Bundeskanzler Friedrich Merz sieht kaum Chancen für ein rasches Kriegsende auf dem Verhandlungsweg. Das sagte er den Zeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (NBR) und der »Rheinpfalz«: »Dieser Krieg wird nach meiner Einschätzung erst zu Ende gehen, wenn eine der beiden Seiten erschöpft ist, entweder militärisch oder ökonomisch.«

Mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin fügte Merz hinzu: »Vernunft und humanitäre Argumente werden Putin nicht überzeugen. Das ist die bittere Wahrheit.« Es sei daher Ziel der europäischen Bemühungen, »dass der russische Staat den Krieg militärisch nicht weiter führen und ökonomisch nicht weiter finanzieren kann«.

Er halte es für »nahezu ausgeschlossen«, dass es mit Putin jemals wieder ​normale Beziehungen geben könne, so Merz. »Wenn ich mir dieses Regime anschaue und diesen blindwütigen Terror, habe ich wenig Hoffnung.«

Nach Einschätzung von Merz kann die »russische Machtclique auf absehbare Zeit gar nicht ohne Krieg auskommen. Sie muss die Kriegsmaschinerie am Laufen halten, weil sie keinen Plan hat, was sie sonst mit den Hunderttausenden von zum Teil schwer traumatisierten Soldaten machen soll, die von der Front zurückkehren«, sagte der CDU-Chef.

Merz zitierte den amerikanisch-französischen Historiker Astolphe de Custine, der im 19. Jahrhundert nach langen Reisen durch Russland gesagt habe: »Russland ‌ist in unseren Tagen für den ​Beobachter das merkwürdigste Land, ‌weil man in ihm die tiefste Barbarei neben der ‌höchsten ​Civilisation findet.« Dies sei immer noch aktuell. »Wir erleben im Augenblick dieses Land in einem Zustand der tiefsten Barbarei. Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern, und damit müssen wir uns abfinden.«

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Am Dienstag und Mittwoch hatten Vertreter der Ukraine und Russlands in Genf unter Vermittlung der USA über ein Ende des Angriffskriegs verhandelt. Die Gespräche endeten ohne greifbare Ergebnisse (mehr dazu hier).

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am Mittwochabend in seiner Videobotschaft, zwar hätten Militärvertreter bestimmte Punkte eingehend erörtert. Sensible politische Themen und ein mögliches Treffen der Staatschefs seien jedoch noch nicht hinreichend behandelt worden.

aar/dpa/Reuters